Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Peter Sattler ist der wohl älteste Möbelverkäufer Deutschlands

Rente? Nicht doch! Peter Sattler arbeitet mit 86 Jahren immer noch. Bei Möbel Martin in Kaiserslautern verkauft er Sofas und Ses
Rente? Nicht doch! Peter Sattler arbeitet mit 86 Jahren immer noch. Bei Möbel Martin in Kaiserslautern verkauft er Sofas und Sessel.

„Ich bin kein Rentnertyp“, sagt Peter Sattler. Deswegen verkauft er auch mit 86 Jahren noch Möbel. Ein Leben ohne Arbeit? Für ihn unvorstellbar.

Manchmal wirken Sätze, die man in der Kindheit gehört hat, sehr lange nach. Bei Peter Sattler ist es ein Satz des Großvaters, der ihm in Erinnerung geblieben ist: „Wer ganz aufhört zu arbeiten, fängt langsam an zu sterben.“ Nun würden viele Rentner vielleicht widersprechen und von der vielen freien Zeit schwärmen, die sie im Ruhestand genießen. Doch Peter Sattler hält sich an den Satz seines Großvaters – und arbeitet auch mit 86 Jahren noch: „Ich bin kein Rentnertyp“, sagt er und hebt hervor, wie wichtig es für alte Menschen ist, im Alter noch eine Struktur im Alltag und Aufgaben zu haben. Beides hat Sattler, der als Einrichtungsberater bei Möbel Martin in Kaiserslautern tätig ist und in der einen Woche von Mittwoch bis Samstag, in der folgenden von Donnerstag bis Samstag im Dienst ist. Und ja, auch Erfolg hat der Senior. „Herr Sattler ist vom Umsatz her einer der besten Mitarbeiter“, sagt Frank Horn, Geschäftsleiter von Möbel Martin in Kaiserslautern. „Er ist ein sehr guter Verkäufer aufgrund seiner Lebenserfahrung und aufgrund der menschlichen Reife, die er hat.“

„Verkaufen ist mein Lebenselixier“: Peter Sattler als junger Mann.
»Verkaufen ist mein Lebenselixier«: Peter Sattler als junger Mann.

Drei Jobs in 71 Berufsjahren

Peter Sattler war nicht immer bei Möbel Martin – er ist „erst“ seit 24 Jahren im Unternehmen, es ist seine dritte Stelle in 71 Berufsjahren: 1954 begann er im väterlichen Möbelgroßhandel in seiner Heimatstadt Worms die Ausbildung zum Großhandelskaufmann und führte den Betrieb mit 40 Mitarbeitern bis zur Auflösung 1986. Zwischen 1986 und 2000 war er Verkaufs- und Schulungsleiter bei der Firma Doerfert Collection, die Schlafzimmer verkauft hat. In jener Zeit sei er bundesweit unterwegs gewesen und habe auch viele Mitarbeiter von Möbel Martin geschult, erzählt Sattler von den ersten Kontakten mit seinem späteren Arbeitgeber. Im März 2001 habe er dann – im Alter von fast 63 Jahren – bei Möbel Martin in Kaiserslautern angefangen, viele Jahre war er Vollzeit tätig, seit einigen Jahren arbeitet er Teilzeit. „Ich fühle mich im Unternehmen sehr wohl, habe einen guten Kontakt zur Geschäftsleitung und zu den Kolleginnen und Kollegen“, sagt der 86-Jährige. Er ist mit Leib und Seele Verkäufer, liebt den Kontakt zu Menschen: „Verkaufen ist mein Lebenselixier“, sagt Sattler und fügt an: „Die täglichen Erfolge im Unternehmen machen einen stolz und zufrieden.“ Er sei immer „auf der Fläche“ präsent, also dort, wo die Kunden sich auf Polstergarnituren und Sessel setzen, um sie zu testen. Ein guter Verkäufer müsse vor allem zuhören können, findet er: „Das ist wichtig, damit man nicht aneinander vorbeiredet.“ Es bringe nichts, wenn der Kunde sage, er wolle keine Ledercouch mehr und der Verkäufer ihm trotzdem Leder-Bezüge zeigt. Erfolg im Verkauf habe man, wenn man fachlich kompetente Beratung biete, ein persönliches, vertrauensvolles Verhältnis aufbaue und ehrliche Antworten auf die Fragen der Kunden habe: „Nur der zufriedene Kunde kommt wieder.“

Gemeinschaft ist ihm wichtig

Nun ist es nicht so, dass Peter Sattler nur für seinen Beruf gelebt hätte. Er war als Sportpilot in der Luft und als Ruderer und Wasserski-Fahrer im Rhein unterwegs. Er hat die Deutschen Meisterschaften im Wasserski kommentiert, war 1967 bei der Wasserski-Weltmeisterschaft im kanadischen Quebec dabei, stand als Büttenredner, Sitzungspräsident und Vorsitzender der Wormser Karnevalsgesellschaft Liederkranz an vorderster Narren-Front und war 20 Jahre lang Kommentator beim Fischerstechen am Wormser Backfischfest. Ein Mensch, der Gesellschaft schätzt und Gemeinschaft pflegt, ist Sattler noch immer: Zweimal im Monat organisiert er einen Stammtisch für neun Leute, die meisten seiner alten Freunde holt er für die Treffen mit dem Auto ab. Sie finden es gut, dass er noch arbeitet, erzählt er: „Die sagen: ,Du bist der lebendigste Mensch, den wir kennen und trotz deines Alters viel aktiver und lebensfroher als wir alle.’“ Er solle bloß nicht aufhören zu arbeiten, sonst würde er in ein Loch fallen. Peter Sattler war 57 Jahre mit seiner Frau zusammen, es war eine „wunderbare Zeit“, erzählt er. Im vergangenen Jahr ist sie verstorben, der Sohn, die Schwiegertochter und die beiden Enkeltöchter geben im Kraft. „Und meine Arbeit hilft mir auch bei der Trauerbewältigung.“

Geschäftsleiter Horn schätzt die Herangehensweise des ältesten der 130 Mitarbeiter des Kaiserslauterer Möbel-Martin-Standorts: „Kunden ab einem bestimmten Alter fühlen sich bei Herrn Sattler sehr gut aufgehoben“, sagt er. Auf seine Erfahrung werde man trotz der Restrukturierung, die mit einem Stellenabbau von 330 der 1600 Stellen an den acht Standorten einhergeht, nicht verzichten, versichert Horn. Peter Sattler will weiterarbeiten: „So lange der liebe Gott mir die Kraft lässt.“

Zur Sache

Wie viele Menschen mit über 80 Jahren noch arbeiten – dazu hat das Statistische Landesamt keine Daten. Was die Volkszähler allerdings wissen, ist: Von den 2,06 Millionen Erwerbstätigen in Rheinland-Pfalz sind rund 73.000 Personen 66 Jahre alt oder älter, 22.000 der Ü-66-Erwerbstätigen wohnen in der Pfalz.

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