Saarland RHEINPFALZ Plus Artikel Landesparteichef: Lafontaine ist am Niedergang der Linken schuld

Oskar Lafontaine
Oskar Lafontaine

Im Saarland startete die Linkspartei einst ihren Erfolgszug durch Deutschlands Westen: 21 Prozent holten die Linken bei der Landtagswahl 2009. Jetzt im März kamen sie gerade mal auf ein gutes Zehntel von damals. Für die Partei hat der Schuldige am Niedergang einen Namen: Oskar Lafontaine.

„Hätte Lafontaine nicht Wahlkampf gegen uns gemacht, dann hätten wir um die fünf Prozent geholt“, hadert der Landesvorsitzende Thomas Lutze (52) mit seinem früheren Chef. Lutze war einst enger Mitarbeiter von Lafontaine (78), die beiden überwarfen sich aber. Der Streit zwischen den Männern ließ die Saar-Linken in zwei Flügel zerbrechen. Vor der Bundestagswahl 2021 rief Lafontaine die Wähler im Saarland dazu auf, nicht links zu stimmen. Zehn Tage vor der Landtagswahl diesen März trat Lafontaine ganz aus der Linkspartei aus.

Durch „Oskar“ erst groß- dann wieder kleingemacht

Lutze gesteht Lafontaine zu, die Linken an der Saar großgemacht zu haben. Das gebe ihm aber nicht das Recht, die Partei wie sein Eigentum zu behandeln. Auch Wochen nach der Wahl ist Lutzes Zorn nicht verflogen. Er wirft Lafontaine Egomanie vor. „Er steht auf dem Standpunkt: Wenn ich das alleine hier aufgebaut habe, dann darf ich auch alles allein wieder einreißen.“

Wegen des desolaten Wahlergebnisses vom März – die Linken holten mit 2,6 Prozent nur 0,3 Prozentpunkte mehr als die Tierschutzpartei – will Lutze den Landesvorsitz im Juli abgeben. Lutze, der ursprünglich aus der Niederlausitz kommt, hält seit 2009 das einzige Bundestagsmandat der saarländischen Linken. Ganz aus der Parteiarbeit will er sich nicht zurückziehen, aber höchstens als Beisitzer dem Vorstand angehören.

Alle Augen richten sich auf Barbara Spaniol

Doch wer soll die Partei aus dem tiefen Tal herausführen? In den zwei Monaten seit Lutzes Rückzugsankündigung hat noch niemand den Finger gehoben. Aber alle blicken auf Barbara Spaniol (58) aus Homburg. Als sie vor 15 Jahren von den Grünen zu den Linken wechselte, war sie eine der ersten Links-Abgeordneten in einem westdeutschen Landesparlament. Spaniol ist im Saarland bekannt. Sie zögert aber noch, den Hut in den Ring zu werfen. Denn die Aufgabe ist gewaltig. Schließlich sind die Linken nicht nur im Saarland abgestürzt, sondern fielen auch bei den folgenden Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen auf das Niveau einer Splitterpartei.

Thomas Lutze
Thomas Lutze
Barbara Spaniol
Barbara Spaniol
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