BAD DÜRKHEIM / MAINZ RHEINPFALZ Plus Artikel Coronavirus: Frühe Fälle lösen viele Infektionen aus

Auf einem ehemaligen Aldi-Gelände in Neustadt wurde das erste Corona-Testzentrum in Rheinland-Pfalz eingerichtet.
Auf einem ehemaligen Aldi-Gelände in Neustadt wurde das erste Corona-Testzentrum in Rheinland-Pfalz eingerichtet.

Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld antwortet auf die Frage, warum es in seinem Landkreis Bad Dürkheim so viele Corona-Patienten gibt. In Rheinland-Pfalz hat die Anzahl der Infizierten am Mittwoch die 3000er-Marke übersprungen. Warum Nachrichten aus einigen Gesundheitsämtern dennoch Hoffnung wecken.

Täglich vermelden die Gesundheitsämter in der Pfalz steigende Zahlen von Menschen, die an Covid-19 erkrankt sind. Pfalzweit die meisten Infektionen gibt es im Kreis Bad Dürkheim: Seit Ausbruch der Pandemie wurden dort 179 Fälle nachgewiesen. Zwei Menschen starben am Virus. Allerdings sind die gemeldeten Zahlen nur bedingt vergleichbar. Unter anderem, weil die Testcenter in Städten und Kreisen zu unterschiedlichen Zeitpunkten die Arbeit aufgenommen haben: „Nur wo getestet wird, können auch Infektionen festgestellt werden“, betonte der Dürkheimer Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU) im RHEINPFALZ-Gespräch. Das Testcenter in Neustadt, das auch Bürgern des Landkreises offen steht, nahm als erstes im Land die Arbeit auf.

Seit Kurzem gibt es in Grünstadt ein zweites Testzentrum im Kreis. Dies sei auch sinnvoll, sagte die Leiterin des Gesundheitsamts für den Kreis Bad Dürkheim und die Stadt Neustadt, Silke Basenach: „Wir wollen ja wissen, wo wir stehen, und wir müssen Infizierte in Quarantäne schicken, um eine Ausbreitung des Virus einzudämmen.“

Viele Rückkehrer aus Skigebieten unter den Infizierten

Bei der Gesamtzahl der Infektionen im Kreis habe sicher auch eine Rolle gespielt, dass es in Wachenheim einen frühen Fall einer an Covid-19 erkrankten Frau gegeben habe, so Ihlenfeld. Daraufhin sei die Kindertagesstätte geschlossen worden, nach einem Fall im Kollegium der Integrierten Gesamtschule Deidesheim-Wachenheim auch der Wachenheimer IGS-Standort sowie die Grundschule. Dennoch ziehe jeder Fall weitere Infektionen nach sich, so Ihlenfeld. Zudem habe sich gezeigt, dass unter den Infizierten im Kreis viele Rückkehrer aus den Skigebieten gewesen seien. An einen Zusammenhang der Fallzahlen im Kreis mit den Weinbergnächten in Bad Dürkheim Anfang März oder den Menschenansammlungen in Gimmeldingen trotz des abgesagten Mandelblütenfests eine Woche später glaube er nicht, so Ihlenfeld. Allerdings sei das statistisch kaum zu erfassen, zumal viele Besucher von außerhalb gekommen seien.

Die Anzahl der Infizierten im Land steigt um 197 Patienten

Landesweit ist die Anzahl der bekannt gewordenen Infizierten bis Mittwochvormittag auf 3036 Patienten gestiegen, meldete das Mainzer Gesundheitsministerium. Das sind 197 Personen mehr als am Dienstag. Die Anzahl der Todesopfer erhöhte sich landesweit von 22 auf 25.

In der Pfalz ist bis Mittwochvormittag zwar kein neuer Todesfall bekannt geworden. Allerdings hat nun auch der Kreis Südwestpfalz die Zählweise des Mainzer Gesundheitsministeriums übernommen, das sich auf das Robert-Koch-Institut beruft. Als Konsequenz werden auf der Internetseite des Kreises seit Dienstag zwei Corona-Todesopfer für die Südwestpfalz genannt. Damit ist in der Pfalz von acht Corona-Toten auszugehen. Zum Verständnis: Am Sonntag war bekannt geworden, dass eine Person in der Südwestpfalz verstorben war, die zwar infiziert war, aber laut dem Gesundheitsamt des Kreises einer anderen Todesursache zum Opfer gefallen war. Nun wird auch dieser Fall zu den Corona-Toten gezählt. Außerdem war am Montag ein 85-Jähriger aus dem Kreis dem Virus erlegen.

Die Anzahl der in der Pfalz bekannt gewordenen Infizierten erhöhte sich bis Mittwochvormittag um 103 auf 959 Patienten. Nicht alle der acht Pfälzer Gesundheitsämter beantworten die Frage, wie viele von diesen Erkrankten inzwischen als geheilt eingestuft sind. Der Grund: Die Erhebung dieser Zahlen ist nicht vorgeschrieben, und angesichts ihrer derzeitigen Belastung sehen sich manche Behörden dazu nicht in der Lage.

Nicht nur die Anzahl der Infizierten steigt

Aber auch so wird anhand einiger Beispiele deutlich, dass keineswegs nur die Anzahl der Infizierten stetig steigt. Bereits am Dienstag meldete das Gesundheitsamt des besonders gebeutelten Landkreises Bad Dürkheim, dass mittlerweile 54 Patienten aus dem Kreis und 21 aus der Stadt Neustadt als geheilt eingestuft werden. Zum Vergleich: Am Dienstag war die Anzahl der Infizierten im Kreis auf 170 Personen geklettert. In dieser Zahl sind auch die 54 Genesenen des Kreises enthalten. Das Gesundheitsamt des Landkreises Germersheim informierte am Mittwoch, dass inzwischen 21 Corona-Patienten nach Tests als geheilt gelten. Das Gesundheitsamt in Landau teilte mit, dass insgesamt 34 Erkrankte aus dem Kreis Südliche Weinstraße und der Stadt Landau wieder gesund seien.

Asyl-Sammelunterkunft unter Quarantäne gestellt

Die Stadt Ludwigshafen hat am Mittwoch die Bewohner einer Sammelunterkunft für Asylsuchende im Stadtteil Oggersheim unter Quarantäne gestellt. Zwei Bewohner waren positiv auf das Virus getestet worden. Da die Bewohner in der Unterkunft Gemeinschaftseinrichtungen nutzen oder sich Räume teilen, musste Quarantäne für alle angeordnet werden, begründete die Stadt die Maßnahme. Die Versorgung mit Lebensmitteln werde gewährleistet. In der Unterkunft sind 171 Männer auf engem Raum untergebracht.

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