Neustadt
Weinexperte: Pfälzer Riesling soll gemeinsames Geschmacksprofil haben
Auf Landes- und auch regionaler Ebene besteht ein gewisser Handlungsspielraum, weil das neue Weinrecht noch in Verordnungen gegossen wird. Aber zunächst hat das Sagen der Bundesrat, der am 26. März über eine detaillierte Weinverordnung befinden soll.
Das neue Weingesetz ist ein Politikum. Es wird seit Jahren darüber diskutiert, wie der nun wirklich geduldige Präsident des Weinbauverbands Pfalz, Reinhold Hörner (Hochstadt), nur mit äußerst sorgenvoller Miene sagen kann. Da die Weinregionen vor drei Jahren in Deutschland in so genannte Schutzgemeinschaften untergliedert worden sind, obliegt es nun der Pfalz, einen für sie passenden Weg und Rahmen zu finden. Die Schutzgemeinschaften können selbst bestimmen, welche Anforderungen ihre Weine erfüllen müssen. Unterschieden werden soll künftig in: Deutscher Wein als unterste Kategorie, Landwein und Ortswein.
Töpfer: „Es braucht eine Evolution“
Der Blick von außen auf das Gesetz sieht so aus: „Wir hätten es nicht gebraucht, weil die Interessen so stark divergieren“, erklärt Reinhard Töpfer, der Leiter des Instituts für Rebenzüchtung Geilweilerhof (Julius Kühn-Institut) in Siebeldingen. Als Leiter des Bundesforschungsinstituts für Kulturpflanzen kennt er die Probleme, ist aber außen vor. Aus seiner Sicht ist das Gesetz von 1971 noch nicht bei allen Konsumenten angekommen. Und nun soll schon wieder alles anders werden. Töpfer glaubt, dass es für die Pfalz schwer wird, sich mit Sorten zu profilieren „dazu ist die Pfalz zu divers“. Aber sie hat doch super Weine? „Ja, die haben wir. Aber wir leben hier eben Vielfalt.“ Die ist mit der Profilierung im neuen Weinrecht schwer zu vereinbaren. Aber der Wissenschaftler sieht, dass ein großer politischer Druck herrscht. Und so sagt er: „Der Weinbau braucht eine Evolution.“
Prädikatsweingüter haben Krise gut überstanden
Befürchtet wird eine gewisse Gleichmacherei. Doch da winkt Steffen Christmann, der Präsident der Vereinigung der Prädikatsweingüter (VDP), aus Neustadt-Gimmeldingen ab: „Wir können uns im neuen System einfügen.“ Die Zahlen der Prädikatsweingüter stimmen, sagt er. Sie haben die Krise gut überstanden. Es gibt aber andere, die Sorgen haben. Und über die will der 56-Jährige nicht hinwegsehen, denn: „Wir sind eine Schicksalsgemeinschaft.“
„Alle trinken Pfälzer Wein“
Die Qualität der Weine steht für den Winzer außer Frage. „Australien, China, USA, alle trinken Pfälzer Wein, wenn er gut gemacht ist.“ Aus seiner Sicht hat die Pfalz sich extrem positiv entwickelt in den vergangenen 25 Jahren. „Alles ist entstaubt“, wie er sagt. Aber in der Region wird mehr Wein produziert als getrunken. Und so stellt sich die große Frage, welche Märkte für den Absatz interessant sind. 60 Prozent des Weins in der Pfalz ist Fasswein, also der Wein, der am Ende bei den großen Einzelhandelsketten im Regal steht. Der Preis für Fasswein ist in den vergangenen 25 Jahren gleichgeblieben. Das war für die Winzer deshalb tragbar, weil sie heute wesentlich größere Flächen bewirtschaften als früher. Doch an dieser Schraube lässt sich nicht mehr drehen. Und so steht die Frage im Raum: Wie lässt sich für die Basisweine mehr Geld bekommen? Und das in einem Land, das von der Menge her der größte Importmarkt der Welt für Wein ist.
Christmann: „Gemeinsames Geschmacksprofil“
„Wir haben bei der Masse was verpasst, weil wir ein Produkt haben, das austauschbar ist“, sagt Christmann. Deshalb trinken die Deutschen nur noch gut 40 Prozent eigene Weine, erklärt der 56-Jährige. Sein Vorschlag wäre es, die Pfalz über zwei, drei Sorten zu profilieren – wie gesagt für den Weltmarkt. Stichwort Riesling und Spätburgunder. Alles andere „ist dem Kunden in London oder Shanghai viel zu kompliziert“, sagt der Winzer, der selbst Weinliebhaber ist und auch gerne Weine aus aller Welt trinkt. Aus seiner Sicht wäre es ein lohnendes Ziel zu erreichen, dass der „Riesling aus der Pfalz ein gemeinsames Geschmacksprofil hat“. Natürlich soll es die anderen Rebsortenweine weiter geben, aber eben nicht als Profilsorten der Pfalz.
Österreich macht’s vor
Ein Blick zu den österreichischen Nachbarn zeigt Christmann, dass es ein möglicher Weg ist. Denn dort haben die Winzer im Kamptal bei Krems an der Donau schon vor 15 Jahren mit einer Profilierung begonnen. Von dort kommt Riesling oder Grüner Veltliner. Das sind die beiden Leitsorten. Ob die Pfalz etwas Vergleichbares entwickeln wird, entscheidet die Schutzgemeinschaft.