Schwimmen RHEINPFALZ Plus Artikel Zweibrücker Moritz Bartels schließt Verlängerung in den USA nicht aus

Im Jahr 2019 wurde Moritz Bartels US-amerikanischer College-Meister im Einzel und mit der Mannschaft im Freiwasserschwimmen. Sei
Im Jahr 2019 wurde Moritz Bartels US-amerikanischer College-Meister im Einzel und mit der Mannschaft im Freiwasserschwimmen. Seit Beginn der Corona-Krise wird aber nur noch im Becken geschwommen – wenn überhaupt.

Was macht eigentlich ... Moritz Bartels?: Ein Dreivierteljahr lang hatte der Schwimmer aus Zweibrücken keinen Wettkampf mehr. Geschuldet war das natürlich der Corona-Krise. Jetzt ist Moritz Bartels wieder zurück an seinem College im US-Bundesstaat Michigan – und soll am Samstag erstmals wieder zum sportlichen Wettstreit ins Becken springen. Der 22-Jährige strebt aber noch andere Dinge an.

Eigentlich hat Moritz Bartels das ganz gerne: Weihnachten unterm Tannenbaum in Zweibrücken, bei der Familie. Wer auch nicht? Diesmal klappte das allerdings nicht, obwohl der in den USA mit einem Schwimm-Stipendium studierende Zweibrücker Moritz Bartels schon lange vor dem Fest in Deutschland war. Dass der 22-Jährige keine Geschenke mehr in seiner Heimatstadt auspacken konnte, lag an der Corona-Pandemie. Die Krise und ihre Auswirkungen zwangen ihn dazu, den Weg zurück an sein 6700 Kilometer entferntes College in Allendale im US-Bundesstaat Michigan bereits am 20. Dezember anzutreten.

Seit März in Deutschland

Denn gleich im Januar stand mit seinem Schwimmteam der Grand Valley State University (GVSU) ein Trainingslager an. Und davor musste der frühere Aktive der Wassersportfreunde (Wsf) Zweibrücken in Quarantäne. Eigentlich sogar 14 Tage. „Ich konnte das aber dadurch auf sieben Tage verkürzen, dass ich einen frischen negativen Corona-Test aus Deutschland und dann sofort einen in den USA nachgewiesen habe“, erzählt Bartels. Das Trainingslager, das seine Mannschaft sonst immer im warmen Floria verbrachte, fand stattdessen diesmal am eigenen College statt – auch eine Folge von Corona.

In Deutschland war der zweimalige College-Meister im Freiwasserschwimmen aus dem Jahr 2019 schon seit Ende März vergangenen Jahres gewesen. „In den USA wurden im März alle College-Wettkämpfe abgesagt. Und im Studium war alles plötzlich online“, sagt Bartels. Den internationalen Studenten sei dann empfohlen worden, nach Hause in ihre Heimatländer zu fliegen. „Dabei gab es damals in Allendale noch gar nicht viele Fälle, in Europa waren es da schon viel mehr.“ Als aber auch aus seinem College-Team einige an Corona erkrankt waren, habe er sich gedacht: „Soll ich nicht besser sofort nach Hause fliegen, bevor es keine Flüge mehr gibt?“ Das tat er dann, auch weil die medizinische Versorgung in Deutschland besser ist als in den USA. Das begonnene Semester seines Fachs Business Administration (Bartels: „So was wie bei uns BWL“) brachte der Deutsche Meister 2018 der Aktiven-Freiwasserschwimmer dann zu Hause online zu Ende.

Zehn Wochen nicht im Wasser

Und da blieb er dann, nach Rücksprache mit seinem College-Trainer, auch im nächsten Semester, das von Ende August bis Mitte Dezember dauerte. Aber trainieren war für den Schwimmer ähnlich schwierig wie in den USA. „Die Schwimmbäder waren ja alle lange dicht“, seufzt er. Im Juni sei ein bisschen was möglich gewesen, da konnte er wenigstens mal für zwei Wochen im kleinen Lehrbecken am Hofenfels-Gymnasium trainieren.

