Sport RHEINPFALZ Plus Artikel Zweibrücker Handball-Coach Bullacher: Alles völlig weggebrochen

Der Spitzenathlet, der Vereinschef und der hauptamtliche Trainer: Alexander Gakstädter (rechts, von links Raphael Holzdeppe und
Der Spitzenathlet, der Vereinschef und der hauptamtliche Trainer: Alexander Gakstädter (rechts, von links Raphael Holzdeppe und Alexander Vieweg) ist froh, dass mittlerweile wieder trainiert werden darf.

Der eine darf schon wieder mit Athleten trainieren, der andere ist noch und weiter in Kurzarbeit: Alexander Gakstädter (LAZ Zweibrücken) und Stefan Bullacher (SV 64 Zweibrücken) sind beide Trainer – hauptberuflich. Wie haben die beiden den Corona-Lockdown erlebt?

Mittlerweile kann man Alexander Gakstädter wieder in der Dieter-Kruber-Halle des LAZ Zweibrücken oder im Westpfalzstadion beim Training antreffen. Erst waren es nach Vorgaben des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) nur ein bis vier Leichtathleten plus Trainer, die zusammen trainieren durften, inzwischen sind es schon wieder neun pro Gruppe – unter Wahrung der Abstandsregeln und Einhalten der Corona-Hygienemaßnahmen natürlich.

Viele Videokonferenzen

„Ich war gerade bei einer Maßnahme des Deutschen Leichtathletik-Verbandes in Kienbaum, als der Lockdown kam. Für mich wirklich komplett überraschend“, erzählt der 34-Jährige rückblickend auf den März. „Man wusste ja nicht genau, wo das hinführt und musste erst mal die Kaderathleten beruhigen“, verdeutlicht Gakstädter, der seit dem Jahr 2016 als hauptamtlicher Trainer beim LAZ Zweibrücken angestellt ist. Mit einer Diensterweiterung arbeitet er seit 2018 zudem als Stabhochsprung-Bundestrainer der deutschen U18- und U20-Nachwuchsfrauen.

„Nein, ich war nicht in Kurzarbeit“, erklärt Gakstädter, „aber die Trainingsarbeit war für zwei Wochen praktisch ganz eingestellt“. Lediglich in sein Büro in der LAZ-Halle konnte er in dieser Zeit gehen, „in die Halle selbst aber nicht“. Warum auch, Athleten waren ja nicht da. In der ersten Zeit hat der hauptamtliche Coach dann Trainingspläne für die neue Freiluftsaison gemacht, die alte und die neue Saison miteinander abgeglichen. Aber selbst damit war er nach knapp eineinhalb Wochen fertig. Es sei auch schwierig gewesen, so ins Blaue zu planen, „ich musste die Kalkulationen fast wöchentlich über den Haufen werfen, weil sich die Lage schon wieder geändert hatte“.

Gakstädter arbeitet privat To-do-Liste ab

Am Telefon saß er zu dieser Zeit ganz viel, „die Leitungen sind praktisch heiß gelaufen“, sagt Gakstädter. Als Bundestrainer hatte er wöchentlich Videokonferenzen, tauschte sich mit den örtlichen Nachwuchstrainern und seinen Stabhochspringerinnen aus.

Bei sich zu Hause im französischen Breidenbach, gleich hinter der Grenze bei Hornbach (neben Schweyen) hat er danach eine kleine private To-do-Liste abgearbeitet. „Ich hab’ mein Wohnmobil komplett repariert“, berichtet er stolz. Als die Grenzen dann ganz dicht waren, ist er erst einmal eine Zeit lang bei seinen Eltern auf deutscher Seite geblieben und hat dort geholfen und nach dem Rechten gesehen.

