Ab 9. November Ludwigshafen: Eine Reise durch die Welt Ravels in vier Konzerten

Maurice Ravel, 1925. Der Themenschwerpunkt der BASF-Kulturfabrik bündelt einige der schönsten Werke des Komponisten.
Maurice Ravel, 1925. Der Themenschwerpunkt der BASF-Kulturfabrik bündelt einige der schönsten Werke des Komponisten.

Am 7. März vor 150 Jahren wurde Maurice Ravel geboren. Einen tiefen Einblick in das Schaffen des Komponisten gibt die BASF-Kulturfabrik mit ihrem Themenblock „Ravel 150“.

Gleich zum Auftakt der Reihe rekapituliert das Rezital des Pianisten Alexander Krichel Ravels stilistische Entwicklung. Krichel spielt – am So 9.11., 11 Uhr, im Gesellschaftshaus – drei Klavierzyklen des Franzosen. Die „Miroirs“, entstanden 1904/05, spiegeln Ravels impressionistische Phase wider. Da hört man Nachtfalter flattern, „eine Barke auf dem Ozean“ gleitet durch glitzernde Wellen, am Ende läuten die Glocken im Tal. Im Klaviertriptychon „Gaspard de la nuit“ von 1908 entwickelte Ravel diesen klingenden Impressionismus weiter ins Depressive („Le Gibet“) und Bizarre („Scarbo“). Schließlich markiert „Le Tombeau de Couperin“ – Couperins Grabmal – die neoklassizistische Wende im Schaffen des Komponisten.

Spielt drei Klavierzyklen Ravels: Alexander Krichel.
Spielt drei Klavierzyklen Ravels: Alexander Krichel.

Von 1914 bis 1917, also mitten im Ersten Weltkrieg, schuf Ravel diese Klaviersuite. Ihr Titel verweist zum einen auf den Cembalisten und Komponisten François Couperin (1668-1733), zum anderen auf die in der französischen Barockmusik gängige Praxis, verstorbenen Kollegen ein „Tombeau“, einen musikalischen Grabstein, zu setzen. Entsprechend spielen die sechs Sätze des „Tombeau de Couperin“ nicht bloß mit barocken Formen wie Präludium, Fuge und Menuett – jeder Satz ist außerdem einem Freund Ravels gewidmet, der im Krieg fiel.

Im Sog der barocken Form

Auch für den langsamen Satz seines zeitgleich komponierten Klaviertrios in a-Moll griff Ravel auf ein barockes Formmodell zurück: Hier ist es eine Passacaglia (franz. Passacaille), die im Zentrum des Werks für soghafte, zunehmend beklemmende und expressive Wirkung sorgt. Daneben frönt Ravel im Trio aber auch seiner Vorliebe für Exotisches: Im zweiten Satz, einem rhythmisch vertrackten Scherzo, übertrug er das Schema des „Pantoums“, einer Gedichtform aus Malaysia, auf Musik. Das Busch-Trio konfrontiert zwei klassische Klaviertrios von Haydn und Beethoven am So 23.11., 11 Uhr, im Gesellschaftshaus mit diesem originellen Werk der frühen Moderne.

Singt Lieder von Ravel: Christiane Karg.
Singt Lieder von Ravel: Christiane Karg.

„Zwischen Märchen, Traum und Wirklichkeit“ wird Ravel zuvor am Fr 14.11., 19.30 Uhr, im Feierabendhaus verortet. Schauspieler Dominique Horwitz liest Texte über den Komponisten, Gedichte von Baudelaire, Verlaine und Mallarmé sowie Oscar Wildes Kunstmärchen „Der selbstsüchtige Riese“, in dem sich eine Sehnsucht nach der Welt der Kindheit zeigt, die auch Ravel umtrieb, etwa in seiner Oper „Das Kind und die Zauberdinge“. Dazu singt die Sopranistin Christiane Karg ausgewählte Lieder Ravels. Und das Aris-Quartett verteilt das einzige Streichquartett des Komponisten satzweise über den Abend.

Des Klangmagiers Vermächtnis

Besonders radikal offenbart sich Ravels Faible für artifizielle Formexperimente in seinem populärsten Werk, dem „Boléro“ von 1928. Das Orchesterstück ist pure Mathematik; es basiert auf einem sich permanent wiederholenden Trommelrhythmus, über dem zwei Melodien 18 Mal in unterschiedlichen instrumentalen Besetzungen variiert werden.

Diese akribisch gedrechselte Musik erklingt am Mi 19.11., 19.30 Uhr, im fast ausverkauften Sinfoniekonzert der Staatsphilharmonie, neben Werken Gershwins und de Fallas und zusammen mit Ravels Klavierkonzert in G-Dur, das im ersten und dritten Satz heftig mit dem Jazz flirtet, währen das zentrale Adagio Welt und Zeit gleichsam zu entschweben scheint.

Das zwischen 1929 und 1931 komponierte Klavierkonzert, dessen Solopart in Ludwigshafen Lucas Debargue interpretiert, ist eines der letzten Werke, die Ravel vollenden konnte: Nach einem scheinbar harmlosen Autounfall im Jahr 1932 verstärkten sich bereits zuvor bemerkte Erschöpfungszustände. Ein schleichender Verfall setzte ein. Elf Tage nach der Hirn-OP, die diesen stoppen sollte, starb Ravel am 28. Dezember 1937.

Info

Ravel 150 – ab 9.11., Ludwigshafen, Gesellschaftshaus und Feierabendhaus der BASF, Info und Karten: basf.de/kultur, eventim.de. Das Sinfoniekonzert der Staatsphilharmonie mit dem Pianisten Lucas Debargue und Werken von Ravel, Gershwin und Manuel de Falla findet am Fr 21.11. um 19.30 Uhr auch in der Festhalle Wörth statt. Für das Gastspiel in der Südpfalz gibt es noch ausreichend Karten unter www.rheinpfalz.de/ticket, reservix.de und staatsphilharmonie.de.

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