Judo
Zweibrücker Kämpferin Jasmin Grabowski hat Tokio-Ticket in der Hand
Kein Wunder, dass Jasmin Grabowski erleichtert und zufrieden war, als sie am Sonntag nach der Weltmeisterschaft in Budapest das Flugzeug in Richtung Deutschland bestieg. „Das war ordentlich bis gut, sie hat ihr Ziel erfüllt“, sagte ihr Heimtrainer Stephan Hahn vom 1. JC Zweibrücken zu Grabowskis (früher Külbs) drei Kämpfen und Platz neun am Ende. Viel wichtiger aber: „Das hat sich laut den Traineraussagen und ihrer eigenen jetzt erledigt“, meinte Hahn in Bezug auf die „große Blickrichtung Olympia“ nach einem Gespräch mit seinem Schützling am Samstagabend. Die 29-jährige, gebürtige Speyerin hat nach zwei Siegen bei der WM ihr Ticket für die Olympischen Spiele in Tokio (23. Juli bis 8. August) zumindest mal über die Kontinentalquote sicher. Die WM-Punkte sind derzeit noch nicht eingerechnet; die neue, aktualisierte Olympia-Rangliste wird laut Hahn wohl am Mittwoch veröffentlicht.
Technikvariante ausprobiert
Zuvor hatte es lange so ausgesehen, als hätte die Sportsoldatin, die in Leverkusen lebt und in Köln trainiert, ihr Olympia-Ticket ganz sicher in der Tasche. Doch dann kam die Corona-Krise, und der Deutsche Judo-Bund musste wegen Corona-Fällen vorsichtigerweise und notgedrungen zu Beginn des Jahres zwei Turniere absagen. Die Punkte aus diesen Turnieren fehlten Grabowski plötzlich in der Olympia-Qualifikation, andere Athletinnen zogen in ihrer Gewichtsklasse über 78 Kilogramm wieder an ihr vorbei. „Sie war damals schon verärgert, konnte es aber nicht ändern. Der Druck, der auf ihr lastete vor der WM, war jetzt schon groß“, räumte Stephan Hahn ein.
Insofern war er zufrieden mit Grabowskis Leistungen vor allem in den ersten beiden siegreichen Runden am Samstag in der ungarischen Hauptstadt. Den ersten Kampf gegen die Serbin Milica Zabic gewann sie nach 3:43 Minuten durch einen Ippon. „Die steht wohl so auf Rang 35, 36 der Weltrangliste und war wirklich stark. Die Serben sind mir ohnehin alle bei dieser WM positiv aufgefallen“, sagte Hahn. Was ihm besonders gut gefallen hat: „Jasmin hat die Serbin in diesem Kampf mit einer Technik geworfen, die sie nicht so oft anwendet. Das ist eine neue Technikvariante, die sie nach einer Täuschung ausprobiert hat.“ Sowas aus dem Training in den Wettkampf zu übertragen, sei nicht einfach, so Hahn.
„Der Sieg, und vielleicht auch diese Technik, haben ihr sicher einen Schub und Selbstvertrauen fürs weitere Turnier und die Zukunft gegeben“, glaubt Hahn. Jedenfalls habe Grabowski den zweiten Kampf auf der Matte gegen die Kasachin Nazgul Maratova dann souverän und sehr gut zügig gelöst. Nach 1:22 Minuten war hier schon Schluss. Und auch in der dritten Runde, im Achtelfinale, war Grabowski gegen die Französin Julia Tolofua nicht chancenlos. „Bis zur Halbzeit war das aus meiner Sicht ausgeglichen. Gegen eine solche Gegnerin kann sie sich aber noch mehr behaupten“, analysierte Hahn. Der Kampf gegen die Französin, die am Ende im Kampf um Bronze der Brasilianerin Beatriz Souza unterlag und Fünfte wurde, sei aber ein wenig unorthodox gewesen, weil Tolofua noch einen Kopf größer war als Grabowski. „Gegen jemand so Großen zu kämpfen, ist nicht einfach“, unterstrich Hahn.
Abstecher in die Westpfalz?
Nach dem gelösten Olympia-Ticket kann Grabowski nun durchschnaufen: Sie hat diese Woche Urlaub, will mal wieder die alte Heimat Speyer und ihre Eltern besuchen und macht vielleicht auch einen Abstecher nach Zweibrücken. Und trifft dort möglicherweise auch ihren Trainer leibhaftig wieder, mit dem sie seit dem Spätjahr 2019 nur noch per Telefon kommuniziert hat.
Martyna Trajdos, ebenfalls JC Zweibrücken, bekam Hahn nach der WM indes noch nicht ans Telefon: Zu groß war wohl ihr Frust nach dem Aus in der zweiten Runde (Freilos in Runde eins) in der Gewichtsklasse bis 63 Kilogramm gegen die spätere drittplatzierte Serbin Anja Obradovic nach 3:18 Minuten. Die 32-jährige Trajdos hatte ihre Olympia-Fahrkarte allerdings schon vorher sicher. Nun geht es darum, ob sie unter den ersten acht gesetzten Kämpferinnen geblieben ist. Der Mittwoch wird’s zeigen.