Glosse
Ein Hoch auf die Dorfkneipen
Die rheinland-pfälzische SPD verspricht in ihrem Wahlprogramm, die Dorfwirtschaften zu retten. Sogar ziemlich prominent unter Punkt 5: „Dörfer und Stadtteile brauchen Orte der Begegnung, daraus entsteht Lebensqualität und Heimatliebe. Mit dem Programm ,Wir lassen die Kneipe im Dorf’ stärkt die SPD Rheinland-Pfalz gezielt solche sozialen Treffpunkte.“
Unmittelbar danach folgt das Versprechen, den Führerschein für junge Leute billiger zu machen. Skeptiker könnten einwenden, dass Dorfkneipen und Führerschein nicht immer traut miteinander harmonieren. Oder dass man ohne Führerschein notgedrungen vor Ort im „Zur schönen Aussicht“, dem „Rebstock“ oder „Bei Helga“ einkehren muss, wenn man nicht daheim versauern will. Letzteres ist übrigens eine Mainzer Kultkneipe, die der Fasnachtssänger Hollebutz in seinem diesjährigen Kampagnenhit „Geh ma wieder bei die Helga“ besungen hat. War in der Fernsehsitzung zu hören. Wie durch ein Wunder hat die Saalkamera passend dazu auch den Ministerpräsidenten mit der Wirtin eingefangen. Zufälle gibt’s aber auch!
Kein Glas für den Landesvater
Wir müssen der SPD nur anlasten, dass sie merkwürdig unkonkret bei ihrem Wahlversprechen bleibt. Kein Wort dazu, wie sie es mit Leben füllen will. Die Mehrwertsteuer von 19 Prozent auf Getränke wird sie nicht reduzieren können, das ist Bundessache. Die Große Koalition hat bisher allerdings nur den Mehrwertsteuersatz auf Schnitzel und Co. gesenkt.
Das Foto des Landesvaters auf den Wahlplakaten nährt den Verdacht, dass auch Schweitzer nicht unbedingt ans Kerngeschäft der Dorf- und Eckkneipen denkt, den Ausschank. Da ist kein Pils- und auch kein Schoppenglas zu entdecken, nicht mal ein Kurzer. Gut, der Ministerpräsident will vermutlich nicht als einer rüberkommen, der sich die Lage wenige Wochen vor der Landtagswahl schöntrinken muss. Muss er sich halt drauf beschränken, so tiefgründig zu blicken wie der Tresenphilosoph des Morgens zwischen eins und vier.
Ein Schlüsselbrett muss her
Wie wächst da nun zusammen, was zusammengehört? Wie retten wir die Dorfkneipen und die Führerscheine? Unser Vorschlag: Die Landesregierung fördert Schlüsselbretter für hinter alle Zapfhähne im Land. Da kann der Wirt die Autoschlüssel seiner Gäste dranhängen und schon sind alle Spatzen gefangen: Die Kundschaft wird an den heimischen Zapfhahn gebunden, kann ein Bier mehr trinken, weil sie nicht mehr fahren muss, und zugleich wird ganz geschickt verhindert, dass die Landeszuschüsse zum Führerschein nutzlos verpuffen.