Bad Dürkheim / Weisenheim am Berg
Weinköniginnen-Krone bleibt: Wie die Kandidaten reagieren
Für ihre kurzfristig öffentlich gemachten Pläne, am 4. Oktober im Neustadter Saalbau Weinbotschafter statt wie bislang Königin oder Prinzessin zu küren, hatte die Pfälzer Gebietsweinwerbung Kritik von vielen Seiten geerntet. Am Dienstag vermeldete die Pfalzwein für dieses Jahr die Kehrtwende: Nach intensiven Gesprächen sei eine Lösung für „die stockende Diskussion rund um die Weinhoheiten sowie die Ausformulierung ihres Amtes gefunden“ worden. Demnach werden Wahl und Krönung der Pfälzischen Weinhoheiten am 4. Oktober wie gewohnt stattfinden. Es werden eine Königin (weiblich) oder eine Weinhoheit (männlich) gewählt. Auch das Amt der Prinzessin wird vergeben. Die Frauen werden weiterhin Kronen tragen. Die Weinhoheit bekommt eine Anstecknadel, die entweder in Gold oder in Silber ausgeführt ist – je nachdem, ob der männliche Kandidat Manuel Reuther die Wahl gewinnt. Direkt nach dem Krönungsabend soll eine Interessengemeinschaft gebildet werden, die über die künftige Ausgestaltung des Amtes entscheidet.
Reuther: Diskussion „emotional von allen Seiten“
Mittendrin in der Debatte waren die Kandidaten Lara Karr (Weisenheim am Berg), Denise Stripf (Bad Dürkheim) sowie Manuel Reuther (Forst). Reuther, der sich als erster Mann um das Amt der pfälzischen Weinhoheit bewirbt, erlebte die Diskussion der vergangenen Wochen als „sehr emotional von allen Seiten“. Sicherlich sei nicht gut gewesen, dass die Pfalzwein die geplanten Änderungen so „ruckartig“ kommuniziert habe. Aber vieles, „was von der Pfalzwein gar nicht so gemeint war“, sei auch in Teilen der Öffentlichkeit falsch verstanden worden. Grundsätzlich finde er das Konzept gut, das Amt zu modernisieren.
Der 23-jährigen Lara Karr war kurz nach der offiziellen Pfalzwein-Mitteilung am Dienstag die Erleichterung über die Kehrtwende deutlich anzumerken: „Ich bin wirklich sehr zufrieden.“ Die vergangenen Wochen seien verrückt gewesen. Und emotional nicht immer einfach. „Es wurde mehr über uns als mit uns geredet“, erzählt Karr. „Es war wie bei einer Fußball-WM: Plötzlich wird jeder zum Weltschiedsrichter.“ Bei der Entscheidung der Pfalzwein seien sie als Bewerberinnen und Bewerber nicht involviert gewesen, erinnert sie sich an den Beginn der Debatte. „Auf einmal war alles nicht mehr in unseren Händen.“
Lara Karr dachte auch an Rückzug
In der Diskussion um die Zukunft der Pfälzischen Weinkönigin sei so manches untergegangen. Statt ihr zu gratulieren, dass sie es in den engsten Bewerberkreis geschafft hatte, hätten viele Gesprächspartner das Thema gleich auf das Ende der Weinkönigin und die Kronendiskussion gelenkt. „Das war schon doof und hat einiges genommen“, zeigt sich Karr rückblickend etwas enttäuscht. Zumal sie alles andere als begeistert von den Plänen war. Schließlich habe sie sich Anfang des Jahres für das Amt der 86. Pfälzischen Weinkönigin beworben – und nicht als Pfalzweinbotschafterin. In diesem Punkt habe unter den drei Kandidaten nicht immer Einigkeit geherrscht. „Ich habe direkt gesagt: Darauf habe ich mich nicht beworben. Ich weiß nicht, ob ich das Gesicht für eine Aufklärungskampagne sein wollte.“ Ob sie auch an Rückzug gedacht hat? „Natürlich gehen einem 1000 Szenarien durch den Kopf, und klar habe ich auch mal an einen Rückzug gedacht“, erzählt Karr. Sie habe durch den großen Aufschrei in der Bevölkerung jedoch früh ihre Hoffnungen darauf gesetzt, dass sich doch noch etwas ändert. Dass das der Fall ist – dafür sei sie auch der Pfalzwein dankbar.
