Eishockey RHEINPFALZ Plus Artikel Zweibrücker „Hornisse“ Adolf: Mit den Schlittschuhen in der Tasche angereist

Hat in Tschechien alle Saisonspiele der „Hornets“ mitverfolgt: Für EHC-Verteidiger Jaroslav Adolf Hat in Tschechien alle Saisons
Hat in Tschechien alle Saisonspiele der »Hornets« mitverfolgt: Für EHC-Verteidiger Jaroslav Adolf Hat in Tschechien alle Saisonspiele der »Hornets« verfolgt: Für Jaroslav Adolf (hier ein Archivfoto, jetzt trägt er die Nummer 20) ist die Baden-Württemberg-Liga »wichtiger als die NHL«, wie er lachend gesteht.

Eigentlich wollte Jaroslav Adolf, Ex-Verteidiger der Zweibrücker „Hornets“, Urlaub in der Westpfalz machen. Dann stand er plötzlich wieder auf dem Eis und half den Hornets.

Eishalle Zweibrücken, Sonntagabend, kurz vor 21.30 Uhr: Der EHC Zweibrücken steht im Penalty-Schießen kurz vor der zweiten Niederlage in der Finalserie der Baden-Württemberg-Liga gegen den ESC Hügelsheim. Das wäre womöglich das Ende der Meisterträume der „Hornets“ in der Baden-Württemberg-Liga gewesen. Hügelsheims Tor mit dem bärenstarken finnischen Goalie Riku Törnqvist ist wie vernagelt. Bis Jaroslav Adolf anläuft. „Das war Gänsehaut pur. Ich dachte nur: Ich muss den jetzt reinmachen, egal wie. Die vielen Zuschauer, der tolle Support“, verspürte Adolf zwar Druck, zog aber über die linke Seite in die Mitte und versenkte den Puck unter der Latte ins Netz. Ausgleich. Danach traf noch Michael Outzen, Zweibrücken siegte, die Finalserie war mit 1:1 nun wieder völlig offen.

Lobeshymne auf den Verein

Der 26-Jährige war in der Vorsaison einer der Leistungsträger in der Zweibrücker Mannschaft. Der in Kirkel als Pfleger arbeitende Verteidiger zog aber im Sommer 2024 wieder zurück in seine Heimatstadt Olmütz in Tschechien und stand somit die ganze Zeit nicht zur Verfügung. „Ich wollte unbedingt wieder in Zweibrücken spielen. Das hier ist wie eine Familie für mich, vor allem der Trainer, aber auch die Jungs in der Kabine. Für mich kommt Eishockey in Deutschland nur noch in Zweibrücken in Frage“, singt er eine Lobeshymne über Verein und Stadt. „Ich hätte auch gerne in Tschechien gespielt, aber dann hätte ich meine Transferkarte verloren und diese Saison nicht mehr in Zweibrücken spielen können. Das kam für mich nicht in Frage. Also hab’ ich mich ohne Eishockey fit gehalten“, berichtet er von Workouts, Tennis und anderem Sport im Freien.

„Ich hatte gehofft, dass ich schon früher wieder nach Deutschland kommen kann, leider hat das beruflich nicht geklappt. Aber so war ich zumindest im entscheidenden Halbfinale gegen Mannheim dabei“, blickt er auf den 16. März zurück. „Ich kam Samstagabend in Zweibrücken an und stand am Sonntag das erste Mal seit Monaten wieder auf dem Eis.“ Als klar war, dass er im Urlaub kommt, hatte EHC-Trainer Ralf Wolf gleich gesagt, er solle seine Eishockeysachen mitbringen. So stand er dann bei Wolf in Winterbach vor der Haustür.

Schnell mal eingelaufen

Um ein besseres Gefühl zu bekommen, hat er beim öffentlichen Eislauf am Sonntagnachmittag seine Schlittschuhe wieder eingelaufen. „Am Anfang war ich noch unsicher, aber von Minute zu Minute wurde es besser, ich fühlte mich sicherer. Die Mannschaft hat es mir auch leicht gemacht“, freute er sich, seine Freunde wiederzusehen.

Bereits am 1:1-Ausgleich durch Erik Betzold gegen die Mannheimer „Mad Dogs“ war er im ersten Drittel als Vorlagengeber beteiligt. Das 4:2 erzielte er selbst, das entscheidende 6:4 zum Endstand von Simon Klemmer bereitete er wieder vor. Besser kann ein Debüt nicht ausfallen.

Und nun am Sonntag gegen Hügelsheim der entscheidende Penalty: Trotz langer Pause läuft es für den Verteidiger. „Das hat auch mit dem Vertrauen zu tun, das ich bekomme. Trainer und Mitspieler vertrauen mir, da geht man mit Selbstbewusstsein ran. Und dann ist natürlich auch Glück dabei, wenn man ehrlich ist.“

Körperbetontes ESC-Spiel

Hat er die Saison seines Klubs in Tschechien mitverfolgt? „Ich habe alles geschaut und gelesen, was ich bekommen konnte: Instagram, Youtube, Berichte, alles. Für mich ist diese Liga wichtiger als die NHL“, erklärt Adolf mit einem Lächeln. „Vor allem natürlich die ,Hornets’, aber auch die ,Baden Rhinos’ hab’ ich mir oft angesehen. Die haben wirklich eine bärenstarke Saison gespielt“, macht er vor allem die starken Ausländer im Hügelsheimer Kader als Schlüssel dafür aus. „Die spielen sehr körperbetont. Anders als Mannheim im Halbfinale. Die wollten Dinge eher spielerisch lösen und kamen über ihre Laufbereitschaft. Hügelsheim spielt aggressiv in den Ecken, die haben wie wir in Zweibrücken eine kleinere Eisfläche, gehen hart an den Mann“, hat er erkannt. „Aber wir haben uns mittlerweile gut darauf eingestellt und wissen, was auf uns zukommt.“

Nach dem Zweibrücker Heimsieg steht es in der Serie 1:1. Am heutigen Freitag (20 Uhr) geht es im Baden-Airpark in Hügelsheim in Spiel drei, das vierte Match steht am Sonntagabend um 19 Uhr in der Zweibrücker Ice-Arena auf dem Programm. Möglicherweise steht dann gegen 21.30 Uhr der Meister der Saison 2024/25 fest. Gewinnt jede Mannschaft einmal, fällt die endgültige Entscheidung am kommenden Samstag, 5. April, in Hügelsheim.

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