Neustadt / Bad Dürkheim
Pfälzische Weinkönigin für ein Jahr gerettet: Was die Pfalzwein jetzt vorhat
Die Pfalz – ist sie nun Avantgarde oder zurückgeblieben? 1931, in einer Zeit, als sich Grausames anbahnte, wurde von hier etwas Neues angestoßen. Zum ersten Mal wurde damals beim Weinlesefest in Neustadt eine Pfälzische Weinkönigin gewählt. Und weil es in den anderen deutschen Weinanbaugebieten noch keine Hoheit gab, war sie zugleich die oberste deutsche Repräsentantin für den Wein.
Die erste Weinkönigin aus Pirmasens
Ruth Bachroth hieß die Frau aus Pirmasens. Bekanntermaßen wachsen dort nicht viele Trauben. Die Schöne aus der Schuhstadt war zu Besuch an der Weinstraße und bekam von einem Verehrer die meisten Rosen zugesteckt – und siegte. So jedenfalls ist die Geschichte überliefert. Sie antwortete damals sehr schlagfertig auf die Frage der Jury, was man denn in der Branche vor allem benötige, mit „festes Schuhwerk“.
In der Branche – und nicht nur da – braucht es auch gute Kommunikationsstrategien. An der mangelte es zuletzt der Pfalzwein e.V., zuständig für die Weinwerbung in der Pfalz sowie seit den 60er-Jahren für die Wahl der Pfälzischen Weinkönigin. Sie will vor allem die Weinwerbung nach außen modernisieren. Ihre Ankündigung, den Titel der Weinkönigin samt Krone abzuschaffen und stattdessen Weinbotschafter zu küren, brachte ihr Zustimmung, aber vor allem Kritik ein. In einer Heftigkeit, mit der sie nicht gerechnet hatten. Den Verantwortlichen wurde ein undemokratischer Alleingang und Verrat an der Tradition vorgeworfen. Der Neustadter Oberbürgermeister Marc Weigel (FWG) sprach von einem „historischen Fehler“.
Nun ist die Pfalzwein zurückgerudert und hat zugleich angekündigt, die Wahl der Weinkönigin ab 2025 nicht mehr wie bisher allein ausrichten zu wollen. Darüber informierte der Verein, dem rund 130 Winzer als Mitglieder angehören und für den alle Pfälzer Winzer einen Pflichtbeitrag entrichten, am Dienstag in einer Presseerklärung. Es wird nun doch keine Weinbotschafter geben, sondern bei dem Titel Weinkönigin bleiben. Und sie darf auch künftig Krone tragen. Offen bleibt die Wahl für Männer, die sich im Erfolgsfall Weinhoheit nennen und eine Anstecknadel bekommen.
Die Wahl im Oktober: wie gewohnt im Saalbau
In dem Schreiben heißt es: Nach intensiven Gesprächen zwischen der Stadt Neustadt und der offiziellen Gebietsweinwerbung der Pfalz (Pfalzwein e.V.), sei „eine Lösung für die stockende Diskussion rund um die Weinhoheiten sowie die Ausformulierung ihres Amtes gefunden“. Die Wahl der Pfälzischen Weinhoheiten werde am 4. Oktober wie gewohnt im Saalbau in Neustadt stattfinden.
Der Erste Vorsitzende der Pfalzwein, Boris Kranz aus Ilbesheim (Südliche Weinstraße), sieht in dem Vorgang „kein Zurückrudern“. Auch habe man „nicht hingeschmissen“, wie er im Gespräch mit der RHEINPFALZ sagte. Am Montag sei bei einem Treffen mit dem Neustadter OB, dem Weinbaupräsidenten und den beiden Vorsitzenden der Pfalzwein, der sich bereits in der vergangenen Woche abzeichnende Kompromiss besiegelt worden. Am Dienstag wurde dann ein größerer Kreis informiert – auch die drei Kandidaten für die anstehende Wahl. Die drei – alle aus dem Landkreis Bad Dürkheim – haben die Lösung überwiegend positiv aufgenommen. OB Weigel zeigte sich erst einmal zufrieden und kündigte an, sich an den Gesprächen über die künftige Rolle der Weinhoheiten zu beteiligen.
Ist die Pfalz nicht bereit für Neuerungen?
Spätestens im November soll sich eine Interessengemeinschaft um die Königinnenwahl ab 2025, aber auch um die Modernisierung des Amts kümmern, schlägt die Pfalzwein vor. „Wir sind da jetzt raus“, so Kranz. Die Pfalzwein sei dann nur noch Teil einer verantwortlichen Gruppe. Wer zu dem Team gehören soll, wie das finanziert wird und ob es regionale Weinhoheiten und übergeordnet Botschafter gibt, ist noch völlig offen. „Wir jedenfalls gehen weiter unseren Weg der Modernisierung“, sagte Kranz. Also den der Avantgarde. „Die Region ist teils nicht so weit, das mitzutragen.“
