Elektrizität RHEINPFALZ Plus Artikel Wie Folien und Vögel die Stromversorgung kappen

Lichtblitz: Eine bei Kandel durch die Luft gewirbelte Folie trifft auf eine Mittelspannungsleitung der Pfalzwerke.
Lichtblitz: Eine bei Kandel durch die Luft gewirbelte Folie trifft auf eine Mittelspannungsleitung der Pfalzwerke.

Folien, die von Feldern oder Gewächshäusern losgerissen werden, verursachen immer wieder Stromausfälle in der Pfalz. Besonders die Gemüseanbaugebiete sind davon betroffen. Dass es vor allem im Bereich von Strommasten zu Versorgungsunterbrechungen kommt, hat einen besonderen Grund.

Zuletzt gingen im hessischen Rodgau (Kreis Offenbach) für längere Zeit die Lichter aus: Zwei große Plastikplanen hatten sich am Abend des 29. April an einer Starkstromleitung verfangen. Es dauerte Stunden, bis die zerfetzten Folien wieder entfernt waren, wie die Polizei meldete. Wenige Tage zuvor war in der Pfalz Ähnliches passiert: In Teilen von Kandel (Kreis Germersheim) war kein Strom mehr aus der Steckdose gekommen.

Ein kleiner Tornado war um die Mittagszeit über die Felder in der Nähe der Südpfalz-Gemeinde gefegt, hatte dort ausgebreitete Folie losgerissen und davongetragen. Eine der Planen landete in einer Hochspannungsleitung der Pfalzwerke und löste dort einen Kurzschluss aus.

Drei bis fünf Störfälle im Jahr

Nach Angaben des Ludwigshafener Energieversorgers war das in diesem Jahr bisher der einzige Ausfall im 20-Kilovolt-Mittelspannungsnetz. Die Folie habe eine automatische Wiedereinschaltung ausgelöst. Allerdings war das Hochspannungsnetz der Pfalzwerke dieses Jahr schon zweimal von Plastikbahnen gestört worden. In beiden Fällen hatte sich Ackerfolie an Leiterseilen des 110-Netzes verfangen. Versorgungsunterbrechungen habe es jedoch keine gegeben, betonen die Pfalzwerke.

Der Energieversorger, dessen Netz fast die gesamte Pfalz abdeckt, ist in diesem Zusammenhang ein gewisses Maß an Kummer gewohnt: Im Lauf eines Jahres registriere man „drei bis fünf Störungen“, die durch Ackerfolien verursacht würden – wobei nur die Ereignisse erfasst würden, „die einen Einsatz vor Ort erforderlich“ machten: Wenn also tatsächlich Störtrupps ausrücken müssen, die dann die Folien von den Leitungen schnippeln. Die Anzahl der diesbezüglichen Störfälle sei über die Jahre in etwa gleich geblieben, so die Pfalzwerke.

Passiert „erstaunlich wenig“

Dass sich die Unterbrechungen im Stromfluss trotz eines ausgeweiteten Einsatzes von Folien vor allem im Gemüseanbau nicht mehren, führt ein Sprecher des Unternehmens auf den umsichtigen Umgang mit den Abdeckungen zurück: „Der Großteil der Landwirte sichert die Folie sehr gut.“

Ähnliche Erfahrungen hat die Autobahnpolizei Ruchheim (Ludwigshafen) gemacht. Deren Leiter Holger Bambach weiß von einigen Fällen, in denen vom Wind verwehte Folie auf den Autobahnen der Region landete. Doch habe es bisher keine größeren Schäden gegeben. Und gemessen an der Anzahl der folienbedeckten Felder passiere „erstaunlich wenig“.

Versorgungslücke durch Vogelnester

Bemerkenswert viele Stromausfälle gehen indes auf gefiederte Störtrupps zurück: auf Vögel, welche Strommasten als idealen Standort für den Nestbau auserkoren haben. Im Raum Neustadt, im Kreis Südliche Weinstraße, um Zweibrücken herum oder bei Speyer – in nicht wenigen Fällen gingen in Gemeinden oder gleich in ganzen Landstrichen die Lichter aus, als die geflügelten Baumeister Kurzschlüsse verursacht hatten. Jüngst erst konnte ein Storchenpaar im Neustadter Weindorf Lachen-Speyerdorf zum Umzug von seinem gefährlichen Nistplatz auf einem Strommast überredet werden.

Wo Naturkräfte und Vögel nicht die Stromlieferung unterbrechen, da bleibt immer noch der Mensch. Am Mittwoch rumpelte im mecklenburgischen Wittendörp der Fahrer eines Traktors mit seinem Anhänger voller Mist – der Himmel weiß, wie – gegen eine 20-Kilovolt-Leitung. Der Mann hatte Glück. Die Metallhülle des Treckers leitete Strom und Spannung in den Boden ab, bis der Energieversorger selbst die Leitung vom Netz genommen hatte. Aber auch da hieß es: Der Saft ist weg.

Ersatznest für Storch in Theisberg-Stegen (Kreis Kusel).
Ersatznest für Storch in Theisberg-Stegen (Kreis Kusel).
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