Stierkampf
„Nigerianos“ Tod als Fanal
Das Publikum applaudierte, nachdem der Torero Morante de la Puebla in der Arena der nordspanischen Stadt Gijón die beiden Stiere „Feminista“ und „Nigeriano“ mit seinem Degen getötet hatte. „Olé, olé“, riefen die Menschen begeistert als die Stiere blutüberströmt zusammenbrachen. Die Fans trugen den Stiertöter, wie es nach diesen ungleichen Kämpfen üblich ist, auf Schultern aus der Arena.
Tierschutzorganisationen laufen schon lange Sturm gegen diese blutigen Spektakel. Doch nach diesem Stierkampf in Gijón, eine Küstenstadt in der Region Asturien, gingen auch Menschenrechtler und Feministinnen auf die Barrikaden. Sie werfen der Stierkampfbranche vor, den Rassismus und die Diskriminierung von Frauen zu fördern.
Nur noch unblutige Ereignisse in Arena von Gijón
Es sei skandalös, dass die zum Tod verurteilten Kampfbullen auf Namen wie „Feminista“ (auf Deutsch: Feminist) oder „Nigeriano“ (Nigerianer) getauft würden. Auch ein Stier mit dem Namen „Africano“ (Afrikaner) wurde bei dem mehrtägigen Kampffestival in die Arena getrieben und nach dem üblichen blutigen Ritual getötet.
Die Namensaffäre in der Arena Gijóns hatte inzwischen ein Nachspiel: Die sozialistische Bürgermeisterin der 270.000-Einwohner-Stadt, Ana González, kündigt das Ende der Stierkämpfe in der Stadt an. „Eine Stadt wie unsere, die an die Gleichheit von Frauen und Männern glaubt, kann solche Vorfälle nicht zulassen“, sagt sie. Es sei nicht hinnehmbar, dass Stierkämpfe benutzt würden, um Ideologien freien Lauf zu lassen, die nicht im Einklang mit den Menschenrechten stünden. Der Vertrag mit dem Stierkampfveranstalter für die städtische Arena werde nicht verlängert, erklärt González. Künftig werde dieser Veranstaltungsort nur noch für unblutige Ereignisse wie etwa Musikkonzerte genutzt.
Corona setzte Stierkampfbranche zu
Die Bürgermeisterin gibt zu, dass ihre Partei ohnehin das Ende der Stierkämpfe in der Stadt geplant hatte. Doch der jüngste Vorfall habe die Entscheidung beschleunigt. González: „In Gijón gibt es immer mehr Menschen, die diese Kämpfe ablehnen.“ Eine Tendenz, die für ganz Spanien gilt, wo die Anzahl der Stierfiestas seit Jahren kontinuierlich zurückgeht.
Für den spanischen Stierkampfsektor ist die Entscheidung in Gijón ein weiterer Rückschlag. Den Bullenzüchtern und Toreros bläst seit Jahren zunehmend heftiger Wind entgegen. Im Europäischen Parlament wird mittlerweile wegen des wachsenden öffentlichen Drucks der Tierschützer über eine Kürzung der Subventionen für die Stierzüchter diskutiert.
Auch die Corona-Pandemie hat der Branche schwer zugesetzt: Im Jahr 2019 wurden landesweit noch annähernd 1500 Stierkämpfe organisiert. In den vergangenen 18 Monaten konnten wegen der Epidemie, die in Spanien besonders heftig wütet, nur sehr wenige Kämpfe stattfinden. Die meisten der 10.000 Stiere, die in normalen Jahren von Toreros getötet werden, landen deswegen derzeit im Schlachthaus.
Toreros wehren sich
Den Vorwurf des Rassismus weisen die Toreros übrigens zurück: Bei der Namensgebung existiere kein ideologischer Hintergrund. Seit Jahrzehnten würden die Muttertiere ihre Namen an ihre Nachkommen weitergeben, erklärt der prominente spanische Stierkämpfer El Juli. Wenn das Muttertier „Feminista“ heiße, dann bekomme der von ihr geborene Jungbulle automatisch den gleichen Namen. Andere Jungstiere erben zum Beispiel von ihrer Mutter den Namen „Pianista“. So sei die Tradition nun mal, und das werde auch so bleiben, sagt El Juli. Er warf Gijóns Bürgermeisterin „Unkultur“ vor und fordert: „Die Stierkampfkunst muss respektiert werden.“