Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Panzerlieferung an die Ukraine: Mehr als nur die Resterampe

Auch im Bundeswehrmuseum stehen sie: Gepardpanzer mit Zwillingskanonen, die Munition des Kalibers 35 mal 228 Millimeter einsetze
Auch im Bundeswehrmuseum stehen sie: Gepardpanzer mit Zwillingskanonen, die Munition des Kalibers 35 mal 228 Millimeter einsetzen.

Bei aller auch begründeten Kritik an der deutschen Panzerlieferung an Kiew – Berlin erweist sich am Ende doch als verlässlicher Nato-Alliierter.

Ja, auf den ersten Blick sieht es so aus, als seien die 50 deutschen Flugabwehrpanzer für die Ukraine nur eine Verlegenheitslösung. Ein System aus den 70er-Jahren, das bei der Bundeswehr seit 2012 ausgemottet ist. Gerät, das sozusagen auf der Resterampe des Rüstungskonzerns Krauss-Maffei Wegmann vor sich hinrostet.

Auch gibt es unter den Nato-Alliierten viel Kopfschütteln ob der Berliner Debatten um das Für und Wider, an Kiew überhaupt schwere Waffen zu liefern. Und doch ist zu konstatieren: Es handelt sich hier wirklich um eine wichtige militärische Fähigkeit, mit der Deutschland die Ukraine ausstattet. Es sei an die Debatte um eine Flugverbotszone erinnert, welche ja die Nato-Führungsmacht USA (zurecht) selber schnell beendete: Die Ukraine hat der russischen Luftwaffe zu wenig entgegenzusetzen, und das kann sich mit Geparden ein Stück weit ändern.

Die Gepardpanzer sind ein Signal der Abschreckung

Recht haben die Kritiker mit dem Einwand, dass unklar bleibt, woher genau die Munition kommen soll, vor allem genügend davon. Und natürlich ist die Ausbildung gerade an einem Luftabwehrsystem komplex. Berlin bekennt sich aber unmissverständlich dazu, dafür zu sorgen, dass eben nicht nur Panzer geliefert werden. Die Ampel-Regierung, auch das SPD-geführte Verteidigungsministerium, müssen nun eben „abliefern“.

Abgehakt scheint jedenfalls die bis hin zu Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) noch vor wenigen Tagen vertretene Auffassung, schwere Waffen aus Deutschland verböten sich schon deswegen, weil die Ausbildung zu lange dauere. In Fach-Kreisen heißt es nun, ein, zwei Monate könnten für die Grundausbildung reichen.

Die 50 Gepardpanzer kommen zu spät für einen Einsatz in der aktuellen und wohl vorentscheidenden russische Offensive im Donbass. Sie sind aber eine gewichtige Investition in die künftige Wehrfähigkeit der Ukraine, und zwar – geschätzt – mindestens im hohen zweistelligen Millionenbereich. Berlins Bereitschaft dazu ist ein unmissverständliches Signal der Abschreckung. Beendet der Kreml den Krieg nicht bald, muss er damit rechnen, dass auch andere schwere Waffen wie Leopard-Panzer kein Tabu mehr sind.

x