Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Kommentar: Raus aus dem Dopaminrausch

Internetriesen wie Google, Facebook oder Twitter sammeln massenhaft Daten über ihre Nutzer, werten sie aus, um dann passende Inh
Internetriesen wie Google, Facebook oder Twitter sammeln massenhaft Daten über ihre Nutzer, werten sie aus, um dann passende Inhalte zu generieren, die uns aufs Display starren lassen.

Soziale Netzwerke halten uns am Handy und am Bildschirm – auch mit Mechanismen, die süchtig machen. Offline gehen muss man deshalb aber nicht.

Dass die Startseite bei Facebook kein Ende findet, ist kein Zufall. Die kleinen Zahlen an App-Symbolen auf dem Handy, die signalisieren, dass neue Nachrichten eingegangen sind, sind es auch nicht. Google, Facebook und Co. wissen ganz genau, was sie tun müssen, damit wir möglichst lange auf den Bildschirm starren: Sie bedienen unsere Neugier – und gaukeln uns die Erfüllung wichtiger menschlicher Grundbedürfnisse vor: nach Nähe, nach Austausch, nach Gemeinschaft. So lösen sie im Gehirn Belohnungsreize aus: Im Dopaminrausch klicken wir weiter und weiter.

Ganz neu ist das nicht. Dennoch rüttelt derzeit die Doku „Das Dilemma mit den sozialen Medien“ auf, in der ehemalige Mitarbeiter der Internetriesen berichten, welche suchterzeugenden Mechanismen sie entwickelt haben. Manche Zuschauer wollen nun den sozialen Netzwerken den Rücken kehren. Die Ironie dabei: Die Doku läuft beim Streamingdienst Netflix, bei dem uns ebenfalls Algorithmen überwachen, um passgenaue Serien- und Filmvorschläge zu machen, damit wir noch eine Stunde länger gucken. Oder auch zwei.

Muss man nun als Ausweg aus dem Dilemma gleich ganz offline gehen? Nicht unbedingt. Dass die digitale Technik trotz einiger Schattenseiten auch nützlich ist, hat sich gerade in der Corona-Krise gezeigt: in Schule und Homeoffice und als Weg, kontaktlos Kontakt mit Freunden und Familie zu halten.

Was wir aber brauchen, ist ein bewussterer Umgang in den sozialen Medien, bei Apps, im Netz allgemein. Die Internetriesen werden ihr Geschäftsmodell vorerst nicht ändern, dazu läuft es zu gut. Aber wir können unser Verhalten ändern. Einfach mal zählen, wie oft man am Tag aufs Handy schaut. Das Telefon in der Tasche lassen, wenn man verabredet ist. Nicht alles teilen, was man geschickt bekommt. Hinterfragen, welche Apps man tatsächlich nutzt – und welche Push-Benachrichtigungen man braucht. Denn, mal ganz ehrlich, wie viel von dem, was täglich auf dem Smartphone aufploppt, ist so dringend, dass es nicht warten kann, ist so wichtig, dass man es sofort lesen muss?

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