Panorama RHEINPFALZ Plus Artikel Perfekte Kulisse: Wo Instagram-Influencer ihre Fotos schießen

StaffageDas Cali Dreams Museum in Düsseldorf ist kein herkömmliches Museum, sondern eine Ansammlung begehbarer Foto-Kulisse für
StaffageDas Cali Dreams Museum in Düsseldorf ist kein herkömmliches Museum, sondern eine Ansammlung begehbarer Foto-Kulisse für die perfekte Selbstinszenierung: Bällebad und Limo-Stand, American Diner und Chinatown. Made for Instagram, wie die Macher selbst betonen. Foto: ura

Pop-up-Museen wie das Cali Dreams in Düsseldorf bieten kitschige Kulissen für Selfie-Verliebte und Möchtegern-Influencer, die auf Instagram glänzen wollen. Wer man ist, ist zweitrangig, es zählt allein, wie man sich inszeniert. Beobachtungen.

I’m perfect the way I am“ – „Ich bin perfekt, so wie ich bin“, steht auf einer neongelben Wand in knallpinken Lettern geschrieben. Cali Dreams lädt seine Besucher zum Tagträumen ein – ob auf einem pinkfarbenen Cadillac, am goldenen Muscle Beach oder auf dem Rücken eines Einhorns um die Welt reitend – alles ist möglich im Cali Dreams.

Die Welt im Softfarbenrausch: Rosa und Pink, so weit das Auge reicht. Schon in der Eingangshalle. Dazwischen etwas Gelb und Mint. Alles unterlegt mit fortwährend guter Laune. „Habt einfach einen schönen Tag bei uns“, sagt Mike Naseband. „Das wollen wir unseren Besuchern vermitteln.“ Naseband ist einer der Gründer des Cali Dreams und kommt aus der Marketingbranche: „Nach einem gemeinsamen Roadtrip von L.A. nach San Francisco wollten mein Partner Kevin Kock und ich den kalifornischen Vibe nach Düsseldorf, in unsere Heimatstadt, bringen. Und ich denke, da haben wir einen Nerv getroffen. Das ist einfach der momentane Zeitgeist, den wir hier abbilden.“

Klickkulisse für den Zeitgeist

Wenn man so will, kann bereits die kurze Realisierungsdauer als Indiz dafür herhalten, dass die Macher von Cali Dreams oder auch die des Supercandy in Köln einen Nerv getroffen haben: Zwei Monate und eine Viertelmillion Euro durch einen Privatinvestor nach der spontanen Eingebung präsentiert sich das Cali Dreams pompös mit einem Eintrittspreis von 29 Euro für zwei Stunden.

Den kalifornischen „Vibe“, also das Lebensgefühl oder die Westküstenatmosphäre mit Sommer, Sonne, Sand und Fun sollen Limo-Stände symbolisieren, Wände voller eingetopfter Sukkulenten oder rosa Blüten, die Innenausstattung eines Diners oder ein nachgestellter Proberaum einer Band.

Selfies macht kaum jemand, die meisten Besucher haben einen professionellen Fotografen im Schlepptau, der sie durch die 35 begehbaren Foto-Areas auf 1500 Quadratmetern begleitet und jeden Moment einfängt: in der Badewanne voller Quietsche-Enten, in Chinatown oder im rosa Bällebad. Hunderte Fotos kommen so zusammen, Selfie-Sticks und Powerbanks können ausgeliehen werden, Umkleidekabinen für den Outfitwechsel und Schminktische gibt es auch. Überall stehen Schalen mit knallbunten Fruchtgummis.

Eher Profi-Fotos als Selfies

Der erste Raum empfängt mit einer gigantischen Blumenwand und zwei Schwänen, die ein Herz formen. Es folgen knallig bunte Fantasielocations, eine Rauminstallation des lokalen Künstlers und Kommunikationsdesigners Vincent Tups und das „City of Angels“-Motiv vom Sprayer Flo Kramer. „Das Museumsfeeling erzeugen wir durch die Werke unserer Künstler, die an den Räumen mitgewirkt haben und durch das ausgefallene Design“, schwärmt Naseband. Stephanie Dale, Grafikdesignerin aus Los Angeles, hat die Fotomotive konzipiert und dabei vor allem auf Farben gesetzt, die die Outfits der Besucher hervorheben sollen.

„Ich nenne uns ganz gern future museum. Denn wir sind mehr als ein Fotostudio“, erläutert Naseband, warum seine bunte Kulissensammlung den Zusatz „Museum“ im Namen trägt. Und was ist mit der Oberflächlichkeit? „Die empfinden wir mehr als eine allgemeine Kritik an Instagram“, meint Naseband, die angebliche Kritik gleichwohl versilbernd.

Neue Zielgruppe: „ganz normale Leute“

„Die Resonanz ist durchweg positiv. An Wochenenden ist es hier immer voll. Es besuchen uns aber nicht nur Influencer. Von Familien mit Kindern bis hin zu Profi-Shootings ist alles dabei. An die 70 Prozent unserer Besucher sind weiblich“, sagt Naseband, der in Zukunft nicht nur Selfie-Süchtige, sondern auch „ganz normale Leute“ anlocken will, betont er, „Leute wie du und ich“. Geht es nach ihm, soll Cali Dreams eine Marke werden: „Wir haben schon unsere eigene Limonade und auch einen Fashion-Artikel, nämlich Socken, herausgebracht. Zurzeit arbeiten wir an einem GIF-Room und wollen auch in andere Städte expandieren.“

Noch ist das Cali Dreams ein Pop-up-Museum, also auf Kurzlebigkeit ausgerichtet. Ursprünglich sollte Ende Januar 2020 Schluss sein. Ob es dennoch weitergeht, soll sich demnächst entscheiden. Weltweit gibt es derzeit rund 15 Angebote dieser Art. Eine Gesellschaft voller Selbstinszenierer hätte da durchaus noch Bedarf.

FassadeCali Dreams-Gründer Mike Naseband zeigt, wie es geht: flippiger Hintergrund, lässige Klamotten, coole Pose, klick. Für Fo
FassadeCali Dreams-Gründer Mike Naseband zeigt, wie es geht: flippiger Hintergrund, lässige Klamotten, coole Pose, klick. Für Fotosüchtige finden sich Kulissen noch und nöcher. Foto: ura
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