Schwimmen
Zweibrücker Leo Baumann mit Silber um den Hals und Tape-Verband am Finger
Am Montag stand die Heimfahrt an, nach fünf Tagen Wettkämpfen in der SSE-Schwimmhalle bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften (DJM) in Berlin. „In bin letztlich total zufrieden damit, wie es gelaufen ist. Vielleicht wäre noch mehr drin gewesen, aber ich hab’s durchgezogen“, sagt Leo Ilias Baumann, Schwimmer der Wassersportfreunde (Wsf) Zweibrücken, der in der Hauptstadt für die SSG Saar Max Ritter startete.
Sein Heimcoach Tobias Müller, seit 1. März Landestrainer der Saarschwimmer, sieht das angesichts eines kleinen Handicaps ab Tag eins ganz ähnlich. „Wir wissen, dass er noch Potenzial nach oben hat. Er ist auf allen Strecken auch schon mal schneller geschwommen. Wir haben also quasi Hausaufgaben bekommen. Aber er war in Berlin ja auch ein bisschen mental blockiert“, urteilt Müller.
Kapselriss am Zeigefinger am ersten Tag
Blockiert deshalb, weil sich der Schüler der zwölften Klasse des Saarbrücker Rotenbühl-Gymnasiums gleich am ersten Wettkampftag eine Verletzung zugezogen hatte. Im Finale über 100 Meter Freistil (Platz sechs) erlitt er beim Anschlag einen Kapselriss am rechten Zeigefinger. „So was passiert mir normalerweise nicht“, sagte Baumann dazu selbst etwas verwundert. Aber auch andere Sportler trugen beim Anschlag Verletzungen davon, einer brach sich in Berlin sogar die Mittelhand.
Wie gut, dass Papa Raban Baumann als Allgemeinmediziner und Veranstaltungsarzt vor Ort war. „Es war nichts gebrochen. Ich konnte die Verletzung und den Bluterguss genau beobachten; schauen, wie groß die Schmerzen sind, und ob weitere Starts funktionieren“, sagte Raban Baumann.
Beim Wenden und beim Anschlag verunsichert
Es ging. Zwei Finger wurden zusammengetapt, die Schiedsrichter segneten das ab, Leo konnte wieder auf den Startblock. „Es tat aber schon bei jedem Armzug weh, und bei den Wenden und beim Anschlag war ich schon verunsichert“, sagt er zum wichtigen Rennen tags darauf über 200 Meter Lagen. Hier schaffte er es ins Finale seines Jahrgangs 2008 und belegte in 2:10,53 Minuten Platz fünf.
„Die Verletzung war ärgerlich, aber so was passiert halt mal“, sagte Coach Müller dazu. „Man hat gemerkt, dass ihn das beschäftigt hat. Am Start kannst nicht richtig an den Block greifen, bist bei den Wenden unsicher“, so Müller. Zumal seine Zeit im Vorlauf über 100 Meter Freistil in 52,68 Sekunden nur knapp über Baumanns Bestzeit gelegen habe.
Ziel: Die JEM der DLRG im August in Polen
Über 200 Meter Freistil am Freitag, der zweiten von Müller vorgegebenen Hauptstrecke, konnte Baumann die Verletzung vor dem Start nach eigenem Bekunden gut ausblenden. „Es hat dann sehr gut geklappt im Finale“, stellt er fest. „Durch die Rollwenden (mit den Füßen an der Wand, Anm.d.Red.) war die Belastung mit Finger weg. Leo ist in dieser Saison noch nicht schneller geschwommen und hat einen prima Schlussspurt hingelegt“, lobte Müller. „Wenn die Bahn noch ein bisschen länger gewesen wäre, hätte er vielleicht sogar als Erster angeschlagen“, mutmaßt er. „Ja, ohne die Fingerverletzung wäre da noch mehr drin gewesen“, unterstreicht der Athlet. Die Silbermedaille in 1:53,51 Minuten war aber ein schönes Trostpflaster. Über 400 Meter Freistil schaffte er es am Samstag dann noch mal ins Finale, wo er in 4:05,30 Minuten als Fünfter anschlug. Deutscher Meister wurde hier Leo Leverkus (SGR Karlsruhe/3:58,81 min).
Die sonntäglichen Finals, unter anderem über 100 Meter Delfin, fanden dann ohne Baumanns Beteiligung statt. Da war dann einfach die Luft ein bisschen raus. Nun geht es zu Hause wieder ins Aufbautraining. Denn im August stehen für den ebenfalls passionierten Rettungsschwimmer die Junioren-Europameisterschaften der DLRG in Stettin und Misdroy (Polen) an – der nächste sportliche Höhepunkt.