Leichtathletik RHEINPFALZ Plus Artikel Zweibrücker Speerwerferin Christin Hussong hat Großes vor in diesem Jahr

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Speerwerferin Christin Hussong vom LAZ Zweibrücken bereitete sich zum wiederholten Mal mit der deutschen Nationalmannschaft im türkischen Belek auf die vollgepackte Saison 2022 vor.

Christin Hussong vom LAZ Zweibrücken hat eine spannende Saison vor sich. Mit der WM und der EM werfen zwei Großereignisse ihre Schatten voraus. Die Herschbergerin war gerade in der Türkei, um sich intensiv darauf vorzubereiten. Im Trainingslager hatte sie aber noch ganz andere Sachen im Kopf.

„Ich fahre gerne weg, komme aber auch gerne wieder nach Hause“, sagt Christin Hussong. Am frühlingshaften Montagnachmittag stand die Speerwerferin des LAZ Zweibrücken wieder auf dem Rasen des heimischen Westpfalzstadions und trainierte zusammen mit Papa Udo. Erst am Samstag waren die beiden von einem 14-tägigen Trainingslager im türkischen Belek zurückgekehrt.

Dort waren die deutschen Speerwerfer nicht zum ersten Mal. „Flugzeit nur drei Stunden, Top-Bedingungen; für das, was wir jetzt im Training gebraucht haben, war das genau richtig“, schwärmt die Herschbergerin. Zweimal am Tag stand Training auf dem Programm. Und endlich mal wieder draußen auf dem Rasen werfen, während in Deutschland noch Minusgrade herrschten. Ganz so toll war das Wetter in der Türkei letzten Endes zwar auch nicht, gibt Hussong zu. „Aber es hat ja nicht fünf Tage am Stück durchgeregnet. Wir konnten alles machen, was wir wollten, haben vielleicht mal ein Training verlegt.“ Zum Ende hin gab’s allerdings noch mal einen richtigen Kälteeinbruch, da freuten sie die warmen Temperaturen zu Hause besonders.

Am Stemmschritt gearbeitet

Im Training gab es nicht den einen zentralen Schwerpunkt, erzählt Hussong, die am Donnerstag ihren 28. Geburtstag feiert. Hauptsächlich habe sie am Stemmschritt gefeilt, dabei hätten auch Biomechaniker mit hochauflösenden Kameras geholfen und viele Berechnungen angestellt. „Speerwerfen ist eine Tüftel-Disziplin. Wenn man das schon so lange macht wie ich und was verändern will, ist das viel Arbeit.“ Die Athletin und ihr Trainer sind bisher aber sehr zufrieden. „Die Werte sind super“, verdeutlicht Hussong. Sie weiß natürlich, dass sie auch in den nächsten Wochen noch viel, viel Arbeit vor sich hat: „Es braucht noch viele Würfe, bis alles zusammen passt.“

Genossen hat sie die Ruhe im Trainingslager. Mittagsruhe halten, mal nicht einkaufen müssen, keine Wäsche waschen, einfach zum Essen gehen können, das schätzt sie sehr. Und die Freizeit zwischendurch hat sie auch anderweitig genutzt: Sie schreibt gerade an ihrer Master-Arbeit im Studienfach Gesundheitsmanagement; Thema „Untersuchung der Belastung der Schulter im Speerwurf“. Wie viele Seiten sie bereits geschrieben hat, weiß sie auf Anhieb gar nicht. Aber am 31. Mai ist Abgabetermin. „Und da gebe ich sie auch ab“, sagt sie, will den Termin unbedingt einhalten. In diesem Winter hatte sie angefangen zu schreiben, „da lässt sich das besser einplanen als im Sommer mit den ganzen Wettkämpfen“.

Zwei ganz wichtige Termine in diesem Jahr

Davon stehen in diesem Sommer zwei ganz wichtige an: erst die Weltmeisterschaft vom 15. bis 24. Juli in Eugene/USA und – nur vier Wochen später – die Heim-Europameisterschaft in München (15. bis 21. August). Für beides ist sie schon mit einer Wildcard qualifiziert: für die WM durch den Diamond-League-Sieg im vergangenen Jahr, für die EM als Titelverteidigerin. 2018 war sie in Berlin mit 67,90 Meter Europameisterin geworden. Im vergangenen Jahr warf sie schon fast zwei Meter weiter: Bei der Team-WM im polnischen Chorzów kam sie auf 69,19 Meter. Herren-Bundestrainer Boris Henry hatte Hussong, die 2021 auch ihren fünften DM-Titel in Serie gewann, damals schon prognostiziert, die 70 Meter bald draufzuhaben.

Weil sie für die Top-Ereignisse schon qualifiziert ist, hat Hussong in diesem Jahr den Europäischen Winterwurf-Cup in Leiria/Portugal ausgelassen. Den hatte sie in den Jahren zuvor gerne genutzt, um die Norm für Großereignisse abzuhaken. Für die Frauen liegen die laut Hussong diesmal bei 64 Metern (WM) und 62,5 Meter (EM). Die Portugalreise hatte sie also nicht nötig, sie hätte ohnehin am vergangenen Wochenende direkt aus der Türkei hinfliegen müssen. „Und wir konnten so auch unser Training anders priorisieren und gestalten.“ Inzwischen ist ja ohnehin nicht nur die erfüllte Norm, sondern auch der entsprechende Weltranglistenplatz ausschlaggebend. Die führt sie mit 1367 Punkten ebenfalls an. „Besonders schön wäre es, wenn wir Deutschen bei der Heim-EM die maximalen vier Plätze besetzen könnten“, findet sie.

Olympia ist aufgearbeitet

Nach einem zweiten Trainingslager Ende April, Anfang Mai in Belek will Hussong Mitte Mai in die Saison einsteigen, vielleicht in Offenburg. Der neunte Platz im olympischen Finale von Tokio ist aufgearbeitet, mit der Athleten-Psychologin Tanja Damaske, einer früheren Speerwerferin. „Das gehört dazu. Olympia ist jetzt nicht mehr das Thema. Aber wir haben noch mal intensiv darüber gesprochen, damit in Eugene nicht plötzlich Gedanken an Tokio hochkommen, die ich da nicht brauchen kann.“

Und die Saisonziele? Eine Medaille strebt sie selbstbewusst bei WM und EM jeweils an, „das wäre super“. Und wenn gleich drei Sachen auf einmal klappen? 70 Meter knacken, WM- und EM-Titel? „Das wäre natürlich perfekt. Würde ich so nehmen“, meint sie lachend.

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