Otterberg RHEINPFALZ Plus Artikel Ex-Mönch festgenommen: Ermittlungen wegen Kindesmissbrauch in über 100 Fällen

In Otterberg hat der „Shaolin Temple Europe“ seinen Sitz.
In Otterberg hat der »Shaolin Temple Europe« seinen Sitz.

Die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern ermittelt gegen einen ehemaligen Mönch des Shaolin-Klosters in Otterberg unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern.

Die Polizei hat einen 59-jährigen Mann verhaftet, der lange Zeit als Mönch im Shaolin-Kloster in Otterberg (Kreis Kaiserslautern) gelebt hat. Die Behörden ermitteln gegen ihn wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Kindern und der Vergewaltigung. Mehr als 100 Fälle werden dem Mann vorgeworfen. Bei dem Verdächtigen handelt es sich um ein früheres führendes Mitglied des buddhistischen Klosters, wie Staatsanwaltschaft Kaiserslautern und Polizeipräsidium Westpfalz am Freitag bekanntgeben. Die Taten sollen sich zwischen 2010 und Sommer 2012 sowie 2020 und 2021 ereignet haben. Der Tatverdächtige schweigt zu den Vorwürfen. Das Amtsgericht Kaiserslautern hat wegen Fluchtgefahr Haftbefehl gegen den 59-Jährigen erlassen. Er sitzt in einer Justizvollzugsanstalt. Der Mann war schon vor längerer Zeit von allen Funktionen im Kloster entbunden worden und hatte dort kein Wohnrecht mehr, teilen die Behörden mit.

Das Gelände des Shaolin-Klosters von oben.
Das Gelände des Shaolin-Klosters von oben.

Früheres Ermittlungsverfahren

Laut den Ermittlern hatte sich der Mann zuletzt in einem Kaiserslauterer Hotel versteckt, wo er am Dienstag festgenommen wurde. Wie viele Kinder Opfer des Mannes wurden, wo die Taten begangen wurden und die genauen Tatumstände würden derzeit ermittelt, sagt Oberstaatsanwalt Stefan Orthen. „Die Ermittlungen werden noch einige Zeit andauern, und erst danach können die Fragen abschließend und zuverlässig beantwortet werden.“

Ein früheres Ermittlungsverfahren gegen den Beschuldigten wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Kindern ist laut Orthen eingestellt worden, weil nach Abschluss der Ermittlungen kein hinreichender Tatverdacht bestand. „Die Prüfung der Frage, ob die früheren Vorwürfe vor dem Hintergrund der neuen Erkenntnisse nunmehr erneut überprüft werden, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen“, sagt der Oberstaatsanwalt.

Das Otterberger Shaolin-Kloster ist deutschlandweit bekannt. Mehrfach begleiteten Kamerateams für Fernsehreportagen in den vergangenen Jahren das Leben und Training der Mönche. Auch die RHEINPFALZ berichtete über Veranstaltungen des Klosters. In Otterberg lebten die Shaolin-Mönche eher zurückgezogen, waren selten zu sehen. So schildert es ein Anwohner dieser Zeitung.

Bericht über Missstände

Doch schon im Jahr 2011 berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) über Vorwürfe gegen die Leitung des Klosters. Zu Wort kamen Personen, die selbst in dem Kloster gelebt hatten, sowie eine Mutter, deren 13-jähriger Sohn für einige Wochen dort untergebracht war. In einem Vorgespräch mit dem damaligen Klostervorsteher sei die Mutter darauf hingewiesen worden, dass in absoluten Härtefällen eine Züchtigung durch den Stock angewandt werden könnte, heißt es in dem SZ-Bericht. Dem Orden werde „unumschränkte Strafgewalt“ eingeräumt. Nachdem der Sohn, entgegen klaren Absprachen, nicht ans Telefon gegangen sei, habe die Mutter ihn wieder zu sich nach Berlin geholt.

Auch die Behörden im Kreis Kaiserslautern wurden damals aktiv, wie die SZ berichtet. 2010 hatte sich bereits eine Schulsozialarbeiterin an das Jugendamt des Kreises gewandt. Sie hatte von einem Klosterschüler von Missständen erzählt bekommen. Mitarbeiter der Kreisverwaltung untersuchten daraufhin das Kloster, konnten aber keine akute Gefährdung des Kindeswohls feststellen. Doch den Kaiserslauterern kam die Sache offenbar so merkwürdig vor, dass sie den Fall an das Landesjugendamt weiterleiteten. Das stellte jedoch auch keine Gefährdung des Kindeswohls fest. Der damalige Leiter des Klosters wies alle Vorwürfe zurück, als die SZ ihn mit ihren Recherchen konfrontierte.

Shaolin-Kloster äußert sich

Die RHEINPFALZ hat den „Shaolin Temple Europe“, wie sich der Otterberger Orden nennt, am Freitag um Stellungnahme zu der Festnahme des ehemaligen Mönches gebeten. Der Vorsitzende des Buddhistischen Ordens von Shaolin e.V. teilt mit, man habe das Mitglied bereits nach Bekanntwerden der Vorwürfe vor zwei Jahren von allen Ämtern enthoben und aus dem Verein ausgeschlossen. „Er ist seither nicht mehr an dessen Aktivitäten, Verwaltung oder Ausrichtung beteiligt.“ Weiter heißt es: „Manchen wird aufgefallen sein, dass wir bereits in der letzten Zeit öffentlich eingeräumt haben, dass es im Laufe unserer Geschichte zu schwierigen und bedauerlichen Vorfällen gekommen ist. Diese Äußerungen spiegelten unser Bewusstsein darüber wider, die Angelegenheiten auf dem dafür vorgesehenen Rechtsweg zu behandeln. Wir hielten es für unverantwortlich, uns während der laufenden Ermittlungen, die bis zum heutigen Tage andauern, weiter dazu zu äußern.“ Der Orden hoffe, dass „allen, die Schaden erlitten haben, mit Mitgefühl und Würde begegnet wird“.

Das Anwesen, in dem die Mönche leben, ist von Bäumen umgeben.
Das Anwesen, in dem die Mönche leben, ist von Bäumen umgeben.
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