Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Wie der mutmaßliche Doppelmörder von Weilerbach der Polizei entkam

Mordprozess am Landgericht in Kaiserslautern: Das Gericht unter Vorsitz von Raphaël Mall (Mitte der Richterbank) zieht ein. Link
Mordprozess am Landgericht in Kaiserslautern: Das Gericht unter Vorsitz von Raphaël Mall (Mitte der Richterbank) zieht ein. Links der Angeklagte mit seinem Verteidiger Johannes Berg.

Zwei Tage war Anfang März der mutmaßliche Doppelmörder von Weilerbach auf der Flucht. Zuvor war er vier Polizeikräften auf seinem Hof entkommen. Offenbar zwei Stunden lang hielt der 38-Jährige sie hin. Drei Polizeikräfte sagten am Donnerstag beim Prozess um die Bluttat im Kreis Kaiserslautern aus.

An jenem Dienstag, dem 9. März, werden kurz nach 12 Uhr zwei Leichen entdeckt: im Schlafzimmer eines Gehöfts bei Weilerbach. In diesem Zimmer sind nach Polizeiaussagen alle Vorhänge zugezogen. Die beiden Toten liegen unter Decken. Der blutüberströmte Mann weist schwere Kopfverletzungen auf, über dem Kopf der ebenfalls reglosen Frau liegt eine Jacke. Die hebt die Kriminalpolizistin erst gar nicht ab, dabei hat sie eigenen Angaben zufolge „viel mit Leichen zu tun“. Ein grausiger Fund offenbar, von dem die Beamten nichts ahnten, als sie an jenem Dienstag auf das Anwesen kamen. Die Tatwaffe war laut Staatsanwaltschaft eine Axt.

Der Tag nimmt seinen Lauf

Rückblende: Gemäß der Polizei-Aussagen beim Prozess am Landgericht kommt gegen 10 Uhr zunächst ein Streifenwagen am von zwei Generationen bewohnten Hof an. Die beiden Beamten suchen da lediglich nach einer 60-Jährigen, die bereits den zweiten Tag in Folge nicht bei ihrer Arbeit in einem Supermarkt erschienen ist. Ihr 38-jähriger Sohn öffnet die Haustür demnach erst, als ein Polizist ihn durch ein offenes Küchenfenster entdeckt. Die Mutter sei mit ihrem Auto am Morgen zur Arbeit gefahren, habe er gesagt. Die Beamten wissen zu diesem Zeitpunkt bereits, dass die Kriminalpolizei (Kripo) gegen den 38-Jährigen wegen Brandstiftung ermittelt. In der Nacht auf Montag hatte es bei einem Geschäftspartner sowie einem früheren Mitarbeiter des 38-Jährigen gebrannt.

Streit, Neid, arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen um nicht gezahlte Löhne könnten ein Motiv gewesen sein, weshalb der Handwerker aus Weilerbach in den Fokus der Fahnder geriet. Dies wird ihm aus taktischen Gründen zu diesem Zeitpunkt nicht mitgeteilt.

Die Hinhalte-Taktik?

Als die Kripo wegen ihrer Ermittlungen anrückt, sind dann vier Polizisten auf dem großen Anwesen mit seinen zwei Haupthäusern und den Nebengebäuden. Die Brände aber werden nicht erwähnt. Der 38-Jährige gibt laut Aussage der Beamten immer wieder an, die Handynummern seiner Mutter sowie deren Lebensgefährten suchen zu müssen, fingiert offenbar auch ein Telefonat mit seiner Frau, wie sich später herausstellt. Hat angeblich keine Schlüssel zum Haus, in dem die Mutter mit ihrem Partner lebt. Pendelt mehrfach zwischen Haus und Hof. Will seinen 14-jährigen Sohn informieren über „die viele Polizei“.

Das Gefühl der Beamten

In der Zwischenzeit findet ein Beamter das Auto der Mutter, sie war also nie damit zur Arbeit gefahren oder bereits wieder zurück – was nicht zu ihrer Schichtzeit gepasst hätte. Das „ungute“ Gefühl, das alle Polizeikräfte von Anfang hatten, wie sie sagen, wuchs. Der Hausherr sei abwechselnd nervös, gleichgültig, aber auch hilfsbereit gewesen. Dann taucht er mit einer deutlich ausgebeulten Jacke auf. „Ich dachte an eine Waffe“, so ein Polizist. Sie warten noch immer auf den Schlüsseldienst, um ins Haus der Mutter zu gelangen und dort nach ihr zu schauen. „Jetzt wollten wir den Mann durchsuchen.“

Mit gezogener Waffe am Kinderzimmer vorbei

Der jedoch verschwand erneut im Haus, um die beste Freundin der Mutter anzurufen. „Etwa eine Minute später stürmten wir hinter ihm her“, sagen die Beamten. Doch er sei spurlos im Haus verschwunden. Mit gezogener Waffe rennen sie noch am Kinderzimmer des 14-jährigen Jungen vorbei. Eine offene Dachluke zeigt ihnen, wie dessen Vater ihnen offenbar entkommen ist: über den Dachboden, der beide Häuser miteinander verbindet – und dann ins Freie. Nur fünf Minuten später trifft der Schlüsseldienst ein.

Zwei Leichen werden entdeckt und die Großfahndung wird ausgelöst. Zwei Tage später, am Donnerstag um 13.55 Uhr, gibt der Verdächtige auf und stellt sich der Polizei. Der Prozess gegen ihn wird nächsten Donnerstag fortgesetzt.

Mehr zum Thema
x