Weilerbach
Nach Leichenfund läuft die Fahndung weiter
Schon früh am Morgen war erneut der Hubschrauber über Weilerbach zu hören. Der 38-Jährige war noch nicht gefasst. Auch in der Nacht sei nach ihm gesucht worden, teilte Bernhard Christian Erfort, Sprecher des Polizeipräsidiums Westpfalz, mit. Am Morgen sei das Ganze noch intensiviert worden: „Wir waren auch mit zivilen Kräften unterwegs.“ Wie viele Kräfte überhaupt an der Fahndung beteiligt waren, wollte Erfort nicht konkretisieren. „Viele, sehr viele“, seien es gewesen. Spezialkräfte und Bundespolizei waren ebenso mit von der Partie wie ein Hubschrauber aus Hessen, der am Dienstag Unterstützung bot. Auch Personenspürhunde wurden eingesetzt. Dennoch blieb der Aufenthaltsort des Weilerbachers zunächst unbekannt. Die Polizei ging am Mittwoch davon aus, dass er sich noch in der Region aufhält: „Er kennt sich hier aus“, sagte Erfort. Zu diesem Zeitpunkt gab es keine Hinweise darauf, dass eventuell mit einem Auto oder ähnlichem unterwegs war.
Bewaffnung nicht ausgeschlossen
Der Verdacht, dass der Mann bewaffnet sei, habe sich zwar nicht erhärtet, ausgeschlossen sei dies aber ebenfalls nach wie vor nicht, stellte Erfort am Nachmittag auf RHEINPFALZ-Nachfrage fest: „Wir mahnen deswegen zur Vorsicht.“ Der 38-Jährige steht im Verdacht, seine 60-jährige Mutter und ihren 65-jährigen Lebensgefährten getötet zu haben, beide offenbar Beschäftigte einer Ortsgemeinde. Ihre Leichen waren am Dienstagvormittag in einem Gehöft zwischen Weilerbach und Hirschhorn gefunden worden, wo auch gemeldet ist. Die beiden Opfer sind dem vorläufigen Obduktionsergebnis zufolge nicht durch Schussverletzungen ums Leben gekommen.
Gegen den Sohn wird zudem wegen schwerer Brandstiftung in zwei Fällen ermittelt – fast zeitgleich hatten in der Nacht zu Montag eine Scheune samt Carport in Mackenbach und eine Garage in Erzenhausen in Flammen gestanden. Es entstand ein hoher Schaden.
„Psychische Ausnahmesituation“
„Es gibt eine Beziehung, bestimmte Dinge, die darauf hindeuten“, meinte Polizeisprecher Michael Hummel am Mittwochmorgen im Hinblick auf die Brände. Aus ermittlungstaktischen Gründen könne er keine weiteren Infos geben. Spekulationen, dass es geschäftliche Verbindungen zwischen und den von den Bränden Betroffenen gegeben haben soll, wollte Hummel weder bestätigen noch dementieren. Nach bisherigen Erkenntnissen handelt es sich laut Polizei aber bei allen um Beziehungstaten. Die Ermittlungen seien noch in einem sehr frühen Stadium, führte Polizeisprecher Erfort später aus.
Zur Mittagszeit meldete die Polizei, dass es derzeit keine Anhaltspunkte für eine besondere Gefährdung der Bevölkerung gebe. Es sei jedoch wahrscheinlich, dass sich in einer psychischen Ausnahmesituation befinde. Mögliche Zeugen sollten daher besser nicht versuchen, ihn selbst anzusprechen, sondern die 110 wählen. Seit dem späten Dienstagabend ist öffentlich bekannt, wie der Tatverdächtige aussieht und heißt – Polizei und Staatsanwaltschaft hatten da um die Mithilfe der Bevölkerung gebeten. Hinweise seien danach zwar eingegangen, sagte Polizeisprecher Hummel am Mittwochmorgen. Doch: Eine heiße Spur ergab sich dadurch zunächst nicht. Den Hinweisen werde natürlich jeweils nachgegangen, sodass es kurzfristig zu Straßensperrungen und Polizeikontrollen kommen könne, teilte Erfort weiter mit.
Unsicherheiten und Ängste
Gegen Mittag richtete die Polizei auf dem Weilerbacher Dorfplatz eine Ansprechstelle ein. Drei Vertreter des Beratungszentrums beim Polizeipräsidium waren für die Bürger präsent, beantworteten ihre Fragen. Die meisten hätten sich nach dem Stand der Ermittlungen erkundigt: „Dazu konnten wir aber nicht viel sagen“, berichtete Axel Emser, der Leiter des Beratungszentrums. Immer mal wieder seien Bürger vorbeigekommen, aber nicht in Massen: „vielleicht zehn in dreieinhalb Stunden“. Übermäßig ängstlich sei keiner davon gewesen, sagte Emser. Wichtig fand er dennoch, dass die Polizei vor Ort und sichtbar gewesen sei.
„Notwendig“ sei das gewesen, stellte auch Ortsbürgermeister Horst Bonhagen am Vormittag fest. Im Dorf habe es durchaus Unsicherheiten und Ängste gegeben. Geschäftsleute hätten ihn am Morgen angerufen, ob sie am Mittwoch zu lassen sollten. Einige wenige Eltern hätten auch entschieden, ihre Kinder nicht in die beiden kommunalen Kindertagesstätten zu schicken. Ähnliches war aus der protestantischen Kita zu hören. Bereits kurz nach 7 Uhr hatte sich Bürgermeisterin Anja Pfeiffer bei der Polizei nach der aktuellen Lage erkundigt – und daraufhin unter anderem Kindertagesstätten, Schulen, Verwaltungsmitarbeiter und Ortsbürgermeister darüber informiert: „Einem Aufsuchen von Arbeitsstätten oder dem Besuch/Betrieb von Schulen und Kitas steht nichts entgegen“, war in ihrer Mail zu lesen. Sie sehe keine Veranlassung dazu, Kindertagesstätten und Schulen geschlossen zu halten.
Keine Pause auf dem Schulhof
Doch blieb man vorsichtig: Auf Kita-Spielplatz oder Grundschulhof ging es nicht, Türen waren zum Teil verschlossen. Am Nachmittag erhielten die Eltern eine Mitteilung der Grundschule mit dem Appell, den Nachwuchs am Donnerstag nicht alleine zum Unterricht laufen zu lassen, sofern sich die Situation bis dahin nicht geändert haben sollte.
Bis in den Abend hinein drehte der Hubschrauber weiterhin seine Runden. „Ein recht konkreter Hinweis“ sorgte später dafür, dass die Suche auf den Bereich Sambach, Ortsteil von Otterbach, erweitert wurde. „Bleiben Sie in Ihren Häusern! Wenn Sie mit dem Pkw unterwegs sind, umfahren Sie den Bereich weiträumig!“, warnte die Polizei auf Twitter. Bis Redaktionsschluss konnte die Polizei jedoch noch keinen Fahndungserfolg vermelden.