St. Wendel / Neustadt
Im Saarland gibt’s bald kein Maggi mehr – der Pfalz droht das gleiche
An und für sich ist der Saarländer ein geduldiger Zeitgenosse, der gleichmütig, gefasst und klaglos erträgt, was das Leben an Unbill für ihn bereithält. Aber alles hat seine Grenzen. Und die werden überschritten, wenn man dem Saarländer wegnimmt, was ihm lieb und teuer ist. Und dazu gehört Maggi.
Die Saarland-Werbung gibt sich zwar alle Mühe, im Rest der Republik das Bild von französischer Lebensart und vom Savoir-vivre an der Saar zu zeichnen. Das mag hie und da auch berechtigt sind. Aber man muss der Wahrheit ins Gesicht sehen, und die lautet nun mal: Der gemeine Saarländer speist im Alltag kulinarisch anspruchslos: Bier, Schwenker, Lyoner, Krumbeere – und Maggi. Das ist die Basis. Und die Voraussetzung dafür, dass die beiden Lebensmottos des Saarländers funktionieren: „Hauptsach gudd gess“ und „geschafft hann mir schnell“.
„Hauptsach gudd gess“
All das steht jetzt auf dem Spiel, denn dem Saarland geht das Maggi aus. Der Lebensmittelriese Nestlé, der die Maggi-Würze in der markanten Flasche vertreibt, liefert keinen Nachschub mehr in die größten Supermärkte des Saarlandes, nämlich die der Globus-Gruppe aus St. Wendel. In Saarlouis ist es schon so weit: Dort gibt’s kein einziges Maggi-Fläschchen mehr.
Ein Preiskampf hat den Mangel an dem Grundnahrungsmittel erzeugt. Laut Globus setzten während der Inflation der vergangenen zwölf Monate „viele Lebensmittel-Hersteller enorme Preiserhöhungen durch“. Aktuell beobachte Globus aber, dass die Rohstoff- und Produktionskosten wieder sinken. Globus sei deshalb nicht bereit, „die von Nestlé geforderten hohen Einkaufspreise“ weiter zu akzeptieren. Da sich Globus und Nestlé über die Preise nicht einig werden liefert Nestlé nicht mehr – und Maggi verschwindet nach und nach aus den Regalen.
Fast ein Liter pro Jahr
So wird der Saarländer auf eine harte Probe gestellt. Nirgendwo sonst in der Republik gehört Maggi so zum Essen dazu und wird so viel Maggi konsumiert wie im Saarland: pro Haushalt und Jahr 812 Milliliter, fast ein Liter also. Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) macht Maggi aufs Tomatenbrot, ihr Amtsvorgänger Tobias Hans (CDU) aufs Wurstbrot mit einem Scheibchen Ei.
Der Schicksalsschlag droht auch der Pfalz
Pfälzer mögen jetzt sorgenlos und selbstzufrieden ihre armen Nachbarn im Westen bemitleiden, doch die schlimme Nachricht ist: Der Maggi-Mangel droht auch der Pfalz. In allen Märkten von Globus und Netto.