Bullacher ist in Kurzarbeit

Stefan Bullacher, Trainer des Drittliga-Aufsteigers SV 64 Zweibrücken, hat die erzwungene Arbeitspause genutzt, um das Haus umzubauen und zu renovieren. Bei ihm wirkte sich die abgebrochene Saison 2019/20 aber deutlich drastischer aus als beim Berufskollegen Gakstädter. „Ich bin seit Mitte März in Kurzarbeit“, erläutert der 51-Jährige. Bis Juli wird das noch so weiterlaufen. Bis dahin haben seine Männer aber ohnehin Handballpause, in die Sporthallen kann man auch erst seit einigen Tagen wieder. „Wir hoffen, dass wir im Juli wieder mit dem normalen Training beginnen können“, sagt Bullacher. Bisher hatten sich seine Jungs mit individuell zugeschnittenen Krafttrainingsplänen fit gehalten.

Auch die Bürozeit fällt weg„Ich hab’ zu Hause erst mal noch Dinge aufgearbeitet – und dann stand plötzlich die ganze Welt still“, erzählt der A-Lizenz-Inhaber. Keine Konzepte mehr erarbeiten, keine Videos mehr analysieren, keine Trainingspläne mehr konzipieren. „Das ist alles völlig weggebrochen, mit einem Mal war mir die berufliche Existenzgrundlage entzogen“, sagt Bullacher. „Es fehlt einem einfach was, wenn man nicht das tun kann, was man gerne macht“, erklärt er.

Nicht nur der Mann mit Trainingsanzug in der Halle

„Die meisten Menschen sehen bei einem hauptberuflichen Trainer wohl nur den Mann im Trainingsanzug und mit Turnschuhen in der Halle. Ich habe aber jeden Tag normalerweise ganz feste Bürozeiten bis 12, 13 Uhr“, macht Bullacher klar. Bis 17, 18 Uhr sei dann Pause, danach steht er dann oft bis 22 Uhr in der Sporthalle. Die Kurzarbeit derzeit ist für ihn aber in Ordnung, „weil ich finde, dass es ein privilegierter Beruf ist“. Der im Übrigen aus seiner Sicht trotz der Corona-Krise im Kommen ist. Immer mehr Vereine, die sportlich erfolgreich sein wollen, hätten bereits hauptamtliche Trainer. „Gute Trainer werden gesucht. Und es gibt nicht so viele, gut ausgebildete davon“, glaubt er.

Ende September, Anfang Oktober soll die neue Drittliga-Runde im Handball starten – so sieht derzeit der Plan aus. Sechs Wochen vor dem Start sollen die Vereine definitiv Bescheid bekommen. Und Bullacher? „Ich warte einfach täglich darauf, wieder in die Halle zu gehen und ein Training zu halten“, sagt er.

Wettkämpfe im August?

Beim LAZ Zweibrücken läuft der Trainingsbetrieb schon wieder, mit einem extra separaten Bereich, in dem die Sportgeräte ausgegeben und desinfiziert wurden. Alexander Gakstädter glaubt, dass es in diesem Sommer noch Wettkämpfe geben wird. „Ich bin mir sicher, dass Richtung August in der Hinsicht was geht“, sagt er. Mit fünf bis acht Teilnehmern, ohne Zuschauer. Auch die verschobenen deutschen Meisterschaften der Aktiven stehen noch auf dem Wettkampfplan. Am 8. August in Braunschweig, wahrscheinlich als Geisterspiele ohne Zuschauer.

„Erste Zusagen für kleine Wettkämpfe gibt es. Das ist auch gut so, denn sonst fragen sich die Athleten: Wozu trainiere ich denn hier überhaupt?“ Kleinere, vereinsinterne Wettkämpfe sind natürlich jetzt schon drin.

SV 64-Trainer Stefan Bullacher (rechts vorne) weist daraufhin, dass nicht nur der Trainingsbetrieb in der Halle ausgefallen ist,
SV 64-Trainer Stefan Bullacher (rechts vorne) weist daraufhin, dass nicht nur der Trainingsbetrieb in der Halle ausgefallen ist, sondern auch seine täglichen Bürozeiten.
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