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Vor dem Schlag: Will Smith und seine Frau Jada Pinkett Smith auf dem roten Teppich vor der Oscar-Verleihung.
Vor dem Schlag: Will Smith und seine Frau Jada Pinkett Smith auf dem roten Teppich vor der Oscar-Verleihung.

Die Ohrfeige von Will Smith ist ein Tiefpunkt der Oscar-Verleihungen. Der Schlag zeigt aber auch, dass Männer ihre Frauen noch immer als Besitz ansehen, den sie verteidigen müssen.

Eigentlich war die Ohrfeige von Will Smith nicht ein Schlag in das Gesicht des amerikanischen Komikers Chris Rock, sondern einer in das Gesicht von uns Frauen. Der Hintergrund: Bei der Oscar-Verleihung beleidigte Rock Jada Pinkett Smith, die Frau von Will Smith. Rocks misslungener Witz zielte auf ihre Frisur ab, sie hat eine Krankheit und musste sich deswegen die Haare abrasieren.

Dass ein Mann meint, seine Frau verteidigen zu müssen, indem er einem anderen Mann eine runterhaut, zeigt: Auch im Jahr 2022 haben wir in Bezug auf toxische Männlichkeit nichts gelernt. Der Mann verteidigt sein Hab und Gut, seine Frau, seinen Hof, sein Schaukelpferd. Die Frau steht klein, stumm, aber selbstverständlich hübsch zurecht gemacht daneben. Er handelt und redet, sie lächelt und schweigt. Sie die Frau von Daddy Cool, er der Mann von Welt, der ihr diese erklärt und bei Bedarf verteidigt und in den Fugen hält. Zur Not eben mit körperlicher Gewalt.

15 Minuten nach dem Übergriff auf Chris Rock feierte das Publikum Will Smith mit stehenden Ovationen – er bekam einen Oscar als bester Hauptdarsteller. Applaus, Applaus – für den Mann, der so ritterlich seine Ehefrau verteidigt. Damen in Hollywood sind hingerissen von so viel Männlichkeit. Doch: Diese Ohrfeige vor den Augen der Welt war alles – nur keine Heldentat. Bei der Dankesrede entschuldigte sich Will Smith nicht mal bei Chris Rock – das tat er erst einen Tag später – am Oscar-Abend selbst rechtfertigte er sein Verhalten mit der Liebe. Wörtlich sagte er: „Aber die Liebe wird dich dazu bringen, verrückte Dinge zu tun.“ Gewalt mit Liebe zu begründen, setzt dem Schlag ins Gesicht die Krone auf und ist falsch. Wir Frauen brauchen keine Männer, die im Namen der Liebe gewalttätig werden. Wir sind nicht ihr Eigentum und müssen nicht verteidigt werden. Wir können uns tatsächlich selbst verteidigen.

Will Smith tritt jetzt aus der Oscar-Akademie aus und nannte sein Verhalten „unentschuldbar“. Immerhin. Nur eine Frage bleibt noch offen: Ob er sich bei seiner Frau entschuldigt hat, weil er sie öffentlich zu seinem Besitz herabgewürdigt hat.

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