Weinwelt Alte Rebsorte: Ein Herz für den Gänsfüßer

Dem Wein verbunden: Martin(li.) und Michael Braun.
Dem Wein verbunden: Martin(li.) und Michael Braun.

Der Gänsfüßer war einst recht weit verbreitet, geriet dann aber in Vergessenheit. Das Weingut Braun in Meckenheim will das ändern.

Aus zwei macht eins: Die Weingüter zweier Großväter in Ellerstadt und Meckenheim gehören heute zusammen. Michael und Martin Braun bewirtschaften jetzt gemeinsam in dritter Generation das gleichnamige Weingut. Dabei zeigen die engagierten Brüder nicht nur ein Herz für das Moderne, sondern sie lassen in ihrem Keller auch einen Blick in die lange Geschichte des Weinbaus folgen, zu der untrennbar die Rebsorte Gänsfüßer gehört. So zählen die „Braun-Buben“ zu den wenigen Winzern, die mit dem Gänsfüßer noch eine der ältesten Rebsorten im An- und Ausbau haben. Namensgebend für die Rebsorte waren die an Gänsefüße erinnernden, tiefgebuchteten fünflappigen Blätter. Ab dem 16. Jahrhundert wurde der Gänsfüßer in ganz Südwestdeutschland, in der südlichen Steiermark und in Südtirol häufiger angebaut, inzwischen ist sie als Riedenrebe fast verschwunden, kommt gelegentlich noch als Hausrebe vor.

Alte Rebe zurück in Erinnerung rufen

Martin und Michael Braun zählten zu den ersten Winzern der Region, die das ändern wollten. Auf der Gemarkung Haßloch in der Lage Leisböhl, die erst im Jahre 2007 zugelassen wurde, legten sie einen Weinberg an, um die einst im Großdorf weit verbreitete Hausrebe, wieder in Erinnerung zu rufen. Mit der Anerkennung der Lage Haßlocher Leisböhl hatten sich auch neue Absatzmärkte für Wein ergeben. Südlich an der A 65 finden sich so derzeit auf 23,5 Hektar Reben. Diese bewirtschaften neben den Gebrüdern Braun nur vier Weingüter – Weinland Meckenheim, Weinland Königsbach, Weingut Grundhof und Weingut Herrmann Groß (alle Meckenheim). Die Gänsfüßer-Initiative ging von Fritz Schumann aus. Der ehemalige Fachbereichsleiter Weinbau am Institut Dienstleistungszentrum Rheinpfalz (DLR) bemühte sich um den Erhalt der Rebsorte. In Haßloch hat sich auch mittlerweile der Verein Leisböhler Weinkultur gegründet, der sich ebenfalls im Besonderen dem Erhalt des Gänsfüßers verpflichtet fühlt.

Haßlochs lange Weinbaugeschichte

Die Geschichte des Weinbaus in Haßloch war bis dato weithin unbekannt, die schon auf die Zeit der Römer zurückgeht. Erstmals wurde Haßloch urkundlich als weinbautreibende Gemeinde am 31.12.773 erwähnt. 1970 zählte das Großdorf noch 150 Winzer, die auf recht kleinen Flächen Wein zur Eigenversorgung anbauten. Allerdings wurden diese zunächst nicht als Weinbergslagen genehmigt. Das änderte sich erst, nachdem zwei Jahre später ein Teil der Lage „Leisböhl“ als „weinbauwürdig“ anerkannt wurde.

Ganz leicht war es für die Brauns indes nicht, die Tradition fortzuführen. Der Anbau des Gänsfüßers habe sich als sehr aufwendig erwiesen, wie Michael Braun berichtet. „Die Reben sind extrem wüchsig“. Das habe zur Folge, dass diese immer wieder ausgedünnt und zurückgeschnitten werden müssten. Auch sonst sei der Aufwand im Weinberg nicht gering. Den Weinbau betreiben die Brauns aber mit Leidenschaft: „Wir haben von unseren Eltern die besten Voraussetzungen geschaffen bekommen. Das ist Anspruch und Herausforderung zugleich. Und es macht einen Riesenspaß“, erzählt Michael Braun.

Gänsfüßer aus dem kleinen Holzfass

Derzeit baut das Weingut Braun 30 Ar der seltenen Rebsorte an, die ihnen alljährlich 1000 bis 1500 Liter Wein bringt. Dazu erfolgt der Ausbau in 500er beziehungsweise 225er sogenannten Tonneaus, kleinen Holzfässern. Die Nische will man sich im Weingut Braun bewahren: „Der Gänsfüßer ist etwas für Liebhaber und kommt in Fachkreisen gut an“, stellt Martin Braun fest, der für Verkauf und Marketing zuständig ist. Viele Weingenießer seien darauf bedacht, alte Reben zu bewahren. Die Bilanz fällt daher positiv aus: „Wir haben den Schritt nicht bereut, auch wenn die Rebsorte einen Mehraufwand bedeutet“, so Martin Braun.

Sein Bruder Michael hat zusammen mit Außenbetriebsleiter Franz Käferböck und Kellermeister Kristoffer Graß das Sagen im Anbau und in der Produktion. Derzeit bewirtschaftet das Weingut in Meckenheim rund 38 Hektar Rebfläche und produziert jährlich 280.000 Flaschen Wein und Sekt. 15 Prozent der Erzeugnisse gehen in den Export, vorwiegend in die Niederlande, nach Belgien und Dänemark, aber auch in den heimischen Handel und in die Gastronomie.

Detailverliebt: Gewölbe der Vinothek.
Detailverliebt: Gewölbe der Vinothek.

So setzen die Brüder mit ihrer modernen Vinothek im elterlichen Anwesen in erster Linie auf den Endverbraucher. Die Vinothek wurde 2018 neben einer idyllischen Pferdekoppel eröffnet. Jedes Detail hat die Familie sorgsam geplant und umgesetzt – die Möbel aus Eichenholz genauso wie die Garderobe aus Fassdauben vom großelterlichen Weingut. Herzstück der Vinothek ist ein effektvoll beleuchteter Tresen mit grünlich schimmerndem Bruchglas. Die Architektur soll auf einen jungen Betrieb hinweisen, dem seine weit zurückreichenden Wurzeln jedoch wichtig sind. Und darauf, dass aus ehemals zwei selbstständigen Weingütern in Ellerstadt und in Meckenheim eins wurde.

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