Geborgen und behütet RHEINPFALZ Plus Artikel Nach zwei Wochen Krankenhaus: Pflegefamilie nimmt Saarbrücker Disco-Baby auf

Nach zwei Wochen im Krankenhaus wurde das in der Diskothek A8 geborene Kind jetzt in einer Pflegefamilie untergebracht.
Nach zwei Wochen im Krankenhaus wurde das in der Diskothek A8 geborene Kind jetzt in einer Pflegefamilie untergebracht.

Die Mutter des in der Disco A8 auf die Welt gekommenen Säuglings zeigt sich kooperativ und hat das Sorgerecht. Über den Vater ist nichts bekannt.

Das Baby, das Ende Juni in einer Saarbrücker Disco geboren wurde, musste doch länger im Krankenhaus bleiben als zwischenzeitlich gedacht. Jetzt aber hat es das Winterberg-Krankenhaus Saarbrücken verlassen.

Das Kind lebt nun in einer Pflegefamilie, die für solche Fälle in Bereitschaft steht. Dies teilte das Jugendamt des Saarpfalz-Kreises auf Anfrage mit. Dem Kind gehe es „den Umständen entsprechend gut“, so das Jugendamt weiter. Es fügte hinzu: „Aktuell liegt das Sorgerecht für das Kind bei der Kindsmutter“. Familienrechtlern zufolge kann aus dieser Formulierung geschlossen werden, dass der Vater des Säuglings kein Sorgerecht hat; entweder weil es sich nicht um ein eheliches Kind handelt und der Papa die Vaterschaft bisher nicht anerkannt hat oder weil der Vater gar nicht bekannt ist.

Laut Homburger Kreisverwaltung steht das Jugendamt „in Kontakt mit der Kindesmutter und bescheinigt einen kooperativen Austausch über den weiteren Verbleib des Kindes“. Die Kreisverwaltung Homburg ist zuständig, weil die Mutter des Babys ihren „gewöhnlichen, dauerhaften Aufenthalt im Saarpfalz-Kreis“ habe.

Der Säugling war am 28. Juni, einem Samstag, sehr früh am Morgen in der Diskothek A8 in Saarbrücken zur Welt gekommen. Die näheren Umstände sind immer noch unklar. Besucherinnen der Diskothek hatten das Baby auf der Damentoilette gefunden, ohne Mutter. Das sofort hinzugezogene Jugendamt Saarbrücken nahm das Neugeborene in Obhut und ließ es ins Krankenhaus bringen. Auch die Mutter fand sich schließlich in den Räumen der Disco, auch sie kam ins Krankenhaus. Die Disco A8 befindet sich im Gebäude der ehemaligen Eishalle Saarbrücken, in der Nähe von Saarlandhalle und Ludwigsparkstadion.

Das Jugendamt Saarpfalz wird zwar die Fürsorge für das Kind übernehmen. Vorläufig befindet sich der Säugling aber in der Obhut des Jugendamts Saarbrücken, das die Pflegefamilie ausgesucht hatte. Der Sprecher des Regionalverbands Saarbrücken, Lars Weber, sagte, das bleibe so lange so, bis das Familiengericht befunden habe, wo das Kind künftig lebt. Das Familiengericht kann entscheiden, dass das Baby zur Mutter kommt. Es kann aber auch entscheiden, dass es in einer Pflegefamilie leben wird. Weber zufolge greift das Jugendamt Saarbrücken auf Bereitschaftspflegefamilien und auf Dauerpflegefamilien zurück. Bereitschaftsfamilien stehen bereit, ein Kind in Notsituationen quasi von jetzt auf gleich aufzunehmen. In Dauerpflegefamilien kommen Kinder unter, die meist über Jahre, oft bis zur Volljährigkeit in einer Familie leben. Laut Weber gibt es auch einige Familien, die Pflegekinder sowohl dauerhaft als auch im Notfall aufnehmen. Weber sagt, fast alle Jugendämter in Deutschland seien auf der Suche nach Pflegefamilien, weil die Unterbringung in einer Familie oft eher dem Kindswohl entspreche als das Leben in einem Heim oder in einer Wohngruppe. Wer sich über die Aufgaben einer Pflegefamilie informieren will, kann sich an das Jugendamt seines Kreises oder seiner Stadt wenden; der Regionalverband Saarbrücken informiert ausführlich auf seiner Homepage und hat dazu auch einen aufschlussreichen Film erstellt.

Noch vor gut einer Woche hieß es in Saarbrücken, die Entlassung des Kindes aus dem Krankenhaus stehe unmittelbar bevor, letztlich blieb das Baby dann aber noch ein paar Tage länger im Hospital auf dem Winterberg.

Der Kinderschutzbeauftragte des Saarlandes, Kai Frisch, ist nicht in den Fall eingebunden, hieß es aus seinem Büro.

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