Venedig RHEINPFALZ Plus Artikel Jeff Bezos’ Alptraum-Hochzeit

Die Mega-Hochzeit von Jeff Bezos und Lauren Sánchez stößt vielen Venezianern übel auf.
Die Mega-Hochzeit von Jeff Bezos und Lauren Sánchez stößt vielen Venezianern übel auf.

In der Lagunenstadt will der Amazon-Gründer seine Partnerin ehelichen. Für das Spektakel hat er die halbe Stadt gemietet. Doch einige wollen ihm die Party verderben.

Der drittreichste Mann der Welt will sich nicht lumpen lassen. Für seine etwa 250 zumeist illustren Gäste hat Jeff Bezos zwischen dem 24. und 26. Juni nicht nur die fünf exklusivsten Hotels der Lagunenstadt vollständig buchen lassen, sondern sich auch einen Teil der Flotte der privaten Wassertaxis reservieren lassen. In Venedig munkeln einige, dass für die Hochzeitsgesellschaft zeitweise der weltberühmte Markusplatz für Einheimische und andere Normalsterbliche vorübergehend abgeriegelt werden soll. Die geladenen Stargäste könnten in diesem Fall ohne störende Touristen grandiose Selfies schießen.

Erwartet werden zur Hochzeit unter anderem Microsoft-Gründer Bill Gates, Schauspieler Leonardo DiCaprio, die jordanische Königin Rania, die Reality-Sippe von Kim Kardashian, Trump-Tochter Ivanka, der alternde Rockstar Mick Jagger und Pop-Sängerin Katy Perry. Mit letzterer hatte sich Bezos' Braut Lauren Sánchez, eine ehemalige Nachrichtensprecherin und Hubschrauberpilotin, im vergangenen April zusammen mit drei weiteren Promi-Frauen in einer Rakete von Bezos' Raumfahrtfirma in den Orbit schießen lassen. Lady Gaga soll bei der venezianischen Party dem Paar ein Hochzeitsständchen darbieten, heißt es.

„Ausverkauf“ der Stadt beklagt

Die geplante Mega-Hochzeit treibt die Menschen in Venedig um. Ein nicht geringer Teil der Einheimischen stört sich am „Ausverkauf“ ihrer Stadt, und ein Bürgerkomitee mit dem Namen „No Space for Bezos“ hat dem Event den Kampf angesagt. In den vergangenen Tagen wurde die Lagunenstadt mit Anti-Bezos-Flugblättern förmlich tapeziert: „Venedig steht nicht zum Verkauf“, stand darauf zu lesen. Aktivisten haben ein Transparent mit einem roten Kreuz über dem Namen des Milliardärs am Glockenturm der Kirche San Giorgio auf der gleichnamigen Insel gegenüber der Altstadt entrollt.

Es könne nicht angehen, dass den Reichen und Berühmten in Venedig der rote Teppich ausgerollt werde, während die einheimische Bevölkerung seit Jahren unter den Folgen des Übertourimus – insbesondere der extremen Verteuerung von Mieten und Häusern – zu leiden hätte, heißt es. Einem Sprecher des Anti-Hochzeit-Komitees zufolge handelt es sich bei der Person Jeff Bezos zudem um „ein Symbol des Digital-Kapitalismus, der Ausbeutung und der Steueroptimierung“. Auf Instagram schrieb die Gruppe, man habe nicht vor, „die Krümel zusammenzuklauben, die vom Tisch eines Milliardärs fallen“.

Passiver Widerstand geplant

Die Vertreter von „No Space for Bezos“ versichern, dass ihre Proteste gewaltfrei ausfallen werden. Dem Komitee haben sich zahlreiche militante Gruppen angeschlossen, die jahrelang Erfahrungen mit passivem Widerstand gesammelt haben: etwa die Bewegung „No Grandi Navi“, die sich gegen die Kreuzfahrtschiffe in der Lagune wehrt, oder Vertreter der früheren „No-Mose“-Bewegung, also der Gegner des Hochwasserschutz-Systems Mose. „Wir werden dem Hochzeitspaar den Zugang zur Kirche versperren – auf dem Wasser mit unseren Booten und auf dem Land mit unseren Körpern. Und wir werden auch jede Sperrzone durchbrechen, falls solche eingerichtet werden sollten“, betonte Alice Bazzoli vom Anti-Bezos-Komitee gegenüber der Zeitung „Corriere della Sera“.

Das klingt wenig kompromissbereit. Tatsächlich sah sich Stadtpräsident Luigi Brugnaro bereits zu einigen Richtigstellungen genötigt: Es handle sich um eine „private Hochzeitsfeier“, die für die übrigen Besucher Venedigs und für die Bewohner keine Einschränkungen zur Folge hätten, betont Brugnaro. Der parteilose Brugnaro, der einer Mitte-Rechts-Koalition vorsteht, freut sich seit langem über die Millionen-Einnahmen und die Publicity für die Stadt durch die Hochzeit. Auch der Präsident der Region Venetien, Luca Zaia von der rechtspopulistischen Lega, findet die Proteste gegen Bezos „inakzeptabel und eine einzige Schande“. Er wolle, dass der Milliardär und seine künftige Frau in Venedig „mit offenen Armen empfangen werden“, erklärte Zaia.

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