Ludwigshafen
Integrationsbeauftragte der Polizei: „Ich bin keine Beschwerdestelle“
Frau Erten, welche persönlichen Erfahrungen haben Sie in Ihrem Leben mit der Polizei gemacht?
Solche, die man in seinem Leben mit der Polizei eben macht. Bei Verkehrskontrollen etwa, bei zwei Unfällen, die ich hatte. Da ist man mir übrigens hinten reingefahren! (Erten lacht). Oder als mir als Studentin aus meinem Käfer das Autoradio gestohlen wurde.
Gab es da auch mal schlechte?
Nein. Bis jetzt waren alle Begegnungen mit der Polizei in meinem Leben gut. Und da für diese Stelle auch mein polizeiliches Führungszeugnis überprüft wurde, gehe ich davon aus, dass das für die Polizei genauso gilt.
Sie sind studierte Sozialwissenschaftlerin. Saßen lange Zeit für die Ludwigshafener SPD im Stadtrat. Wie haben Sie nun den Weg ins Polizeipräsidium gefunden?
Ich bin Kind türkischer Arbeitsmigranten, die in den 60er-Jahren nach Deutschland gezogen sind. Bereits im Studium habe ich mich für das Thema Migration interessiert und auch in meiner beruflichen und politischen Laufbahn hat es mich immer begleitet – etwa als Vorsitzende des Migrationsbeirates der Stadt Ludwigshafen oder in meinem vergangenen Beruf als Vielfaltsmanagerin. Die Stellenbeschreibung passte einfach perfekt zu mir.
War es bei der Bewerbung hilfreich, dass Sie bereits ein SPD-Parteibuch hatten?
Meine Parteizugehörigkeit hat für dieses Amt keine Rolle gespielt. Ich bin schon seit längerer Zeit nur noch passives SPD-Mitglied und in keinen Positionen vertreten. Meine Bewerbung habe ich wie jeder andere formell per elektronischer Post eingereicht.
Die Polizei gilt für Außenstehende oftmals als verschlossene Organisation. Zusammenhalt wird in der Polizeifamilie großgeschrieben. Wie wurden Sie in Ihren ersten Wochen aufgenommen?
Man hat mich hier vom ersten Tag an sehr offen und herzlich empfangen. Jede Tür stand mir offen. Ich durfte das Polizeipräsidium jetzt einen Monat lang sehr intensiv kennenlernen und in verschiedenen Abteilungen den Kollegen über die Schulter schauen.
Waren Sie auch beim Streifendienst mit dabei?
Ich habe mehrfach die Kollegen im Dienst begleitet und war auch bei einigen Einsätzen mit dabei.
Gab es in Ihrem ersten Monat als Integrationsbeauftragte schon Fälle, in denen ihre Fähigkeiten gebraucht wurden?
Ehrlich gesagt fängt die richtige Arbeit erst in den kommenden Wochen an, wenn meine Hospitanzen beendet sind. Aber es gab zum Beispiel vor Kurzem in der Pressestelle so einen Fall, bei dem ich mich eingebracht habe.
Der Wäre?
In Oppau wird immer wieder in Kleingartensiedlungen eingebrochen. Die Polizei verschickt in ihren Pressemeldungen dazu auch Hinweise zur Vorbeugung von Einbrüchen. Diese Tipps werden aber immer nur auf Deutsch veröffentlich. Unter den Kleingärtnern gibt es aber auch viele ausländische Mitbürger, deren Muttersprache eine andere ist. Ich habe deshalb angeregt, die Hinweise in Zukunft mehrsprachig zu veröffentlichen, damit man auch diese Menschen besser erreicht.
Die Stelle der Integrationsbeauftragten ist vorerst auf zwei Jahre begrenzt. Dann wird Ihre Arbeit bewertet. In welchen Themen wollen Sie Schwerpunkte setzen, oder gibt es da konkrete Vorstellungen vom Land?
Die Stelle ist ein konkretes Projekt der Landesregierung und im Koalitionsvertrag festgeschrieben. Natürlich gibt es da Themen, auf die das Innenministerium und das Polizeipräsidium besonders Wert legen. Den ersten Bereich, nämlich die Pressearbeit, habe ich eben bereits angeschnitten. Ich soll natürlich ganz viel netzwerken und den Austausch zwischen migrantischen Vereinen mit der Polizei ankurbeln. Darüber hinaus werde ich die Polizei bei der Nachwuchsgewinnung sowie der Fort- und Weiterbildung unterstützen. Die Polizei bildet noch nicht ganz die Bevölkerungsstruktur von Rheinland-Pfalz ab. Wir möchten zum einen mehr Menschen mit Migrationshintergrund für einen Beruf bei der Polizei begeistern und zum anderen die Kolleginnen und Kollegen im interkulturellen Austausch stärken.
Nach dem tödlichen Polizeieinsatz am Mannheimer Marktplatz vor zwei Jahren hat das Ansehen der Polizei in dem migrantisch geprägten Stadtteil stark gelitten. Wie würden Sie das Ansehen der Polizei in Ludwigshafen beschreiben?
Zuerst einmal gab es einen solchen Fall in Ludwigshafen – zum Glück – nicht. Ich finde aber, dass das Verhältnis zwischen Polizei und dem migrantisch geprägten Teil der Bevölkerung gut ist. Das habe ich schon in meiner Zeit als Stadträtin und als Vorsitzende des Migrationsbeirates so wahrgenommen.
Der von der Bundesregierung eingesetzte Sachverständigenrat für Integration und Migration ermittelte im November 2023 in einer Studie, dass Menschen mit ausländischem Aussehen in Deutschland häufiger von der Polizei kontrolliert werden. Steht das Thema „Racial Profiling“ auf Ihrer Agenda?
Nein, überhaupt nicht. Ich habe in meiner noch kurzen Zeit beim Polizeipräsidium nicht wahrgenommen, dass es so etwas wie „Racial Profling“ gibt. Erst vor kurzem war ich auf einer Konferenz des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, zu der Polizisten aus verschiedenen Bundesländern zu Gast waren, und wo betont wurde, dass „Racial Profiling“ auf Seiten der Polizei überhaupt kein Thema ist. Mir ist außerdem eines wichtig: Ich sehe mich nicht als Beschwerdestelle oder Kontrollinstanz, sondern als Beraterin und Unterstützerin. Beim Polizeipräsidium Rheinpfalz herrscht eine Kultur der Offenheit.
Zur Person
Hayat Erten ist 53 Jahre alt und als Kind türkischer Einwanderer in Hannover geboren. Die studierte Sozialwissenschaftlerin lebt seit 2004 in Ludwigshafen. Dort war sie für die SPD mehrere Jahre Abgeordnete im Stadtrat. Seit dem 1. Februar arbeitet sie als erste Integrationsbeauftragte des Landes für das Polizeipräsidium Rheinpfalz. Die Stelle für das Pilotprojekt ist auf zwei Jahre befristet.