MAINZ RHEINPFALZ Plus Artikel Coronavirus hat Ludwigshafen noch im Griff

Das Coronavirus.
Das Coronavirus.

In weiten Teilen der Pfalz flacht der Anstieg der Infiziertenanzahl ab. Doch es gibt eine Ausnahme, wie der Sechs-Wochen-Vergleich zeigt. Die rheinland-pfälzische Landesregierung wehrt sich gegen Kritik an ihrem Ladenöffnungskonzept. Und die Hochschulen starteten auf ungewohnte Weise ins neue Semester.

In Rheinland-Pfalz wächst die Anzahl der mit dem Coronavirus Infizierten nur noch zweistellig. Und zwar von Samstag auf Sonntag um 91 und von Sonntag auf Montag sogar nur um 18 Personen, wie aus den vom Mainzer Gesundheitsministerium übermittelten Daten hervorgeht. Mit Stand Montag, 10 Uhr, waren danach landesweit 5511 bestätigte Corona-Fälle registriert. Die Anzahl der Verstorbenen erhöhte sich um sieben auf 114.

In der Pfalz sind mittlerweile 22 Menschen am Coronavirus verstorben. Am Montag vor einer Woche waren es noch 15 Todesfälle. Die Anzahl der bekannt gewordenen Infizierten hat sich in der Pfalz von Sonntag bis Montagvormittag nur noch um sieben auf 1799 erhöht. Auch im Wochenvergleich flachte der Anstieg der Infiziertenanzahl fast überall deutlich ab. So wurden etwa in der Stadt Landau und im Kreis Kusel jeweils nur noch drei weitere Infizierte bekannt, in Neustadt waren es vier. Dagegen werden aus Ludwigshafen 48 weitere Corona-Fälle gemeldet. Und während in allen übrigen 15 pfälzischen Landkreisen und kreisfreien Städten deutlich mehr als 50 Prozent der Infizierten als genesen eingestuft werden, liegt Ludwigshafen noch unter der 50-Prozent-Schwelle.

Einkaufszentren aus Gründen der Gleichberechtigung geöffnet

Die rheinland-pfälzische Landesregierung hat die im Land geltenden Lockerungen für bestimmte Läden in der Corona-Krise gegen Kritik verteidigt. Rheinland-Pfalz habe sich aus Gründen der Gleichbehandlung entschieden, allen Geschäften einen Verkauf auf bis zu 800 Quadratmetern zu ermöglichen, um das rechtliche Risiko der Grundrechtseingriffe durch die vierte Corona-Bekämpfungsverordnung zu minimieren, teilte ein Regierungssprecher auf Anfrage mit.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte die Diskussion über weitergehende Lockerungen scharf kritisiert. Nach Informationen aus Teilnehmerkreisen machte sie in einer Schaltkonferenz des CDU-Präsidiums deutlich, wie unzufrieden sie sei, dass die Botschaft vorsichtiger Lockerungen in einigen Ländern zu „Öffnungsdiskussionsorgien“ geführt habe. Dies erhöhe das Risiko eines Rückfalls sehr stark. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner kritisierten nach Teilnehmerangaben etwa das Vorgehen in Rheinland-Pfalz, wo Zoos und Shopping-Malls unter Auflagen wieder öffnen konnten.

Aus der Mainzer Staatskanzlei hieß es weiter, Geschäfte in Outlet-Centern wie in Zweibrücken oder in Malls seien rechtlich selbstständig zu betrachten und deshalb auch der Grenze von 800 Quadratmeter zu unterwerfen. „Dies betrifft auch Einkaufszentren in den Städten.“ Rheinland-Pfalz habe sich sehr eng an die von Merkel und den Länderchefs gefassten Beschlüsse gehalten und beispielsweise nicht wie Nordrhein-Westfalen Möbelhäuser separat öffnen lassen.

Hochschulen starten eine Woche später ins Sommersemester

Die rheinland-pfälzischen Hochschulen sind am Montag wegen der coronabedingten Einschränkungen digital ins Sommersemester gestartet. Ihre Lehre haben sie dabei fast vollständig auf digitale Formate umgestellt, wie das Wissenschaftsministerium mitteilte. Wann bestimmte Veranstaltungen mit hohem Praxisanteil, etwa in Laboren oder im künstlerischen und sportlichen Bereich wieder auf dem Campus stattfinden können, prüfen einige Hochschulen wie die Universitäten Mainz und Trier bereits. Die Hochschulen waren im Zuge der Corona-Krise in eine Art Notbetrieb übergegangen. Der Start des Sommersemesters 2020 war wegen der Covid-19-Pandemie vom 14. auf den 20. April verschoben worden.

Lehrer: Öffnung der Grundschulen derzeit nicht zu verantworten

Der Lehrerverband Bildung und Erziehung (VBE) stellt sich gegen Pläne des Mainzer Bildungsministeriums, in zwei Wochen den Schulunterricht auch für Viertklässler an Grundschulen wiederaufzunehmen. Für eine Öffnung der Grundschulen könne derzeit „niemand die Verantwortung übernehmen“, warnte der Landesvorsitzende Gerald Bold am Montag. Die Erfahrungen mit der in den vergangenen Wochen angebotenen Notbetreuung zeige, dass auch bei einer geringen Schüleranzahl die Einhaltung von Sicherheitsabständen nicht garantiert werden könne. „Zehnjährige sind immer noch Kinder und keine kleinen Erwachsenen, von denen man rationales Handeln erwarten könnte“, sagte Bold. Die unsichtbare Gefahr durch das Coronavirus könnten Kinder im Grundschulalter noch nicht richtig einschätzen. Neben dem Aufenthalt im Schulgebäude sei auch der Schulweg zu riskant, egal, ob die Kinder Schulbusse und Bahnen benutzen oder mit Freunden zusammen zu Fuß unterwegs sind.

Land will Zoos und Tierparks unterstützen

Geld vom Land können jetzt auch Zoos und Tierparks beantragen. Das hat Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) angekündigt. Die Zoos und Tierparks waren einen Monat lang geschlossen. Seit Montag dürfen sie ihre Freigelände wieder für Besucher öffnen, wenn sie für die Einhaltung der Hygienevorschriften sorgen. Den rund 30 Zoos und Tierparks will das Land für die Zeit ohne Besucher und Einnahmen nun 80 Prozent der Futter- und Tierarztkosten erstatten. Die rund 80 Tierheime und Tierpflegeeinrichtungen im Land sollen ebenso unterstützt werden. Höfken rechnet mit etwa einer Million Euro an Ausgaben für die Landeskasse.

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