Südafrika RHEINPFALZ Plus Artikel Pavianplage: Todesstrafe für Philemon

In Kapstadt sind Paviane eine Plage.
In Kapstadt sind Paviane eine Plage.

Seit Jahren machen Affenhorden die Vororte von Kapstadt in Südafrika unsicher. Den Bewohnern wurde das zu viel, ein besonders wüstes Exemplar musste nun dran glauben. Doch nicht alle sind überzeugt, dass die Beutezüge damit vorbei sind.

Mit Vorverurteilungen muss man in diesem Fall vorsichtig sein. Die Kapstädter haben ein besonders schwieriges Jahr hinter sich: Von aller Welt abgeschnitten fühlen sich die Einwohner der Touristenperle fast unerträglich einsam. Ihr ansonsten unterhaltsames Gastgeberleben ist aufs Rumlungern reduziert, die Nerven liegen blank. Und dann auch noch Philemon! Kein Wunder, dass sie harsch reagierten.

Der Gangster macht schon seit Jahren die Vororte unsicher. Ein Geselle mittleren Alters, der die Nächte mit Seinesgleichen in den Bergen verbringt und sich tagsüber mit seiner Horde über die unten am Meer gelegenen Siedlungen hermacht. Die Bande streift dann durch Küchen, Vorratskammern und räumt Mülleimer aus. Wer sich ihr in den Weg stellt, bekommt bedrohlich lange Zähne zu sehen. Die Rede ist von Pavianen. Philemon stand in besonders schlechtem Ruf: Der Rabauke soll in den vergangenen Monaten mehr als 40 Mal die Siedlungen mit seiner Truppe heimgesucht haben.

Coronavirus als schlagendes Argument

Mike Gibson aus Murdock Valley South hatte schließlich die Nase voll. Er kontaktierte seinen Gemeinderat Simon Liell-Cock, um ihn zum Handeln zu bewegen: Philemon, der Pavian, muss weg! Da man einen Affen auch in Südafrika nicht einfach so umbringen kann, mussten Liell-Cock und Gibson den Amtsweg einschlagen und erst einmal bei der Stadtverwaltung eine Petition einreichen. Zur Begründung ihres Antrags auf die Todesstrafe für Philemon führten die beiden außer der von dem Pavian direkt ausgehenden Gefahr auch seinen schlechten Einfluss auf die anderen Hordenmitglieder an – und spielten schließlich noch ihren Trumpf aus: Philemon könne auch als Überträger des Coronavirus lebensgefährlich werden.

Vor allem Letzteres muss den Stadtvätern und -müttern eingeleuchtet haben. Jedenfalls erklärten sie sich unverzüglich zur Ausschaltung des Störenfrieds bereit. Die Stadtverwaltung gibt bereits stattliche Summen für die Eindämmung der tierischen Gefahr aus. In den durch Paviane bedrohten Stadtteilen wurden hauptamtliche Affenwärter angestellt, die die wüsten Horden in Schach halten sollen. Bei Philemon, der auf Deutsch ganz unpassend „der Freundliche“ heißt, war jedoch jede Mühe vergebens: Er ließ sich partout nicht von seinen Raubzügen abbringen. Also beauftragte die Stadtverwaltung einen „unabhängigen“ Tierarzt, der Philemon mit einem Schuss aus dem Betäubungsgewehr erst ruhigstellte und schließlich um die Ecke brachte.

Sind die Menschen selbst schuld am Problem?

Bei Chantal Luyt schlug die Nachricht von Philemons Tod ein wie „eine Bombe“. Luyt war jahrelang als die vom Stadtrat von Smitswinkel ernannte „Repräsentantin der Pavian-Vorstädte“ tätig und hatte bereits im vergangenen Jahr ein „Attentat“ auf Philemon verhindert. Die Vorstellung, ein einzelner Tunichtgut könne eine ganze Affenbande zu schlechtem Benehmen verführen, sei unter Pavianforschern unhaltbar, sagt Luyt. „Die Überfälle werden nach Philemons Tod unvermindert weitergehen.“ Die Beutezüge seien vielmehr den Siedlungsbewohnern selbst zuzuschreiben: Würden diese ihre Haustüren und Mülleimer besser sichern, wäre es bald vorbei mit den Raubzügen der Affen.

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