Wahlkampf in Coronazeiten RHEINPFALZ Plus Artikel Zweibrücker Kandidaten auf Stimmenjagd im Internet

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Am 14. März ist Landtagswahl. In den vier Wochen davor würden die Kandidaten normalerweise Handgelenksschienen anlegen, um von morgens bis in die Nacht Hände schütteln zu können. Aber Kontakt ist nicht dieses Jahr. Also setzen die Kandidaten unseres Wahlkreises vorwiegend auf virtuellen Wahlkampf. Oder kleine Geschenke.

Mit Mundschutz und einem, maximal zwei Begleitern baut Rebecca Wendel (SPD) seit zwei, drei Wochen trotz Corona Infostände auf. In Waldfischbach war sie schon, in Wallhalben, Stambach, in Rieschweiler-Mühlbach, auch in Zweibrücken, am Hilgard-Center. Dort verteilte sie Tütchen mit Giveaways, also kleinen Geschenken, in diesem Fall Donuts. In der Fußgängerzone hatte sie auch schon einen Info-Stand, und zwar einen mit Bodenzeitung: „Ich habe eine zwei mal zwei Meter große Baufolie ausgelegt und die mit meinen Themen beschriftet. Passanten konnten das dann beim Drüberlaufen lesen.“ Ein paar persönliche Worte mit Maske und Abstand habe sie mit den Fußgängern so auch wechseln können.

Viele positive Rückmeldungen habe sie auf ihre Postkarte für Erstwähler bekommen, so Wendel. Um zu wissen, wo der Schuh drückt, habe sie von sich aus den Kontakt gesucht, etwa zur IG Metall oder zur Gesamtschule Contwig. „Man trifft die Leute halt nicht mehr so, da muss ich schauen, wie ich an Informationen komme“, so Wendel.

Der tägliche Post bei Facebook gehört für Wendel zum Wahlkampf, auch könne man sich ein Gespräch zwischen ihr und Ministerpräsidentin Malu Dreyer auf Youtube anschauen. Etwa 800-mal sei das schon passiert, „und da muss ich sagen, das ist eventuell sogar mehr als bei einer Präsenzveranstaltung“. Sie hätte nichts dagegen, wenn solche Möglichkeiten auch nach Corona genutzt würden.

Rebecca Wendel ist für ihre Wähler erreichbar, Handynummer und E-Mail-Adresse finden sich auf Flyern und Internetseiten. „Tatsächlich habe ich in den vergangenen Wochen viele Anrufe und E-Mails bekommen, die ich auch alle beantworte. Vielleicht nicht sofort, aber ich melde mich.“ Beim Anruf der RHEINPFALZ ging Wendel sofort ans Telefon.

Vogelfutter im Briefkasten

Felix Schmidt (Grüne) fehlen die Begegnungen am Infostand oder beim Haustürwahlkampf. Vor allem, weil er die Stimmung bei den Wählern so schlechter einschätzen könne, wie er sagt. „Man kriegt auch nichts von den Mitbewerbern mit. Christoph Gensch zum Beispiel habe ich in diesem Wahlkampf noch gar nicht getroffen“, bedauert er. Auch der junge Grüne verlegt seine Auftritte ins Internet, hatte etwa ein Gespräch mit Bernhard Braun, das man live streamen konnte. Schmidt nutzt Facebook und Instagram, Wähler können per E-Mail oder die Plattform Abgeordnetenwatch an ihn herantreten, „ich melde mich auf jeden Fall“. Seine Privatnummer gibt er aber nicht raus.

Schmidt wirft den Wählern auch was in die Briefkästen, neben Informationen auch Nachhaltiges wie Vogelfutter oder ein Vogel-Memory. „Ansonsten nutze ich ausgiebig die neuen Medien und Kommunikationswege.“

Feuerzeuge, die wirklich funktionieren

„Das ist nicht so einfach mit dem Wahlkampf“, hat Kristian Fink (Linke) festgestellt. Er versucht, die Wähler über Flyer, eine Wahlkampfzeitung und Eigendrucke zu erreichen, ist in den sozialen Medien präsent. „Wir stoßen da an unsere Grenzen, wir haben nicht so viele personelle und finanzielle Ressourcen wie CDU oder SPD“, meint Fink. Über die moderaten Corona-Zahlen sei er als Krankenpfleger froh, „da muss dann halt der Wahlkampf hintenanstehen“. Straßenwahlkampf mache er nicht, obwohl das traditionell bei den Linken das Mittel der Wahl sei. „Ich will aber nicht am Anfang einer Infektionskette stehen“, weicht er lieber auf virtuelle Alternativen aus. Oder auf E-Mails. Die beantworte er, gebe auch seine Privatnummer raus, wenn jemand mit ihm sprechen will.

Fink rechnet damit „die eine oder andere Stimme vielleicht nicht zu bekommen“, wenn er nicht direkt mit den Menschen in Kontakt treten kann. Um die Gunst der Wähler buhlt der Linke auch mit Giveaways: Kugelschreibern etwa und Feuerzeugen, „die wirklich funktionieren“.

