Verkehr RHEINPFALZ Plus Artikel Weitere Zugausfälle in der Pfalz: Was dahinter steckt

Ein Fahrdienstleiter kontrolliert in Lampertheim den Zugverkehr auf der Riedbahn.
Ein Fahrdienstleiter kontrolliert in Lampertheim den Zugverkehr auf der Riedbahn.

In der gesamten Pfalz mehren sich die Ausfälle bei Regionalzügen und S-Bahnen. Zeitweise kommt der Schienenverkehr ganz zum Erliegen. Die Vertreter der Städte und Kreise sprechen von einem Debakel und fürchten, dass die Pfalz im kommenden Jahr gänzlich vom regionalen Schienenverkehr abgekoppelt wird.

Wer in der Pfalz auf den Zug angewiesen ist, um von A nach B zu kommen, der benötigt dieser Tage vor allem zwei Dinge: viel Zeit und eine Engelsgeduld. Seit Wochen folgt eine Ausfallmeldung auf die andere. Dass Züge ausfallen, kommt vor und ist im normalen Zugbetrieb kein Weltuntergang. Doch inzwischen fallen nicht mehr nur einzelne Fahrten aus, sondern es liegen gleich ganze Streckenabschnitte lahm.

Vor allem Stellwerk Neustadt betroffen

Ende Oktober kam es für Zugreisende am dicksten, als an einem Wochenende auf den Strecken zwischen Ludwigshafen, Neustadt und Kaiserslautern stundenlang überhaupt kein Zug mehr fuhr. Die Deutsche Bahn nannte es eine „umfangreiche Fahrplananpassung“. Man könnte auch von einem Totalausfall sprechen. Weitere Fahrplananpassungen folgten im November, als auf der Lautertalbahn zwischenzeitlich der Zugverkehr eingestellt und auf Notbusse umgestiegen werden musste. Auf den Strecken Worms-Grünstadt-Frankenthal sowie Neustadt-Wissembourg fahren bis Ende des Jahres zudem deutlich weniger Züge.

Es sind drastische Einschnitte in den regionalen Bahnverkehr in der Pfalz, der Auswirkungen auf Hunderttausende Menschen hat. Die Deutsche Bahn begründet die aktuelle Situation mit einem hohen Krankenstand bei den Lokführern und vor allem bei den Fahrdienstleitern. Letztere arbeiten in den Stellwerken der Deutschen Bahn, stellen Weichen sowie Signale und regeln den gesamten Zugverkehr in ihrer Region. Nach Informationen der RHEINPFALZ ist derzeit besonders das Stellwerk in Neustadt von Ausfällen betroffen. Und ausgerechnet dieses gilt in der Pfalz als empfindliche Stelle, weil dort der Zugverkehr in verschiedene Richtungen geregelt wird. Die Deutsche Bahn wollte trotz mehrmaliger Nachfragen diesen Umstand nicht kommentieren.

Viele kurzfristige Krankmeldungen

Das Unternehmen bittet bei den Bahnkunden indes um Entschuldigung. Man könne viele Krankheitsfälle kompensieren. Es gelinge jedoch nicht immer, „da die Krankmeldungen mitunter sehr kurzfristig erfolgen“, so eine Bahn-Sprecherin. Dass Fahrdienstleiter einfach an andere Dienststellen versetzt werden könnten, um Lücken im Dienstplan zu füllen, sei auch nicht so einfach möglich. Denn die Fahrdienstleiter müssten für die jeweilige Stellwerkstechnik und Region ausgebildet sein und erst in örtliche Gegebenheiten eingearbeitet werden. Der Zweckverband Öffentlicher Personennahverkehr Rheinland-Pfalz Süd (ZÖPNV), der die Städte und Landkreise in der Pfalz als Auftraggeber vertritt, hält die aktuelle Situation für absolut inakzeptabel.

„Die Pfalz wäre abgehängt“

ZÖPNV-Sprecher Fritz Engbarth findet gegenüber dieser Zeitung deutliche Worte: Ein Desaster wie beim Totalausfall in Ludwigshafen dürfe sich nicht wiederholen. „Die Bahn muss jetzt endgültig ein ausreichendes Personalpolster aufbauen.“ Es sind mahnende Worte, die nicht ohne Grund so heftig ausfallen. Im kommenden Jahr wird auf rechtsrheinischer Seite mit der Riedbahn eine der wichtigsten deutschen Zugstrecken wegen Bauarbeiten gesperrt. Der Bahnverkehr wird dann in großen Teilen linksrheinisch über die Pfalz umgeleitet. „Wenn dann so etwas wie zuletzt in Ludwigshafen passiert, implodiert der regionale Schienenverkehr im Rhein-Neckar-Raum. Die Pfalz wäre abgehängt“, sagt Engbarth. Schon jetzt sind die vielen kurzfristigen Ausfälle und Fahrplanänderungen für den ZÖPNV nicht mehr hinnehmbar. „Es gibt für Fahrgäste aktuell keine Verlässlichkeit im regionalen Bahnverkehr“, sagt Engbarth. Man habe deshalb die Deutsche Bahn zu einem kurzfristigen Krisentreffen einbestellt.

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