Zweibrücken
Zweibrücker Kult-Pizzeria: Pächter machen Schluss
„Nachfolger für etablierte und eingeführte Gastronomie gesucht“ steht über der Immobilienanzeige, in der das Eckgebäude Himmelsbergstraße 36/Heroldstraße angeboten wird. Ab Juni sind die Räume samt Biergarten verfügbar. Damit geht eine Ära in Zweibrücken zu Ende: Bislang beherbergt das Gebäude die Zweibrücker Pizzeria San Remo.
Die ist eine der ältesten Pizzerien der Stadt und in über 50 Jahren eine Institution geworden. Ganze Generationen von Beschäftigten und auch Patienten des nur einen Steinwurf entfernten ehemaligen Evangelischen Krankenhauses haben dort Scaloppine, Lasagne, Pasta oder Pizza bestellt, wenn sie des Krankenhausessens überdrüssig waren. Etliche Sportvereine waren dort regelmäßig zu Gast, und der Name San Remo war für viele Familien aus Zweibrücken und Umgebung über Generationen hinweg Synonym fürs Pizzaessen. „Ein bisschen ist hier essen gehen wie eine Kindheitserinnerung“, schreibt eine Rezensentin von über 300 Bewertern bei Google über das San Remo am Himmelsberg.
„Die Pächter hören altersbedingt auf“, sagt Felix Deutsch. Er ist der Neffe von Hauseigentümer Gerd Deutsch und kümmert sich um die Vermarktung des baldigen Leerstandes. Der 34-Jährige bietet die rund 200 Quadratmeter großen Räumlichkeiten im Erdgeschoss selbst an, streut auf Verkaufsportalen und in sozialen Medien.
„Die Hilfe eines Maklers brauchen wir nicht. Es haben sich schon etliche Interessenten gemeldet, von denen wohl einige aus der Gastronomie kommen. Und das, obwohl ich erst am Samstag erstmals inseriert habe“, so Felix Deutsch. „Uns wäre es am liebsten, wenn ein Nachfolger ein italienisches Lokal in dem Stil weiterbetreibt“, erklärt er seine und die Vorstellungen seines Onkels. Sollte das nicht klappen, könne man sich auch Kanzleiräume vorstellen. Zwar weiß auch er, dass es die Gastronomie in Corona- und Nachcoronazeiten nicht gerade leicht hat und ein Neuanfang wesentlich größere finanzielle und Kraftanstrengungen braucht als noch vor wenigen Jahren. Doch die Hoffnung, dass es weiterhin eine Gastronomie am Himmelsberg gibt, gibt er nicht auf. „Es wäre schade drum“, sagt Deutsch.
Den unbefristeten Mietvertrag hat die Pächterfamilie gekündigt, nicht der Vermieter. „Wir haben nach wie vor ein gutes Verhältnis zu den Pächtern“, betont Felix Deutsch und legt Wert auf diese Aussage. Vielmehr seien wohl Altersgründe ausschlaggebend für die Kündigung gewesen. Der derzeitige Pächter des San Remo, Massimo Ghinelli, wollte auf telefonische Nachfrage keine Auskunft geben. Er hatte die Pizzeria 2011 von seinem Großonkel Vincenzo Storero übernommen, der sie 1970 eröffnet hatte. Der hatte zuvor den Frontier-Club der amerikanischen Armee in Pirmasens geleitet, wo einmal im Jahr der Country-Sänger Johnny Cash auftrat, wie sich Storero einmal im Gespräch mit der RHEINPFALZ erinnerte. In den Gesangspausen kam Cash regelmäßig in die Bar, wo Storero Dienst hatte, und bestellte öfter eine kleine Flasche Park-Bier – mit den Worten „Vincenzo, gimme a Stubbi“. Vor dem San Remo war in dem Ende des 19. Jahrhunderts erbauten Haus die Gaststätte Rote Laterne, wo man zeitweise auch Hotelzimmer mieten konnte.