Corona-Erfolgsrezept RHEINPFALZ Plus Artikel Wovon alle reden – Zweibrücken tut es

Aha: In Zweibrücken weiß man offensichtlich, wie es geht.
Aha: In Zweibrücken weiß man offensichtlich, wie es geht.

Warum gibt es nicht mehr Städte wie Zweibrücken? Nicht mehr Verantwortliche wie dort? Dann wäre Deutschland weit besser durch die Pandemie gekommen. Die Rosenstadt hatte zwei Tage lang einen Inzidenzwert von nur 11,7 – bundesweit Spitze. Für Zweibrücken bedeutet das: Binnen einer Woche haben sich dort vier Menschen neu mit dem Coronavirus infiziert. So wenige wie sonst nirgends. Was also macht Zweibrücken anders?

„Ein massiver Kraftakt“

Das wollte am Donnerstag, als die Stadt mit ihrem Rekord Schlagzeilen machte, nicht nur die „Bild“ von Oberbürgermeister Marold Wosnitza (SPD) wissen. Am Telefon lachte er stolz. Erst hatte er noch gemeint, es gebe kein Geheimrezept. „Ich kann nicht sagen, was wir anders machen.“ Dann verweist er auf die Bürger, die besonders diszipliniert seien. Auch ein Funken Glück sei dabei gewesen – und: „Es war ein massiver Kraftakt“, sagt er gegenüber der RHEINPFALZ. „Eine gemeinsame Leistung.“

Die Leistung in Zweibrücken hatte Folgen: positive. Seit Beginn der Pandemie sind in der Stadt „nur“ drei Menschen wegen des Virus gestorben, in den drei Altenheimen gab es einen einzigen, glimpflich verlaufenen Coronafall, der auch noch schnell isoliert werden konnte. Ganz anders als in anderen Regionen, schon wenige Kilometer außerhalb der Stadt, wütete das Coronavirus auch in den Heimen.

Nicht nur frühes Testen

Das Rezept in Zweibrücken lässt sich einfach zusammenfassen: frühes und konsequentes Testen, engagierte Heimleitungen und ein aktives, früh einsatzfähiges Krisenteam. Und: Über Parteigrenzen hinweg zog man – von wenigen Wahlkampftönen abgesehen – in der Stadt an einem Strang: Chef im Rathaus ist ein SPD-Mann. Ein niedergelassener, gut vernetzter Arzt im Krisenteam ist der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag, Christoph Gensch. Er sagt, mit Glück habe das nichts zu tun.

Er erinnert sich daran, dass seine Stadt als eine der Ersten ein Testcenter hatte. „Als die Schlange“ über den ganzen Parkplatz des Nardini-Klinikums ging und Menschen aus Grünstadt, Bad Dürkheim oder St. Ingbert fast 100 Kilometer weit fuhren, um sich ein Teststäbchen in den Rachen stecken zu lassen. Das Nardini-Krankenhaus habe anfangs, als Schutzausrüstung Mangelware war, das Testcenter damit ausgerüstet.

Informationen gehen nicht verloren

Der Krisenstab aus niedergelassenen Ärzten, dem Krankenhaus, Gesundheitsamt, Stadt, Heimleitungen, DRK und ASB habe sich von Anfang an eng abgestimmt. Das sieht auch der Leiter des DRK-Altenheims, Hans Prager, so. „Wir saßen wöchentlich zusammen, manchmal täglich, Informationen gingen so nicht verloren“, sagt der 54-Jährige, zugleich Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands Südwestpfalz.

Er spricht wie sein Kollege im Johann-Hinrich-Wichern-Haus von „engmaschigen Kontrollen“ und konsequenter Maskenpflicht im Heim, beide Einrichtungen sind coronafrei durch alle Wellen gekommen. Bei Prager kommt seit Weihnachten keiner ohne negativen Schnelltest ins Haus. Dann war man auch beim Impfen besonders flott. Als heller Fleck auf der Corona-Karte könnte in Zweibrücken bald die Diskussion um Lockerungen losgehen. Der OB winkt noch ab. Er will auf keinen Fall eine „Insellösung“. Am Freitag ist der Inzidenzwert erst einmal leicht gestiegen: auf 14,6.

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