Freie Wähler RHEINPFALZ Plus Artikel Ohne Chauffeur und doppelte Diät: Helge Schwab nach Ende der Landtagsfraktion

Helge Schwab im Dezember 2023 am Rednerpult des Landtags. Er zeigte damals der Kuseline Jil Biedinger das Parlament.
Helge Schwab im Dezember 2023 am Rednerpult des Landtags. Er zeigte damals der Kuseline Jil Biedinger das Parlament.

Die Sache mit dem Chauffeur, dem Dienstwagen und der doppelten Diät bei den Freien Wählern im Landtag von Rheinland-Pfalz.

Seit jeher hatte die Obrigkeit das Bedürfnis, sich zu präsentieren und ihrer Macht und Stellung Ausdruck zu verleihen. Auch beim Fortbewegen. Kleopatra nahm die Huldigungen des Volkes erhaben in einer von Sklaven getragenen Sänfte entgegen. Wedelträger fächerten ihr frische Luft zu.

Majestix, Häuptling im Dorf der unbeugsamen Gallier, ließ sich von zwei Untergebenen auf einem Schild durch die Gegend tragen. So jedenfalls ist es in der Schriftreihe „Asterix und Obelix“ dargestellt. Und der König des britischen Weltreichs fährt noch heute in einer prunkvollen, von Schimmeln gezogenen Kutsche vor, wenn er was Wichtiges zu erledigen hat.

Was Kleopatra und Charles recht ist, das ist Helge Schwab billig. So verwundert es nicht, dass dieser, nachdem er Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Landtag von Rheinland-Pfalz geworden war, einen Chauffeur einstellte, der ihn fortan in einer ansehnlichen Dienstlimousine durchs Land chauffierte.

Helge wer? Helge Schwab, der Bürgermeister von Hüffler! Hüffler? Das ist ein 480-Seelen-Dorf im Kreis Kusel und der Ort, in dem Schwabs Karriere als Politiker vor 16 Jahren begann. Erst sammelte er Posten in der Verbandsgemeinde und im Landkreis, dann schaffte er 2021 mit den Freien Wählern den Sprung in den Landtag.

Neues Kennzeichen: KUS HS 100

Im Juni 2024 folgte der Karrierehöhepunkt: der Aufstieg zum Fraktionsvorsitzenden. Schwab leistete sich nicht nur einen neuen Fahrer, sondern auch ein neues Nummernschild: KUS HS 100 prangte fortan an seinem vom Landtag gestellten Audi A8. Damit jeder sofort wusste: Oh, oh, hier kommt niemand anderes als Helge Schwab aus dem Kreis Kusel!

So nobel kommt ein A8 daher, das Flaggschiff von Audi. Schwabs Wagen war dunkler.
So nobel kommt ein A8 daher, das Flaggschiff von Audi. Schwabs Wagen war dunkler.

Nur noch halb so viele Taler im Beutel

Doch Schwabs Freude am schönen neuen Auto und Nummernschild währte nicht lange: Nach seiner Wahl zum Chef der Fraktion brach Feuer unterm Dach der Freien Wähler aus. Zwei Abgeordnete verließen die sechsköpfige Fraktion, das verbleibende Häuflein verlor den Fraktionsstatus, damit einen Riesenbatzen Geld – und den noblen Audi A8. Schwab selbst, dem als Fraktionsboss das doppelte Salär eines einfachen Abgeordneten zustand, bekam von jetzt auf gleich nur noch halb so viele Taler in den Beutel. Und er musste allen elf Mitarbeitern der Fraktion kündigen, auch seinem gerade erst eingestellten Fahrer aus dem Kuseler Land.

„Um repräsentative Termine wahrnehmen zu können“

Dumm gelaufen. Aber Schwab und seine drei Getreuen schüttelten und besannen sich und beantragten etwas, was es in Rheinland-Pfalz noch nie gegeben hatte: als „parlamentarische Gruppe“ anerkannt zu werden, „einschließlich der Geld- und Sachleistungen“, wie sie auch einer Fraktion zustehen. Und ganz wichtig und so wörtlich: „Dem Vorsitzenden der Gruppe wird ein Dienstwagen gewährt, um die zahlreichen repräsentativen Termine wahrnehmen zu können.“ Weiter heißt es in dem vom Schwab-Quartett unterschriebenen Antrag, dass es angemessen wäre, wenn der Vorsitzende der Gruppe, also Schwab, wieder so viel Knete wie zuvor bekäme, also wieder doppelt so viel wie Otto Normalabgeordneter und obendrein „eine zusätzliche monatliche Aufwandsentschädigung“.

Noch bevor der Bär erlegt war, verteilte Schwab dessen Fell in einem Wirtschaftsplan. Dieser sah vor, wieder einen Fahrer einzustellen.

Nicht mal ein Opel Manta

Der Landtag entsprach dem Antrag des Quartetts der Freien dann zwar prinzipiell, aber nicht gänzlich. Der Bescheid in Kürze: Die Sache mit der Gruppe geht klar, Geld, Sachen und Räume gibt’s zwar ordentlich, aber nicht so viel wie gewünscht und auch kein doppeltes Salär für Schwab. Und ganz bitter: keinen Audi A8, nicht mal einen alten Opel Manta. Landtagspräsident Hendrik Hering sagte der RHEINPFALZ, das Gesetz billige eben nur Fraktionen ein Dienstfahrzeug zu.

Schwab: „Stimmt alles nicht“

Vier Mitarbeiter stellte die Gruppe im November wieder an, so Schwab, der zunächst eingeplante Fahrer ist nicht darunter. „Kein Dienstwagen, kein Fahrer, so einfach ist das“, sagt Schwab und fügt hinzu: „Mir ging’s doch nicht ums Repräsentieren. Ich bräuchte den Wagen mit Fahrer, damit ich im Auto arbeiten kann.“ Die Geschichtchen, die politische Gegner über ihn erzählen, verweist Schwab ins Reich der Fabel. Alle, auch diese: Er habe mal die Polizei gebeten, eine gesperrte Autobahn befahren zu dürfen; er habe sich bei Terminen gern bis an die Pforte vorfahren lassen und seinen Fahrer besonders langsam durch Hüffler fahren lassen, damit alle ihn sehen. „Stimmt alles nicht“, sagt Schwab und wird ärgerlich.

Nachdem der schöne Audi weg war, heckte Schwab einen neuen Karriereplan aus: Im Landtag eine wichtige Geige zu spielen ist gut; im Kreis Kusel die erste zu spielen, ist besser. Also trat Schwab bei der Landratswahl als Kandidat an. Hätten ihn die Kuseler gewählt, dann hätte er wieder alles, was er im Oktober verlor: mehr Geld, einen schönen Dienstwagen – und einen Chauffeur.

Nächste Chance: März 2026

Hätte, hätte, Fahrradkette: Schwab belegte unter fünf Kandidaten Platz fünf – und muss sich weiterhin selbst hinters Steuer quälen. Die nächste Chance bietet sich bei der Landtagswahl in einem Jahr: Sollten es die Freien Wähler dann erneut in Fraktionsstärke ins Parlament schaffen und Schwab wieder zu ihrem Vormann wählen, dann wäre alles wieder da: Audi A8, Fahrer und doppelte Diät.

Auch lesenswert: Schwab zum Auseinanderbrechen der Fraktion.

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