Südpfalz Feldberegnung: Landwirte sollen für Wasser aus Brunnen zahlen

Während die Felder in der Vorderpfalz mit Rheinwasser beregnet werden, kommt das Wasser in der Südpfalz aus Brunnen. Das sorgt f
Während die Felder in der Vorderpfalz mit Rheinwasser beregnet werden, kommt das Wasser in der Südpfalz aus Brunnen. Das sorgt für Konflikte mit Umweltschutzverbänden.

Bauern sollen für das Wasser aus ihren Brunnen bezahlen, mit denen sie ihre Felder beregnen. Dazu will sie die Landesregierung verpflichten. Betroffen wären vor allem Landwirte in der Südpfalz. Die sind nicht begeistert.

Die Süd- und Vorderpfalz sind geprägt von der Landwirtschaft. Während die Felder in der Vorderpfalz mit Rheinwasser beregnet werden, kommt das Wasser in der Südpfalz jedoch aus Brunnen. Der Grund: In der Vorderpfalz gibt es einen Boden- und Wasserverband, der ein Pumpwerk am Altrhein in Otterstadt unterhält, das gibt es in der Südpfalz nicht. Das führt zu Konflikten: Umweltschützer werfen den Bauern in der Südpfalz schon lange vor, mehr Grundwasser aus ihren Brunnen zu pumpen, als ihnen von den zuständigen Behörden genehmigt wurde. Es heißt, die Landwirte gingen auch so lässlich mit dem Wasser um, weil sie dafür nichts bezahlen müssen.

Die Landesregierung will das ändern. Es liegt ein Gesetzentwurf vor, wonach Landwirte künftig für den Verbrauch von Grundwasser zur Kasse gebeten werden sollen. Konkret hieße das: Wer pro Jahr mehr als zehn Millionen Liter Grundwasser für die Beregnung seiner Felder aus seinem Brunnen zapft, muss ab dieser Marke sechs Cent pro Kubikmeter bezahlen. Die Landesregierung erhofft sich davon einen sorgsameren Umgang mit der kostbaren Ressource. Und wie sehen das die Landwirte?

„Alle Gemüsekulturen sind wasserintensiv“

Peter Steegmüller aus Weingarten (Kreis Germersheim) ist von diesem Wassercent nicht sehr erfreut. Er hat vor Jahren den Familienbetrieb von seinen Eltern übernommen, beschäftigt 85 Mitarbeiter fest, in der Spitze kommen 320 Saisonkräfte dazu. Steegmüller bewirtschaftet rund 300 Hektar Ackerfläche, sein Betrieb setzt vor allem auf den Anbau von Radieschen und Salaten. „Alle Gemüsekulturen sind wasserintensiv. Die lassen sich auch nicht knapp halten. Wenn also der Faktor Wasser infrage gestellt wird, dann werden auch die Betriebe infrage gestellt“, sagt der Landwirt. Und er betont: Es sei ja nicht so, dass die Bauern nichts bezahlten für das Grundwasser, immerhin müssten sie für die Energiekosten zur Förderung sowie die Infrastruktur rund um die Brunnen selbst aufkommen, also Leitungsnetze, Aggregate, Wartungen.

Steegmüller ärgert sich vor allem darüber, dass die Landwirtschaft einen derart schlechten Ruf habe. „Dabei haben wir noch nie genauer gearbeitet als jetzt. Wasserverschwendung ist deshalb das Letzte, was wir wollen. Das kommt bei manchen aber anders an, weil unsere Arbeit jeder sehen kann, wir sind auf dem Präsentierteller.“ Die Bauern seien auch nicht schuld am Absinken des Grundwasserspiegels, was oft behauptet werde. Steegmüller fordert hingegen Politik und Behörden auf, sich zu fragen, wie viel Wasser die Betriebe benötigen, damit sie ihre Felder bestellen können. „In normalen deutschen Sommern brauchen wir weniger Wasser als genehmigt, in Dürresommern eben mehr. Deshalb lässt sich Wasserbedarf nicht pauschal berechnen.“ Er sei auch nicht grundsätzlich gegen den Wassercent, die Höhe von sechs Cent wäre aber nicht angemessen. Schließlich müssten diese Kosten auf das Endprodukt umgelegt werden, und letztendlich müsste dafür wieder der Verbraucher aufkommen. Für die Zukunft glaubt Steegmüller, bedarf es eines Schulterschlusses zwischen Bauern und Naturschützern, um Anerkennung für die Landwirtschaft zurückzugewinnen.

