Stierkampf RHEINPFALZ Plus Artikel Leere Gassen in Pamplona: Corona stoppt die Stierhatz

Morgens in Pamplona: Normalerweise würden zurzeit täglich sechs Stiere durch die Gassen der Stadt gehetzt.
Morgens in Pamplona: Normalerweise würden zurzeit täglich sechs Stiere durch die Gassen der Stadt gehetzt.

Was Tierschützer seit Jahren fordern, hat das Coronavirus geschafft: Wegen des Infektionsrisikos fällt das Stadtfest, bei dem im Juli in Pamplona normalerweise Blut, Schweiß und Alkohol fließen, aus. Doch die Pandemie verstärkt nur den Niedergang des Stierkampfs in Spanien.

So ruhig war es in der nordspanischen Stadt Pamplona lange nicht mehr. In diesen Juli-Tagen findet erstmals seit fast 100 Jahren kein Stiertreiben in den Altstadtgassen statt. Corona bewirkte, was Tierschützern mit ihren Protesten nicht gelang: Das vorläufige Aus des weltberühmten Spektakels, das üblicherweise Hunderttausende Besucher aus dem In- und Ausland anzieht.

Eigentlich sollten am 7. Juli, wie jedes Jahr morgens um acht, die ersten sechs Kampfstiere über das Kopfsteinpflaster der Altstadt zur Arena gehetzt werden. Mehrere tausend meist junge weiß-rot-gekleidete Männer und Frauen rennen dann vor, neben und hinter den Bullen. Für einige der „Mozos“, wie sich die Teilnehmer nennen, ist es das höchste der Gefühle, dicht vor den spitzen Hörnern um ihr Leben zu laufen.

Von Ernest Hemingway verewigt

Doch dieses Jahr rennen weder Stiere noch „Mozos“. Wegen des Infektionsrisikos bei einem Massenereignis, bei dem Schweiß, Blut und viel Alkohol fließen, wurde das archaisch anmutende Spektakel abgesagt.

Regelmäßig werden bei dem lebensgefährlichen Treiben Menschen von den Bullen aufgespießt. 2019 wurden neun Teilnehmer durch Hornstöße schwer verletzt. Manchmal gibt es bei diesem Wahnsinn, der von Ernest Hemingway in seinem Roman „Fiesta“ verewigt wurde, auch Tote. Seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1910 starben mindestens 16 Menschen.

48 tote Bullen

Für die Stiere endet die morgendliche Hatz hingegen immer tödlich: Sie werden am Abend in der Arena zunächst mit Lanzenstichen und Spießen am Rücken verwundet und dann vom Torero mit dem Degen getötet. Da die Stiertreiben an acht aufeinander folgenden Tagen stattfinden, sterben im Laufe der Fiesta 48 Kampfbullen im Sand der Arena.

„Das ist keine Kultur, sondern Tortur“, kritisieren Tierschutzorganisationen wie etwa die internationale Bewegung Peta. Die Tierschützer sehen in der Absage des Festes eine Chance, über ein weniger blutiges Stadtfest nachzudenken, das in Pamplona zu Ehren des Stadtheiligen San Fermín gefeiert wird. In einer Petition an Bürgermeister Enrique Maya fordert Peta: „Bitte ersetzen Sie die Stiertreiben und Stierkämpfe durch andere Aktivitäten, an denen keine Tiere beteiligt sind.“

Arbeitslose Toreros

Doch Maya hat bereits klargemacht, dass 2021 wieder die Stiere durch Pamplona rennen sollen. „Sobald wir können, werden wir unser Fest wieder feiern“, ließ er per Videobotschaft verbreiten. Zur Untermalung dieses Vorsatzes lässt er derzeit das Rathaus nachts rot erstrahlen. Rot wie die Halstücher, mit denen sich die Feiernden in Pamplona schmücken. Und rot, wie das Blut, das bei Stierrennen und -kämpfen fließt.

Doch nicht nur in Pamplona fällt dieses Jahr der Stierkampf aus. Auch in vielen anderen spanischen Städten mit großen Arenen sind die Toreros wegen Corona seit Monaten arbeitslos. Seit Ausbruch der Pandemie in Spanien Mitte März durften keine Stierkämpfe mehr stattfinden. Erst jetzt, im Laufe des Juli, öffnen einige Arenen wieder, wenn auch mit beschränktem Einlass für Besucher.

Auch der König ist lieber beim Fußball

Der Corona-Bann hat die schon länger schwelende Krise verschärft. Denn die Anzahl der Stierkämpfe in Spanien nimmt kontinuierlich ab; in den vergangenen zehn Jahren hat sie sich mehr als halbiert. Immer mehr Arenen schließen, weil die Zuschauer ausbleiben und sich die blutigen Veranstaltungen finanziell nicht mehr lohnen.

Meist stößt der Stierkampf nur noch bei älteren Spaniern auf größere Zustimmung. Dieses Phänomen zeigt sich auch beim Königshaus: Altkönig Juan Carlos (82) jubelt gerne von der Ehrenloge der großen Kampfplätze den Toreros zu. Nachfolger König Felipe (52) sitzt derweil lieber im Fußballstadion.

Und so würde es normalerweise in Pamplona aussehen (Bild von 2019).
Und so würde es normalerweise in Pamplona aussehen (Bild von 2019).
x