Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Widerstand zwecklos: Land plant 46 neue Windräder im Staatswald

Windräder sollen im Staatswald in Zukunft häufiger zu sehen sein.
Windräder sollen im Staatswald in Zukunft häufiger zu sehen sein.

Eigentlich haben Gemeinderäte und Bürgermeister beim Thema Windkraft ein Wörtchen mitzureden. Doch wenn das Land Projektierern Staatswald zur Verfügung stellt, ist Widerstand zwecklos. Profitieren können Kommunen dennoch.

Es gibt wenige Bauprojekte, die Bürger und Gemeinderäte in regelmäßigen Abständen derart auf die Palme bringen wie die Errichtung von neuen Windrädern. Und bevor ein neues Windrad in der eigenen Gemeinde oder gar vor der eigenen Haustür errichtet wird, haben Gemeinderäte und Bürgermeister oftmals ein Wörtchen mitzureden. Nicht selten scheitert ein Windkraftprojekt letztlich an ihrem Widerstand.

Doch es gibt auch Projekte, gegen die sich Räte und Bürgermeister nicht wehren können – so sehr sie auch wollen. Erfahren mussten das zuletzt die Stadträte in Otterberg (Kreis Kaiserslautern). Dort plant das Land Rheinland-Pfalz nämlich im Staatswald gleich zwei Windkraftprojekte mit insgesamt sieben Windrädern. Den gewählten Vertretern schmeckt das gar nicht. Sie positionierten sich in der Vergangenheit mehrheitlich gegen den Bau von Windrädern im Wald bei Otterberg – jedoch ohne Aussicht auf Erfolg. Schließlich hat die Stadt keinen Einfluss darauf, was das Land mit seinen Waldflächen anstellt. Und es könnte nicht der letzte Fall dieser Art gewesen sein.

Neue Windräder in der Pfalz geplant

Denn wie eine Anfrage der RHEINPFALZ an das rheinland-pfälzische Umweltministerium ergab, plant das Land derzeit den Bau von 46 neuen Windrädern auf Flächen von Landesforsten. Demnach befinden sich in der Pfalz, neben Otterberg, noch drei weitere Windräder im Staatswald in Planung – nämlich im angrenzenden Forstamt Donnersberg. Weitere Projekte verfolgt das Land außerdem in Boppard, Kastellaun, Simmern (alle Rhein-Hunsrück-Kreis), Neuhäusel (Westerwaldkreis), Saarburg (Kreis Trier-Saarburg), Prüm (Eifelkreis) und Gerolstein (Kreis Vulkaneifel). Das Land baut dabei die Windräder nicht selbst, sondern vergibt seine Flächen lediglich an private Projektierer.

Die Leistung, die diese Windkraftprojekte erzeugen können, ist aus der Sicht von Max Kleinebrahm zwar nicht riesig, aber dennoch nennenswert. Kleinebrahm leitet die Forschungsgruppe „Energy Demand and Mobility“ (zu deutsch: Energiebedarf und Verkehr) am Karlsruher Institut für Technologie. „Wenn die Windräder zirka ein Fünftel des Jahres unter Volllast laufen, dann erzeugen sie Strom für etwa 138.000 Haushalte – das entspricht etwa der Größe der Stadt Mainz.“

Windradprojekte dauern Jahre

Wann für die verschiedenen Windkraftprojekte wirklich die Bagger rollen und ob dies noch in diesem oder dem nächsten Jahr geschieht, kann das Umweltministerium auf Nachfrage nicht beantworten: Die Laufzeiten für jedes Projekt seien unterschiedlich. Laut der von Bund und Länder gegründeten Fachagentur Windenergie dauert es in Rheinland-Pfalz im Schnitt fast zwei Jahre, bis ein Windrad genehmigt und in Betrieb genommen worden ist. Einige Anlagen befänden sich erst in der Vorbereitungsphase, andere hingegen schon in der Projektierung. Die beiden Pfälzer Vorhaben in Otterberg und am Donnersberg befinden sich schon in der Projektierung, so das Umweltministerium.

Das Land entscheidet eigenständig, was es mit seinen Forstflächen macht. Man sei aber immer bemüht, die Windenergieprojekte in Abstimmung und im Konsens mit den Kommunen zu realisieren, heißt es dazu aus dem Umweltministerium. Auch der Arten- und Naturschutz spiele bei der Auswahl der Flächen eine Rolle. Wehren können sich Bürger und Gemeinden gegen Windräder im Staatswald kaum. Das mussten auch die Otterberger feststellen, als sie sich im Rat gegen das Projekt aussprachen. Damit man am Ende nicht ganz mit leeren Händen dasteht, entschied man sich im vergangenen September zähneknirschend, zumindest einen Solidarpakt mit dem Land zu schließen. Dieser ermöglicht es nämlich den Kommunen, die in der Nähe der neuen Windräder liegen, finanziell von ihnen zu profitieren. Das Land schüttet dann einen Teil der Pachteinnahmen durch den Windparkbetreiber an die entsprechende Gemeinde aus. In Otterberg wären dies 20 Prozent, teilt das Umweltministerium mit.

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