Fotografie RHEINPFALZ Plus Artikel Der Baum als Kunstwerk

Zwischen Borke und Bild: An Saint-Exupérys „Kleinen Prinzen“ erinnert dieses Motiv auf einer Baumrinde.
Zwischen Borke und Bild: An Saint-Exupérys »Kleinen Prinzen« erinnert dieses Motiv auf einer Baumrinde.

Mit seiner Kamera streift Gerhard Reusch durch Wälder und Felder, manchmal wird er auch am Straßenrand fündig. Er fotografiert Baumrinden und verwittertes Altholz und schafft daraus surreale Bildwelten. Für ihn ist die Natur der größte Künstler.

Angefangen hat alles, erzählt der 72-Jährige am Telefon, vor gut 20 Jahren mit einem verwitterten Stück Holz, das er aus einem Gestrüpp in Griechenland zog. Schon seit seiner Kindheit ist Gerhard Reusch mit der Kamera unterwegs, doch als er Baumrinden vor die Linse bekam, war das der Auftakt zu seiner sehr speziellen Sicht auf die Natur. Seither filtert Reusch expressive Landschaften und skurrile Szenen oder Figuren aus dem Holz. Das Besondere daran: Es sind zwar Fotos, aber sie wirken wie Gemälde.

Was sich, unterstützt durch den Zahn der Zeit, durch Wind und Wetter, Flechten und Moose, aus den Baumrinden herauslesen lässt, das erinnert den Fotografen an die Werke moderner Maler wie Emil Nolde, Hans Arp, Max Ernst oder Jean Michel Atlan. Für Reusch ist die Fotografie in erster Linie ein Transportmittel, um Farben und Formen aus den Furchen, Kerben und Rillen der Bäume zu konservieren. Am Computer bearbeitet er die Bilder dann eher sparsam. Er schleppt auch kein umfangreiches Equipment mit sich herum – eine ältere Spiegelreflexkamera und eine neuere Kompaktkamera reichen ihm.

Die Schönheit des Morbiden

Dafür ist das Licht ein wichtiger Partner. In der Frühe und am Abend, wenn das Licht mild ist, schlägt sich der Aschaffenburger ins Unterholz, oft im nahe gelegenen Spessart, manchmal belächelt oder argwöhnisch beobachtet von Joggern und Spaziergängern. „Auch das Morbide hat seine Schönheit“ , findet Reusch. Bäume, die Jahre im Wald liegen, malträtiert und vergammelt; Holz, das in sich zusammenfällt, all das bringe oft Erstaunliches an den Tag, erzählt er.

Kiefern im modrigen Waldbett geben, wenn er mit dem Handfeger die obersten Schuppen von der Rinde abgewedelt hat, eine beeindruckende Farbenpracht frei, schildert Reusch. „Oft wirken sie wie Bilder, die mit kraftvollem Pinselstrich gemalt wurden.“ Platanen, die in einem trockenen Sommer große Borkenlappen abwerfen, liefern dem Fotografen die unterschiedlichsten Motive. Immer wieder beeindrucken ihn auch die kurzen Pflöcke, die als Wellenbrecher am Nordseestrand stehen. Das Salzwasser, das daran und darüber klatscht, greift das Holz an und formt Abdrücke und Spuren, die sich in den Bildern wie Spiralen fortsetzen.

Am heutigen Internationalen Tag des Baumes, der vor 70 Jahren von den Vereinten Nationen beschlossen wurde und der die Bedeutung des Waldes ins Bewusstsein der Menschen heben soll, wird Gerhard Reusch, sofern es das Wetter und ein möglichst mildes Licht erlauben, wieder auf die Suche gehen nach den Kompositionen des Zufalls, die ihm die Natur beschert.

Eine Seelandschaft wie auf einem Bild von Emil Nolde hat der Fotograf unter der äußeren Schicht einer Baumrinde entdeckt.
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Surreal: Assoziationen zu Werken von Max Ernst weckt diese Aufnahme.
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 Oder auch diese.
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Hochhauslandschaft, gefunden auf der Wiese einer Nordsee-Hallig.
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Als wäre Hans Arp am Werk gewesen.
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Hier war Arp ebenfalls.
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