Pfalz
Welche Lebensmittel teuerer und welche knapp werden
Bei der Frage, ob Lebensmittel tatsächlich dauerhaft ausgehen könnten, wiegeln die Händler ab. „Natürlich spüren wir auch die verstärkte Nachfrage nach bestimmten Produkten“, lässt die Sankt Wendeler Supermarktkette Globus mitteilen. Man appelliere aber an die Kunden, Speiseöle oder Mehl „mit Maß und Vernunft zu kaufen“.
Knapp werden Nudeln und andere Teigwaren auch nach Auskunft eines Industrieverbands nicht – auch wenn sie wegen Hamsterkäufen manchmal aus sind. Teurer werden sie allerdings schon. Laut dem Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft (VGMS) liegt das an gestiegenen Preisen bei Energieversorgung, Rohstoffbeschaffung, Verpackung und Logistik. Hartweizen, der Haupt-Rohstoff für Nudeln, kommt zwar in der Regel aus Kanada und nicht aus Osteuropa. Doch dort gab es im vergangenen Jahr eine Dürre – was die Preise steigen ließ.
Teurere Margarine, teurere Kartoffelchips
Beim Sonnenblumenöl ist keine Entspannung in Sicht. Sonnenblumen werden nämlich vor allem in der Ukraine und in Russland angebaut. Laut dem Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland (Ovid) liefern die Ukraine 51 Prozent und Russland 27 Prozent des weltweit exportierten Sonnenblumenöls. Deutschland hingegen importiert 94 Prozent seines Sonnenblumenöls, nur sechs Prozent stammen aus heimischer Produktion, ein verschwindend geringer Anteil von Feldern in der Pfalz. Knapp und teurer wird also nicht nur das Speiseöl selbst, sondern auch alle Waren, bei denen es zu den Ausgangsstoffen gehört: Margarine zum Beispiel oder auch Kartoffelchips. Auch zubereitete Speisen sind von dem Mangel und damit von Preiserhöhungen betroffen – Pommes frites zum Beispiel.
Mangelware Senfkörner
Für Eier müssen Verbraucher etwas tiefer in die Tasche greifen. Mit leeren Eier-Regalen im Supermarkt müssen sie aber nicht rechnen, denn die Hühner der EU produzieren mehr Eier, als die Menschen aufessen können. Der Preis steigt, weil Energie- und Futtermittelpreise gestiegen sind, und wegen des Tierschutzgesetzes: Das seit 1. Januar in Deutschland geltende Verbot der Tötung männlicher Küken macht die Hühnerhaltung teurer.
Mit höheren Preisen aufgrund schwierigerer Beschaffung der Rohstoffe ist wohl beim Senf und beim Honig zu rechnen. In beiden Fällen ist die Ukraine ein bedeutender Lieferant.
„Dann bleiben Regale dauerhaft leer“
Einen anderen Grund, warum Regale in Zukunft leer bleiben könnten, sieht der VGMS in einer möglichen Erdgas-Knappheit, sollte Russland als Hauptlieferant komplett ausfallen. Besonders Mühlen, in denen mit Mehl und Stärke zwei der bedeutendsten Grundstoffe der Lebensmittelindustrie hergestellt werden, seien von kontinuierlicher Energiezufuhr abhängig. „Stehen die Unternehmen der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft still, laufen wir in eine prekäre Situation. Dann bleiben Regale dauerhaft leer.“
Die modernen Mühlen der Pfalz arbeiten vorwiegend mit Netzstrom, der allerdings wiederum teilweise mit Gas erzeugt wird. Mancherorts wird auch, wie in alten Zeiten, noch Wasserkraft eingesetzt: So gibt die Walter-Mühle in Böhl-Iggelheim an, ein hauseigenes Wasserkraftwerk zur Stromerzeugung zu nutzen und damit einen Teil ihres Energiebedarfs zu decken.