Werden Zähler manipuliert?

Für Uwe Emnet, Sprecher der Kreisgruppe Südpfalz des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND), müsste dafür aber noch einiges passieren. Er sei regelmäßig in der Südpfalz unterwegs und entdecke immer wieder Brunnen, deren Zähler manipuliert worden seien, wo also mehr Wasser abgepumpt worden sei als erlaubt. Das Problem sei, dass nicht genügend kontrolliert werde. Dabei vertrockneten die Queichwiesen, die Grundwasserstände fielen. Die Bauern hingegen wässerten ihre Felder, als gebe es das alles nicht. „Die Landwirte mit Brunnen auf ihren Äckern verdienen sich eine goldene Nase, weil sie nichts für das Wasser zahlen müssen.“ Der Lustadter ist deshalb für die Einführung des Wassercents. Die Gestaltung hält er aber für problematisch. Der Grund: Bei vielen Brunnen liege die genehmigte Entnahmemenge unter zehn Millionen Litern pro Jahr. Heißt: Nur ganz wenige Bauern kämen über die Marke, ab der sie zahlen müssten.

Die zuständige Wasserbehörde ist die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd in Neustadt. Wie diese auf Anfrage der RHEINPFALZ mitteilt, gibt es in ihrem Bereich rund 2500 Brunnen zur Feldberegnung. Für die Südpfalz sei im vergangenen Jahr insgesamt eine Entnahmemenge von elf Millionen Kubikmeter genehmigt worden. Die Behörde betont, sie habe bisher keine Manipulationen an Zählern von Brunnen feststellen können, gegen einzelne Landwirte seien aber in den vergangene Jahren Verfahren eingeleitet worden, weil diese mehr Wasser abgezapft hätten als genehmigt. Die SGD sieht in einer nachhaltigen Lösung für den Wasserstreit aber nicht die Ausweitung von Kontrollen, sondern die Gründung eines Beregnungsverbands für die Südpfalz.

Bauernvertreter: Wasser aus dem Rhein nehmen

In diese Kerbe schlägt auch Johannes Zehfuß. Der Landwirt aus Böhl-Iggelheim ist nicht nur Vizepräsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Pfalz Süd, sondern kümmert sich als CDU-Landtagsabgeordneter auch auf politischer Ebene um das Thema. „Für mich liegt die Zukunft der südpfälzischen Landwirtschaft in zentralen Strukturen, also in einem Beregnungsverband wie in der Vorderpfalz. Das heißt: keine Beregnung mehr aus Einzelbrunnen, sondern mit Wasser aus dem Altrhein“, so der 64-Jährige.

Jedem müsse klar sein, dass die Gemüseproduktion ohne Beregnung undenkbar sei. Und es könne doch keiner wollen, dass die regionale Landwirtschaft den Bach runtergehe. Denn dann würde Obst und Gemüse ausschließlich importiert. Er sträube sich aber nicht grundsätzlich gegen einen Wassercent. Doch das Ziel müsse eben sein, die Wasserbeschaffung zentral zu organisieren. Nur so könnten den Landwirten stabile Wasserpreise geboten und gleichzeitig sichergestellt werden, dass es eine Einheit gäbe, die über den ordnungsgemäßen Umgang mit der Ressource wachen würde und dafür auch die Verantwortung trüge. Eine solche Infrastruktur würde aber zwischen 50 und 60 Millionen Euro kosten, das könnten die Bauern nicht allein schultern. Dazu bräuchte es Hilfe der öffentlichen Hand. „Es geht immerhin um die Sicherung unserer Lebensmittelproduktion“, sagt Zehfuß.

x