Judo RHEINPFALZ Plus Artikel Zweibrücker Heimtrainer Hahn hält Grabowski und Trajdos bei EM für voll konkurrenzfähig

Immer engagiert: Trainer Stephan Hahn, hier beim Training mit Nachwuchs am Kaiserslauterer Heinrich-Heine-Gymnasium.
Immer engagiert: Trainer Stephan Hahn, hier beim Training mit Nachwuchs am Kaiserslauterer Heinrich-Heine-Gymnasium.

Stephan Hahn vom Judoclub (JC) Zweibrücken ist seit vielen Jahren schon der Heimtrainer von Jasmin Grabowski, seit etwas kürzerer Zeit auch von deren Nationalmannschaftskollegin Martyna Trajdos. Gar nicht so einfach mit Athletinnen, die woanders leben und trainieren – und vor einer Europameisterschaft, die am Donnerstag im tschechischen Prag beginnt und wo beide Frauen starten.

Beide Sportlerinnen, die am Olympiastützpunkt in Köln trainieren, fahren angesichts der sich wieder verschärfenden Corona-Lage durchaus mit Skepsis, kritischem Auge und etwas Bauchgrummeln nach Prag, wie sie zugeben. Die mehrfache Deutsche Meisterin im Schwergewicht (über 78 Kilogramm) und EM-Dritte von 2014, Jasmin Grabowski, geborene Külbs, betreut Stephan Hahn schon seit etlichen Jahren. Seit dem Sommer 2019 ist er auch Heim-Coach der WM-Dritten des Vorjahres (bis 63 Kilogramm), Martyna Trajdos. Durch die Entfernung zum Lebens- und Trainingsmittelpunkt der beiden Sportlerinnen ist das mit dem Tipps des Trainers nicht immer einfach. Da läuft ganz viel über Telefon, Whatsapp und Textnachrichten. Ab und an sind die beiden Kämpferinnen aber auch mal in Zweibrücken vor Ort.

Kein Austausch mit anderen Kämpfern

Auf die Frage, wann er Grabowski denn letztmals leibhaftig gesehen habe, wird es allerdings still am anderen Ende des Telefons. „Ich glaube, das war tatsächlich bei ihrer Hochzeit im September 2019“, berichtet Hahn. Grabowski bestätigt das – nach einiger Überlegung. Denn inzwischen grassiert das Coronavirus mit all seinen Einschränkungen. „Es gab ja gar nichts, seit zehn Monaten hatten wir auch keine Wettkämpfe“, unterstreicht Martyna Trajdos.

„Die haben zwar als Bundeskader-Athleten ziemlich normal trainieren können. Die Deutschen haben aber im eigenen Saft geschmort, denn es gab national und international keinen Austausch mit anderen Kämpfern“, sagt Stephan Hahn über seine Schützlinge. Besonders schwer war das wohl für Jasmin Grabowski, weil es in Deutschland in ihrer Gewichtsklasse nicht viel Konkurrenz gibt. „Klar, sie kann auch mit Männern trainieren. Aber Männer- und Frauenjudo ist doch unterschiedlich, was die Kräfteverhältnisse angeht“, stellt Hahn fest.

Die Wettkampfpraxis fehlt vor der EM allen

In der langen Zeit seit März gab es zwar Trainingswettkämpfe, auch mit Kampfrichter und Zeitnahme, „aber das ist einfach nicht das gleiche wie ein richtiger Wettkampf“. Die Judoka bräuchten also Veranstaltungen wie die EM schon, „sie müssen sich ja irgendwie in Wettkampfverfassung bringen für Olympia 2021“. Und dazu benötige es eben Praxis auf der Matte.

Die Form seiner beiden Schützlinge sei derzeit zwar schwer einzuschätzen, weil ebendiese Praxis zuletzt fehlte. „Aber die hatten ja alle nicht“, weiß Hahn. Er hält Martyna Trajdos und Jasmin Grabowski, die bei der EM am Freitag und Samstag jeweils das Treppchen anvisieren, daher in Prag für voll konkurrenzfähig.

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