Beliebtes Gemüse Frisch vom Pfälzer Acker: Bundzwiebelernte bei Zeiskam

Pfälzer Frühlingszwiebel-Pionier: Landwirt Dieter Stubenbordt.
Pfälzer Frühlingszwiebel-Pionier: Landwirt Dieter Stubenbordt.

Scharen von Erntehelfern ziehen seit Anfang März schon in die Frühlingszwiebeln. Wir waren auf dem Zeiskamer Hortulanushof zu Gast bei der Ernte der Frühlingszwiebeln.

Der Lehm klebt wie Leim an den Schuhen, der Winter zeigt an diesem Donnerstag selbst in der sonnigen Südpfalz noch einmal sein kaltes, nasses Gesicht, dem jedoch frisches Grün auf dem Acker farbenfroh und mit würzigem Duft trotzt: Scharen von Erntehelfern ziehen seit Anfang März schon in die Frühlingszwiebeln.

In winter- und regenfester Kleidung nebst gelbem „Friesennerz“ zupfen die Männer und Frauen jeden Alters gebückt oder kniend Pflanze für Pflanze aus dem schweren Boden, schütteln grob die Erde und streifen dann die äußeren, vom Winter gezeichneten Blätter ab. Die passende Anzahl Zwiebeln binden sie mit Bündelgummis zusammen, die sie in Tütchen mit sich führen. Die Zwiebelbünde werden in Plastikkisten gesammelt und auf dem Anhänger des bereitstehenden Treckers verstaut. Obwohl das Feld riesig erscheint und das Wetter sich nicht von seiner besten Seite zeigt, kommt die Gruppe überraschend flott voran.

Feldarbeit: für den Abtransport gebündelte Frühlingszwiebeln.
Feldarbeit: für den Abtransport gebündelte Frühlingszwiebeln.

Auch andernorts werden im frühen März bereits Frühlingszwiebeln geerntet. Die Pfalz ist nicht nur das größte Gemüseanbaugebiete in Deutschland, sie hält auch einen Europarekord: Nirgendwo sonst auf dem Kontinent werden mehr Frühlingszwiebeln kultiviert als im Gemüsegarten Pfalz. Dieter Stubenbordt baut das frische Zwiebelgemüse rund um seinen Hortulanushof bei Zeiskam auf 450 Hektar an, die Gesamtanbaufläche seines Hofs beziffert er je nach Zupacht für den Fruchtwechsel auf 1200 bis 1500 Hektar. Auch bunte Salate, Radieschen, Kohlrabi und Pak Choi werden hier erzeugt. „Die Bundzwiebeln sind aber ein Hauptstandbein des Betriebs“, sagt der Landwirtschaftsmeister, der vor Jahren als einer der Pfälzer Pioniere „in das Produkt eingestiegen“ ist. „Es ist das erste frische Gemüse überhaupt und man kann es lange ernten“, schätzt er als Unternehmer dessen Vorzüge. Im Supermarkt lasse es sich zudem „stabil handeln“, weil es recht gut haltbar sei. „Es hat sich am Markt gut durchgesetzt“, stellt Stubenbordt fest.

Vielseitig verwendbar

Kein Wunder, denn auch von Verbraucherseite her spricht einiges für die feinen Zwiebelchen mit den kräftig-würzigen Lauchröhren: Sie lassen sich grillen, einlegen, dünsten und peppen Salate, Rohkost und Dips auf. Gesund sind sie obendrein. Das Ernährungsportal eatsmarter.de bescheinigt ihnen, mit einem hohen Gehalt an Provitamin A die Sehkraft zu schützen, dank der enthaltenen Senföle das Immunsystem zu pushen, leicht antibiotisch und entzündungshemmend zu wirken. Außerdem machen sie den Angaben zufolge auch sonst rundum fit: „Mit 25 Milligramm Vitamin C liefern 100 Gramm Frühlingszwiebeln ein Viertel des empfohlenen Tagessolls. Dazu haben sie mehrere B-Vitamine zu bieten.“ Nicht zuletzt soll das beliebte Gemüse gut für die Figur sein: „Weil sie einen hohen Wasseranteil liefern, sättigen sie schnell und die Ballaststoffe verhindern Heißhunger-Attacken.“

Viele fleißige Hände

Umso besser, dass es sie fast das ganze Jahr über frisch vom Pfälzer Acker gibt. Auch wenn an diesem kaltnassen März-Donnerstag schon viele fleißige Hände auf dem Acker arbeiten, wird die Gruppe laut Stubenbordt während Hauptsaison noch wachsen. Bis zu 400 Erntehelferinnen und Erntehelfer beschäftigt der Südpfälzer Landwirt in der Spitze, neben 80 festen Mitarbeitenden. Die Größe des Unternehmens, das Stubenbordt seit 1996 in vierter Generation leitet, zeigt sich schon beim Betreten des modernen Gebäudekomplexes. In den Büroräumen des Aussiedlerhofs herrscht ein ebenso geschäftiges Treiben wie in den großen Produktionshallen nebenan.

