Speyer Corona-Krise: Noch strengere Regeln für Online-Gottesdienste
Nahezu menschenleer war die Kirche, als Bischof Karl-Heinz Wiesemann am Mittwoch im südwestpfälzischen Pilgerort Maria Rosenberg (Waldfischbach-Burgalben) die Messe feierte: Im Kirchenschiff stand ein junger Musiker, der Keyboard-Spiel und Gesang beisteuerte. Und in einer Kirchenbank saß der vor Ort zuständige Wallfahrtspfarrer, der nach den Gebeten seines Oberhirten das „Amen“ sprach. Doch ob das überhaupt noch erlaubt ist, wusste in dem Moment niemand so recht zu sagen.
Land verbietet „Zusammenkünfte“ in Kirchen
Denn trotz Minimal-Besetzung waren für diesen katholischen Gottesdienst ja mindestens drei Personen zusammengekommen. „Zusammenkünfte“ in Kirchen allerdings hatte das Land am Abend zuvor verboten. Und auch die Diözese Speyer hatte etwa gleichzeitig eine Dienstanweisung erlassen, in der steht: Ob mit oder ohne Übertragung, die Priester sollen ab sofort täglich die Messe feiern. Aber „alleine d. h. ohne Beteiligung von Gläubigen, Ministranten etc.“ – eine Idee, die für Protestanten absurd wirken kann.
Denn evangelische Gottesdienste sind vor allem dazu da, dass den Gläubigen gepredigt wird. Was schwerlich geht, wenn nur der Prediger da ist. Bei den Katholiken hingegen ist die Grundidee eher, dass die Mitfeiernden gemeinsam Gott verehren. Und als Stellvertreter seiner Gemeinde kann das der Geistliche zur Not auch alleine tun. Doch damit die Gläubigen wenigstens virtuell dabei sind, haben Pfälzer Priester nach dem kirchlichen Verbot öffentlicher Gottesdienste in der Vorwoche schon am vergangenen Sonntag Messen online übertragen.
Ökumenische Andacht am Samstag
Und protestantische Pfarrer gehen jetzt ebenfalls mit Live-Übertragungen online, um in der Corona-Krise Zuspruch zu spenden und den Zusammenhalt zu stärken. Am Samstagabend wollen der evangelische Kirchenpräsident Christian Schad und Bischof Wiesemann das auch gemeinsam tun: mit einer ökumenischen Andacht, die um 18 Uhr übertragen wird. Und mittlerweile ist auch genauer abgeklärt, ob so etwas überhaupt noch legal ist. Denn das Land hat am Freitagabend seine Vorgaben präzisiert.
Bis zu fünf Menschen dürfen demnach anwesend sein, wenn in einer verschlossenen Kirche ein Gottesdienst gefeiert wird. Damit gilt von staatlicher Seite, was sich die Pfälzer Landeskirche inzwischen auch selbst vorgeschrieben hat. Die katholische Diözese wiederum ist noch strenger: Neben dem Geistlichen dürfen zwar nun doch auch Helfer im Raum sein, aber die Obergrenze liegt bei insgesamt nur vier Leuten. Womit manche Priester ihre Online-Messe zum Beispiel mit weniger Sängern feiern müssen als am vorherigen Sonntag.
Ausnahme für Klöster
Eine Ausnahme gilt nur für Klöster: Nachdem die Ordensleute dort ohnehin zusammen wohnen, dürfen sie auch beim Gottesdienste zusammenbleiben. Aber nur, wenn kein Außenstehender dabei ist.