Mallorca RHEINPFALZ Plus Artikel Schlangenalarm am Ballermann

Eine Hufeisennatter schwimmt vor der Küste Ibizas im Meer.
Eine Hufeisennatter schwimmt vor der Küste Ibizas im Meer.

Die spanischen Urlaubsinseln erklären Nattern den Krieg. Die eingeschleppte Art ist ein ökologisches Problem

Die Schlangenplage auf den Balearischen Inseln hat jetzt sogar den „Ballermann“ erreicht. Ausgerechnet dort, wo sonst Badelatschen, Sonnencreme und Sangria-Eimer zum festen Strandbild gehören, sorgte dieser Tage eine Hufeisennatter für Aufregung. Am berühmten Strand Playa de Palma auf Mallorca, zwischen Balneario 9 und 10, kam das Tier aus dem Meer und erschreckte die Badegäste.

Hufeisennattern sind nicht giftig, sie lauern auch nicht gezielt Menschen auf. Wer sie allerdings bedrängt, hochhebt oder mit dem Handtuch vertreiben will, kann gebissen werden. Lebensgefährlich ist das normalerweise nicht, unangenehm aber durchaus. Die wichtigste Regel lautet deshalb: nicht anfassen, nicht für ein Selfie näher ran, sondern die Behörden alarmieren.

Auf Mallorcas Nachbarinseln Ibiza und Formentera ist aus einzelnen Reptilien längst eine ökologische Krise geworden. Dort breiten sich eingeschleppte Nattern seit Jahren bedenklich aus.

Insbesondere die Hufeisennatter hat sich auf Ibiza breitgemacht. Forscher berichten von Exemplaren von bis zu zwei Metern Länge. Auf Formentera macht den Behörden vor allem die Treppennatter zu schaffen. Beide Arten gelten für Menschen nicht als gefährlich.

Die eigentliche Gefahr betrifft nicht den Urlauber am Strand. Sie betrifft ein kleines Tier, das viele Ibiza- und Formentera-Besucher schon gesehen haben: die Pityusen-Eidechse. Sie huscht über Felsen, sonnt sich auf Steinmauern, blitzt blaugrün zwischen Piniennadeln hervor und wirkt oft ziemlich zutraulich.

Eidechsen könnten ganz verschwinden

Auf den 40 kleinen Inselchen rund um Ibiza und Formentera haben sich über Jahrtausende eigene Eidechsen-Populationen entwickelt. Für Biologen sind diese Tierchen ein Schatz. Für die Inseln sind sie ein Symbol. Für die Schlangen sind sie Futter und die Folgen sind verheerend. Nach Angaben des spanischen Forschungszentrums Creaf ist die Hufeisennatter inzwischen auf mehr als 90 Prozent von Ibizas Inselfläche verbreitet. Die Pityusen-Eidechse habe dadurch einen drastischen Rückgang erlitten und könne bald vollständig von der Insel verschwinden, warnt das Forschungsteam.

Das ist nicht nur schade fürs Postkartenmotiv. Die Eidechsen fressen Insekten, verbreiten Samen und helfen bei der Bestäubung. Für das Ökosystem ist das kleine Tier wichtiger, als es auf den ersten Blick scheint.

Besonders beunruhigend ist: Selbst das Meer hält die Nattern nicht auf. Sie können kürzere Strecken schwimmen, wie das Creaf-Team dokumentierte. Dass sich die Schlangen ins Meer wagen, erklären die Forscher mit Nahrungsknappheit. Mit anderen Worten: Die Tiere haben Hunger. Wenn die Schlangen in einem Gebiet kaum noch Beute finden, ziehen sie weiter.

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