Pfalz Kommentar zu Schulschließungen wegen Corona: Schwache Krisenkommunikation

Ab Montag werden die Klassenräume in rheinland-pfälzischen Schulen wohl leer bleiben.
Ab Montag werden die Klassenräume in rheinland-pfälzischen Schulen wohl leer bleiben.

Politik muss in Krisenzeiten klare Ansagen machen, und das möglichst früh. Im Fall der Schul- und Kitaschließungen hat das am Freitag nicht geklappt. Gut hatten es jene Schulen, die sich am Freitagvormittag auf vermeintliche Gerüchte zur landesweiten Schließung aller Einrichtungen ab Montag verlassen haben. Ihre Lehrer konnten die Schüler wenigstens noch anhalten, Bücher aus den Spinden mit nach Hause zu nehmen und sicherzustellen, dass alle ein Passwort für das virtuelle Klassenzimmer haben – sofern es in der jeweiligen Schule eines gibt.

Auf Gerüchte hören, lohnte sich in diesem Fall

Wer gewartet hat, bis das Bildungsministerium oder die Schulaufsichtsbehörde offiziell informierte, stand vor leeren Klassenzimmern und konnte nichts mehr ausrichten – während die Schüler über vermeintlich lange Ferien jubelten. Dank Smartphone und guter Vernetzung waren sie nämlich früh informiert.

Der SWR hatte am Vormittag die Meldung über die Schulschließung verbreitet. Wer daraufhin bei den zuständigen Pressestellen der Landesregierung nachfragte, hörte, dass die Nachricht lediglich auf einer Vermutung fuße und dass noch nichts feststehe. Denn der Ministerrat werde erst um 14 Uhr zu einer außerordentlichen Sitzung zusammentreten. Wer sich im Regierungsviertel umhörte, wusste nach einem Gespräch der Regierung mit den kommunalen Spitzenverbänden schnell, dass es wohl genau zu den Schließungen kommen werde.

Was Notbetreuung heißt, war erst spät zu efahren

Wenige Minuten vor 14 Uhr – die allermeisten Schultore waren um diese Uhrzeit schon für das Wochenende geschlossen – verschickte das Bildungsministerium doch die Mitteilung, dass Schulen und Kitas ab Montag zubleiben würden. Auf eine Notbetreuung wurde hingewiesen, aber was diese konkret für berufstätige Eltern bedeutet, war tatsächlich erst Stunden später zu erfahren.

Hektik rührt von Entscheidung anderer Länder

Keine Frage: Die Coronakrise fordert täglich, ja fast stündlich neue Bewertungen. Dass am Donnerstag der Chef der Schulaufsicht, Thomas Linnertz, die kurzfristige generelle Schließung von Schulen noch ausgeschlossen hat, und sie am Freitag doch verkündet wurde, ist der Situation geschuldet. Die Schulschließungen sind nicht zu kritisieren, und die recht großzügige Auslegung der Notbetreuung verdient ein Lob.

Die Hektik rührte möglicherweise daher, dass das Saarland und Bayern am Vorabend mit der Entscheidung, sämtliche Schulen zu schließen, vorgeprescht sind. Aber die Information seitens der Landesregierung war stellenweise kopflos und das sollte sich in der Krise nicht wiederholen.

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