Meinung
Kinder und das Virus: Omikron kann man nicht aussitzen
Omikron kommt. Und Kinder und Jugendliche sind mit bedroht, da oft ungeimpft. Auch für sie, die bislang so gut wie nie einen schweren Covid-Verlauf hatten, ist die Corona-Mutante wahrscheinlich gefährlicher.
Vor diesem Hintergrund ist unbegreiflich, wie abwiegelnd das Mainzer Bildungsministerium auf die mangelhafte Entlüftung in den Schulen reagiert. Eine Studie zeigt, dass viele Filter zu hohe Aerosollasten in den Klassenzimmern hinterlassen. Hauptgrund: Es wird nur in acht Prozent der Fälle alle 20 Minuten das Fenster aufgemacht; bloß dann bringen die Filter genug. Das Land weist jede Verantwortung von sich. Schließlich seien Landkreise und Kommunen die Schulträger, sollen die es doch richten. Aber: Es sind die Lehrkräfte, die aus welchen Gründen auch immer die Sache nicht konsequent angehen. Und für die Pädagogen und ihre pandemische Disziplin ist nun einmal Mainz zuständig.
Die Stiko wartet zu lange
Omikron deckt noch etwas anderes auf: die Entscheidungsschwäche der Ständigen Impfkommission, der Stiko. Sie schafft es nicht, schnell eine allgemeine Impfempfehlung für alle Kinder auszusprechen, obwohl inzwischen genügend Daten vorliegen, die zeigen, dass die Immunisierung nichts Schlimmes erwarten lässt.
Seltene Fälle von Herzmuskelentzündungen, die es gab, waren fast immer schnell ausgeheilt. Insofern ist das Risiko für Kinder, sich mit Omikron einen schweren Verlauf einzufangen, bald höher, als die Wahrscheinlichkeit, eine Impfkomplikation zu entwickeln. Die großen, verlässlichen Studien zum Thema werden nicht in Deutschland, sondern vor allem in den USA gemacht. Gerade die US-Zulassungsverfahren zählen zu den strengsten der Welt. Warum zaudert dann die Stiko so lange, die Empfehlungen zu übernehmen?
Schon bei den Schwangeren haben die deutschen Experten ähnlich versagt: Obwohl klar war, dass werdende Mütter öfter mit schwerem Covid rechnen müssen und dem Fötus die Spritzen nicht schaden, dauerte es lange Wochen, bis die Stiko sich endlich zum Impfen durchrang. Das hat einige Leben gekostet, sagen Ärzte. Soll das jetzt wieder passieren?