Handarbeit: Bünde kommen aus der Transportkiste aufs Band.
Handarbeit: Bünde kommen aus der Transportkiste aufs Band.

Gerade kommt wieder einer der riesigen Transport-Trecker mit Frühlingszwiebeln gefüllt an – wie alle 40 bis 50 Minuten in dieser frühen Erntephase. In einer der Produktionshallen werden sie aus den blauen Transportkisten von Hand aufs Fließband gepackt, sortiert, gereinigt und von automatischen Messern auf Länge geschnitten. In der Hochsaison laufen laut Stubenbordt hier pro Stunde rund 240.000 Bünde vom Band.

Gereinigt und sortiert: Frühlingszwiebeln am laufenden Band.
Gereinigt und sortiert: Frühlingszwiebeln am laufenden Band.

Im vorderen Bereich des Fließbands hinterlässt der klebrige Lehm vom Feld an Handschuhen und Schürzen Spuren. Doch dort, wo die frischen Bundzwiebeln schließlich sorgsam in die unterschiedlichen, von den Kunden bereitgestellten Kisten gelegt werden, ist alles blitzsauber. Das deutlich zu vernehmende Wasserrauschen kommt nicht von ungefähr: 1000 Kubikmeter Wasser werden hier pro Stunde für das Reinigen der Ware in einem geschlossenen System umgewälzt.

Stubenbordt unterscheidet übrigens Frühlings- und Lauchzwiebeln: Die Frühlingszwiebeln, die gerade geerntet werden, sind junge, winterharte Zwiebeln der Gattung Allium Cepa , der Hauszwiebel, die bei weiterem Wachstum größere Knollen ausbilden. Die als Lauchzwiebel bekannte Gattung Allium Fistulosum bilde wie Schnittlauch keine Zwiebel aus. Die positiven Eigenschaften sind aber beiden weitgehend gemein. Und so dürfen Genießer sich jetzt bis zum Jahresende daran erfreuen.

Rezepttipp

Mosaik von Zweierlei Bundzwiebeln

Von Anatol Elert

Koch Anatol Elert.
Koch Anatol Elert.

Zutaten für 4 Personen:

4 getrocknete Nori-Algenblätter, 4 Bund Frühlingszwiebeln (grün, violett), Salz, Pfeffer, Öl, Radieschen zum Garnieren

Dekorativ: Frühlingszwiebel-Mosaik.
Dekorativ: Frühlingszwiebel-Mosaik.

Zubereitung:

Bundzwiebeln waschen, Wurzelstrunk abschneiden und passend zur Größe der Nori-Blätter schneiden, dann kurz in der Pfanne anbraten, sodass sie Form und Biss behalten. Zum Rollen empfiehlt sich eine Sushi-Matte mit Klarsichtfolie. Die Nori-Blätter darauf ausbreiten. Dann die Bundzwiebeln kreisrund auflegen und vorsichtig rollen. Damit die Rollen im Nori-Mantel die Form halten, für ein, zwei Stunden mit der Klarsichtfolie umwickelt in den Kühlschrank geben. Das restliche Grün der Bundzwiebeln mit einigen Esslöffeln Pflanzenöl in einem Topf kurz anbraten, im Mixer fein pürieren und mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt als Spiegel auf den Teller geben. Das Gericht schmeckt kalt und warm. Mit fein geschnittenen Radieschen dekorieren.

Dazu passt ein fein-würziger Chardonnay aus der Südpfalz hervorragend.

Anatol Elert steht für gehobene Küche. Nach neun Jahren als Pächter des Turmrestaurants im Ebertpark führt er seit Jahresbeginn das Möhrchen & More im Null41 in Landau (Infos: 6341 9470407, moehrchen-and-more.de). Das steht für Pfälzer Genuss in modernem Ambiente. Obst und Gemüse aus der Region werden mit Fleisch, Fisch und Meeresfrüchten innovativ kombiniert.

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Hast du die Pfalz im Blut?

Liebst du die Pfalz genauso wie wir? Gehst du gerne auf Weinfeste? Kennst du dieses Pfalzgefühl, das sich nicht beschreiben lässt, weil man es einfach erleben muss? Hier gibt es Artikel für alle Pfälzer, die die Pfalz im Herzen tragen. Für alle, die wissen, wo Hettrum, Hääschde und Harschem liegen. Und für alle, die warme Sommerabende am liebsten mit ihren Freunden und Dubbeglas in der Hand verbringen.

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