Kommentar RHEINPFALZ Plus Artikel Getreide: Ackerfläche ausweiten ist verlockend, aber kurzsichtig

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Um den Hunger infolge des Ukraine-Krieges zu mildern, wollen die Landwirte mehr anbauen. Das ist gut gemeint, aber der falsche Weg.

Die Bereitschaft der Bauern, mehr Weizen oder Mais zu säen, ist aller Ehren wert. Die Idee dahinter klingt einleuchtend: Da liegt Land brach, auf dem Nahrung wachsen könnte, also warum nutzt man es nicht dafür? Zumal wenn ein Ausfall großer Erntemengen droht. Jedem Landwirt muss es als Frevel gelten, wenn angesichts der erwartbaren Hungerkrise nicht jedes Fleckchen Boden bestellt wird. Die EU-Kommission will das nun ermöglichen. Gut so?

Mitnichten. Die Flächen, die aus der Produktion genommen sind, sind dies nicht aus Jux und Tollerei. Sie erfüllen ebenfalls einen immens wichtigen Zweck: den des Artenschutzes. Wo sich Acker an Acker reiht, hat tierisches und pflanzliches Leben kaum noch Raum, sich zu entfalten. Langfristig ist das auch für die Landwirtschaft nicht von Vorteil, man denke nur an die Bedeutung der Bienen als Bestäuber. Darüber hinaus mag die Dimension zusätzlicher Hunderttausender Hektar Ackerflächen beeindruckend klingen – im Vergleich zu den Anbaugebieten in der Ukraine, in Kanada oder in den USA sind das Peanuts. In Deutschland würden wir mit dem Verzicht auf die Belange der Ökologie kurzfristig nur wenig gewinnen, mit der geopferten biologischen Vielfalt aber viel – und unwiederbringlich – verlieren.

Der Ansatz muss ein anderer sein: nicht Ausweitung der Produktion, sondern sparsamer Umgang mit dem, was man hat. Jedes Jahr landen Millionen Tonnen an Lebensmitteln auf dem Müll. Ein Großteil der Getreideproduktion dient nicht dazu, die hungrigen Mägen von Menschen zu stopfen, sondern um Tiere zu mästen. Hier muss man ansetzen: weniger Verschwendung, weniger Fleischkonsum, bessere Verteilung. Natürlich dauert es seine Zeit, bis sich dadurch ein Effekt einstellt. Er wäre dafür aber dauerhafter.

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