Keine Geschenke erhalten die Freundschaft vielleicht auch

„Plakate, Flyer, Postwurfsendungen, außerdem alles im Online-Bereich“, so umreißt FDP-Kandidat Sebastian Schäfer seine Corona-Wahlkampf-Strategie. Über Abgeordnetenwatch und die Homepage der FDP könne man Kontakt zu ihm herstellen, „wer mit mir reden will, dem wird das gelingen“, so Schäfer. Klar sei aber auch, dass die Hemmschwelle größer sei als beim Straßenwahlkampf. „Da kann man mal ein paar lockere Worte wechseln und dabei auch Politisches klären.“ Das sei leichter als zum Telefon zu greifen oder eine E-Mail zu schreiben.

Kleine Geschenke gibt’s bei Schäfer nicht. „Darf man das denn überhaupt?“, fragt er angesichts möglicher Ansteckungswege. Dass er keine direkte Rückmeldung von den Menschen bekommt, fehlt ihm. Wobei die wegfallenden Präsenztermine auch etwas Gutes hätten: „Ich kann viel mehr Termine online machen, weil die Fahrerei wegfällt.“ Trotzdem: „Ich freue mich darauf, wenn man wieder einen normalen Wahlkampf bestreiten kann, wo man sich trifft, plaudert, dabei vielleicht etwas trinkt.“

Kommunalpolitische Kontakte

Gar nicht in den sozialen Medien vertreten ist nach eigenen Worten Peter Sammel (FWG). „Ich bin seit Jahrzehnten in der Kommunalpolitik, greife lieber auf meine Kontakte zurück.“ In Videokonferenzen spreche er mit den Leuten, etwa mit Vereinen. „Das ist schon eine technische Herausforderung, aber es funktioniert gut und wird auch gut angenommen.“ Dass das Zwischenmenschliche auf der Strecke bleibt, bedauert Sammel sehr. Aber: „Ich mache keine Infostände, ich bin da konsequent.“ Man könne nicht von den Bürgern Disziplin verlangen und diese dann nicht selbst vorleben. Geschenkchen gibt’s bei Sammel nicht, er wirft niemanden was in den Briefkasten.

Der Klassiker: Plakate

Mit am meisten Erfolg habe immer noch das Plakatieren, sagt AfD-Kandidat Moritz Bächle. „Das hat mich selbst gewundert.“ Woran er das festmacht? „Wenn man irgendwo nicht oder weniger plakatiert, fragen die Leute nach.“ Bei Facebook könne ihn jeder direkt anschreiben. Für Wahlkampf-Telefongespräche habe er eine eigene Nummer, seine Privatnummer gebe er nicht heraus. Im Studio des Kreisverbands in Pirmasens habe er Videos gedreht und online gestellt.

Bächle stellt auch einen Infostand auf: Am Samstag in der Zweibrücker Fußgängerzone, mit Abstand, Maske, Flyern und Kugelschreibern. „Ich bin froh, dass das genehmigt wurde, so hat man wenigsten ein bisschen direkten Kontakt zu den Wählern.“

Parteipakete mit Stickern

„Größtenteils im Internet“ geht der Wahlkampf von Aaron Schmidt (Die Partei) über die Bühne. „Ich nutze social media und Co., dieses moderne Zeug.“ Für seine hauptsächliche Zielgruppe, Erst- und Jungwähler, sei der Umgang damit, etwa mit Livestreams, auch kein Problem. Ein paar handgeschriebene Postkarten habe er auch verteilt, und er erfülle auch Plakatierwünsche. Wo das nicht geht, lasse er den Interessenten ein kleines Parteipaket zukommen mit dem Programm, Stickern und Buttons.

Er habe überlegt, den Leuten in der Innenstadt sein Programm mit Abstand zuzuwerfen, so Schmidt. „Aber dann hatte ich Angst, dass mir das als politische Demonstration ausgelegt wird, und hab’s gelassen.“ Aktionen aller Art lasse er dieses Mal sein. Erreichbar sei er über Abgeordnetenwatch oder Facebook.

Gensch: Corona steht im Vordergrund

Am schwersten zu erreichen für diese Umschau war der amtierende Landtagsabgeordnete Christoph Gensch (CDU). Auf die Frage, was er sich Besonderes ausgedacht hat für diesen besonderen Wahlkampf, meinte er: „Es ist nicht die Zeit für etwas Besonderes im Wahlkampf, im Vordergrund steht die Bekämpfung der Corona-Pandemie.“ Infostände biete er deshalb keine an, „die sind ja laut Landesverordnung untersagt“. Er nutze Facebook und Instagram, Wähler könnten ihn per E-Mail, Telefon, soziale Medien und „auf meinen Touren durch die Dörfer“ erreichen. Vom Kandidaten Christoph Gensch gibt’s: Flyer, Kugelschreiber, Papiertaschentücher und Schreibblöcke.

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