Wäre schrittweise Modernisierung besser?
Einer Modernisierung des Amtes stehe sie gar nicht ablehnend gegenüber, betont die 23-Jährige. „Ich hätte es allerdings schrittweise schöner gefunden.“ Dass sich in diesem Jahr erstmals ein männlicher Bewerber um den Titel bewirbt, sei bereits ein solcher Schritt gewesen. Und die Kronendiskussion? „Ich habe mir die Krone zurückgewünscht“, sagt Karr deutlich. Als Weinprinzessin von Weisenheim am Berg habe ihr der Kopfschmuck bei Terminen in der Region nie im Weg gestanden. „Es ist eine Möglichkeit, mit Leuten ins Gespräch zu kommen“, ist sie sich sicher.
Und nun? Diese Woche, schätzt Karr, werde wohl noch „ordentlich turbulent“. Dann aber stünden noch genügend Termine für die junge Frau an, die im Familienweingut Pfleger-Karr arbeitet: Kerwe, Wurstmarkt und Lese – und natürlich die Vorbereitung auf den 4. Oktober.
Stripf: Es geht um die Sache, nicht das Amt
In dieser steckt bereits die Bad Dürkheimer Weinprinzessin Denise Stripf. Ihr Plan, alle 36 Bad Dürkheimer Weingüter zu besuchen, hilft ihr dabei. „Die Winzerinnen und Winzer sind alle sehr hilfsbereit und beantworten mir jede Frage – auch wenn sie doof ist“, erzählt Stripf. Die Diskussionen um die Zukunft des Königinnen-Amtes habe sie nicht an sich herangelassen, berichtet Stripf. Von den Änderungsplänen der Pfalzwein habe sie im Urlaub erfahren. Mit ihrer Bewerbung gehe es ihr aber um die Sache, nicht um das Amt an sich. Sie wolle Weine und Winzer aus der Pfalz repräsentieren – ob als Königin oder Botschafterin sei dabei zweitrangig. Sie habe die Beweggründe der Pfalzwein für die Reform, die nun erst einmal auf Eis gelegt wurde, nachvollziehen können, sagt die Bad Dürkheimerin. Allerdings seien bei dem Prozess viele Stimmen, die sich nun kritisch äußerten, außer Acht gelassen worden. Dass diese nach der Wahl über die geplante Interessengemeinschaft einbezogen werden sollen, findet Stripf gut. Die beiden Kandidatinnen und der Kandidat wurden laut Stripf am Dienstagvormittag im Vorfeld der offiziellen Mitteilung durch die Pfalzwein über die neuesten Entwicklungen informiert und auch in den Entscheidungsprozess einbezogen.
Zwiegespalten in der Kronen-Frage
Und hätte Stripf sich vorstellen können, auf eine Krone zu verzichten? „Da bin ich zwiegespalten“, sagt die 26-Jährige. Bei manchen Terminen helfe das Schmuckstück, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, bei anderen wie beispielsweise Weinproben sei es überflüssig, erzählt Stripf aus ihrer Erfahrung als Bad Dürkheimer Weinprinzessin. „Bei einer Weinfesteröffnung wären wir als Gebietshoheit gegenüber den örtlichen Prinzessinnen mit Krone vielleicht ein wenig zurückgesetzt worden. Vielleicht wäre aber auch genau das Gegenteil eingetreten“, fasst Stripf ihre ambivalenten Gedanken zusammen.