Panorama Rosa Zone für Drogendealer
«Berlin.» Hinweise für feierfreudige Berlin-Touristen auf den „Görli“ gibt es inzwischen in beinahe jedem Reiseführer. So liebevoll nennen auch die meisten Anwohner den Görlitzer Park, die große Grünfläche im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, immer noch – trotz eines denkbar schlechten, weil kriminellen Rufs. Tatsächlich beginnt der offensive Drogenhandel bereits, wenn man die Treppen des U-Bahnhofs Görlitzer Bahnhof hinabsteigt. „Wanna weed, wanna coca?“, heißt es auf dem Weg bis zum Parkeingang immer wieder. Das Problem ist seit vielen Jahren bekannt. Daran haben weder die Null-Toleranz-Strategie früherer CDU-Innensenatoren noch die zahlreichen Polizeikontrollen (im April gab es 39) unter dem aktuellen SPD-Amtsinhaber etwas geändert. Denn die Dealer, darunter viele Flüchtlinge aus Afrika, lassen sich von den Razzien kaum beeindrucken. Entweder sie werfen den Stoff rechtzeitig weg oder haben nur Kleinstmengen für den so genannten Eigenbedarf dabei; ein Platzverweis oder eine Geldstrafe wegen Residenzpflichtvergehens sind bei den Kontrollen die Regel. Der Park gilt längst als einer der größten Umschlagplätze für Cannabis in Europa und ist zugleich ein Kriminalitätsschwerpunkt der Hauptstadt: Zahlreiche Raubtaten und Diebstähle sowie 182 Körperverletzungen im vergangenen Jahr belegen das. Seriöse Schätzungen gehen von 100 bis 150 Dealern aus; Anwohner fürchten, dass es inzwischen über 250 illegale Anbieter sind. So hat sich das Gelände trotz Bolz- und Spielplätzen, Kinderbauernhof und Aussichtshügel in einen Party- und Drogen-Park verwandelt, der den Einheimischen immer fremder wird. Damit sich die Parkbesucher nicht von Dealerspalieren bedrängt fühlen, hat Parkmanager Cengiz Demirci jetzt zur Probe am Eingang rosafarbene Rechtecke auf den Boden gesprüht. So sollen nach seiner Vorstellung Stellen auf den Gehwegen im gesamten Gelände markiert werden, an denen die Rauschgifthändler stehen sollen. Sein Vorgehen habe rein praktische Gründe und solle keineswegs eine Legalisierung des Drogenhandels bedeuten, erklärte er im Fernsehen. Mit seinem Vorschlag hat Demirci allerdings eine Welle der Empörung ausgelöst. Mit dieser Zuweisungspraxis wandele das Bezirksamt den Park jetzt offiziell in einen Drogenmarkt um, erklärte Oppositionschef Burkard Dregger (CDU), der darin eine Einladung zum Rechtsbruch sieht. Marlene Mortler (CSU), die Bundes-Drogenbeauftragte, sprach von einer „Kapitulation des Rechtsstaates“. Ob diese markierten Zonen allerdings tatsächlich kommen, ist vollkommen offen. In einer Presseerklärung verwies Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) gestern darauf, dass der Vorstoß Demircis nicht mit dem Bezirksamt abgestimmt sei und zunächst einmal gut bedacht werden sollte. Sara Lühmann, die Sprecherin des Bezirks, erklärte gegenüber der RHEINPFALZ, dass es die Aufgabe des Parkmanagers sei, Lösungen für Interessenkonflikte im Park zu finden. Nicht die Bezirkschefin, sondern die zuständigen Gremien würden darüber erst einmal entscheiden. Gemeint ist der Parkrat, ein regelmäßig tagendes Bürgerbeteiligungsgremium. Als Mitte der 80er auch der Güterzugverkehr zum früheren Görlitzer Bahnhof eingestellt wurde, waren es die Anwohner, die das Gelände als Naherholungsgebiet im dicht bebauten Kiez entdeckten und entwickelten. Heute sind es häufig die Alternativen von einst, die die Polizei wegen des Drogenhandels und anderer krimineller Aktivitäten alarmieren. Unter den Bezirksstadträten seien die rosaroten Probestriche bislang nicht diskutiert worden, fügte Sara Lühmann noch hinzu. „Da gibt es weitaus wichtigere Themen im Bezirk.“