„Ich war in der Zeit insgesamt aber zehn Wochen nicht im Wasser, habe viel weniger gemacht als sonst“, verdeutlicht Bartels, „da habe ich 70 Trainingskilometer pro Woche verloren.“ Laufen und ganz viel Rennradfahren standen als Alternativen auf der Trainingsliste. Ganz okay, aber das für Schwimmer so wichtige Wassergefühl war natürlich komplett weg.

Irgendwann danach konnte er dann wieder im hochmodernen Schwimmbad der Hermann-Neuberger-Sportschule in Saarbrücken trainieren, da durften die Saar-Schwimmer und Triathleten unter strengen Hygieneregeln ins Wasser. Wettkämpfe gab es aber den ganzen Sommer über nicht – keine Freiwasser-DM und auch die deutsche Meisterschaft der Beckenschwimmer im Oktober wurde abgesagt. „Wir haben nur zweimal einen Trainingswettkampf untereinander gemacht, an denen wir mal wieder die Wettkampfhosen anhatten“, erinnert sich Bartels.

Zeit für Praktikum genutzt

Dafür hatte er aber eine andere Aufgabe: Im Sommer absolvierte er ein zweimonatiges Pflegepraktikum am Sulzbacher Krankenhaus im Saarland. „Morgens immer Training, dann Praktikum: Das war ganz schön anstrengend“, sagt er rückblickend. Spaß gemacht hat es trotzdem – und es könnte eine Richtung sein, in die es den Noch-Studenten auch mal beruflich zieht. Denn Medizintechnik oder Finanzwesen sind zwei Dinge, die ihn sehr interessieren.

Ende April will der „Senior“ (im Gegensatz zu Freshman, Sophomore und Junior in den ersten drei Studienjahren) zum Abschluss seiner vier College-Jahre mit Studieren und Schwimmen erst mal den Bachelor-Abschluss in der Tasche haben. Mit einer Sonderregelung kann er dann vielleicht sogar noch ein fünftes Jahr dranhängen. „Mein Trainer hat mir angeboten, da zu bleiben und noch den Master-Abschluss zu machen“. Anderthalb bis zwei Jahre würde das noch mal dauern – und Bartels ist nicht abgeneigt. Zumal ihm sein Coach eine Stelle als Student Assistant Coach (als studentischer Hilfstrainer) in Aussicht gestellt hat. Mit einer Promotion hier oder dort liebäugelt Bartels dann auch noch.

Und das Schwimmen? „Mein Trainer hatte mir schon einen Wettkampfplan für 2021 geschickt, bevor ich zurückgeflogen bin.“ Der erste Wettstreit am 9. Januar sei aber gleich mal ausgefallen. Der Athlet des Deutschen Schwimm-Verbandes DSV, dessen Kaderstatus im Moment etwas unklar ist („Dazu sind im Vorjahr zu viele Wettkämpfe ausgefallen“) hofft, dass im Jahr 2021 wenigstens einiges, wenn auch sehr modifiziert („vielleicht virtuell“), wieder stattfinden kann. „Hauptsache Wettkämpfe, selbst wenn keine Zuschauer zugelassen sind.“

Endlich wieder ein Wettkampf

An diesem Samstag ist es für ihn dann erstmals seit einem Dreivierteljahr wieder soweit: An seinem eigenen College in Allendale steigt das „Dual Meet“ gegen die University of Findlay (Ohio) – coronabedingt ohne Zuschauer. Davor musste er diese Woche gleich drei Corona-Tests über sich ergehen lassen. Aber was macht man nicht alles, nur um sich in einem Schwimmwettkampf zu messen?

Schwimmer Moritz Bartels ist seit vier Jahren Stipendiat der Grand Valley State University in Allendale.
Schwimmer Moritz Bartels ist seit vier Jahren Stipendiat der Grand Valley State University in Allendale.
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