Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Zweibrücker Geschäfte in der Corona-Krise: „Man will ja nicht vergessen werden“

Cap-Markt-Kassen mit Plexiglas.
Cap-Markt-Kassen mit Plexiglas.

Wer heute etwas einkaufen möchte, für den ist einiges anders: Hände am Eingang desinfizieren, Abstand halten, einzeln eintreten. Durch die Regelungen wegen des Coronavirus gibt es viele Probleme. Doch die Krise sorgt auch für gute Ideen: Mittagstisch to go, Lieferservice für Spielsachen und Werbung für die Zeit danach.

Gespenstische Leere in der Hallplatz-Galerie, geschlossene Ladentüren in der Innenstadt. An den Türen hängen Schilder, Zettel und Plakate. Sie erklären, warum Geschäfte wie die Buchhandlung Thalia, das Musikhaus Müller oder Mode Franck geschlossen sind. Manche Geschäfte, vor allem Optiker, haben nur für Notfälle geöffnet. Aushänge an den Türen geben an, wie man Hilfe in Not bekommt. Im Schaufenster des Tui-Reisebüros steht in großen Lettern „Fernweh bald wieder möglich – wir sind für sie da“. Andere Schilder weisen auf Lieferservices hin, zum Beispiel am Spielwarengeschäft Cleemann. Mit einem Plakat am Modegeschäft Mister und Lady in der Hallplatz-Galerie sollen Einbrecher abgehalten werden. „Der Tresor ist geleert“, steht da.

„Die Leute halten sich daran“

Obwohl Bäckereien und Drogeriemärkte öffnen dürfen, haben viele ihre Öffnungszeiten beschränkt. Der Drogeriemarkt DM etwa schließt um 17 Uhr, samstags um 14 Uhr. Die Bäckerei am Cap-Markt schließt um 14 Uhr. Für die, die öffnen dürfen gibt es allerlei Hygiene-Vorschriften: In der Verfügung des Landes sind dazu Beispiele aufgeführt. Es soll Desinfektionsmittel geben, Schutzscheiben für die Kassen und nicht zu viele Leute auf einmal im Geschäft.

Die Regeln werden unterschiedlich umgesetzt: Kunden des DM-Markts sollen immer nur dann eintreten, wenn ein anderer den Markt verlässt. Das scheint zu funktionieren: Am Donnerstag konnte man immer wieder Menschenschlangen vor dem Eingang beobachten. Die Bäckerei Leiner dürfen immer nur zwei Personen gleichzeitig betreten, die Metzgerei Grim fünf, die Früchteecke maximal vier. „Die Leute halten sich daran. Sie werden hier nie drei Leute auf einmal finden“, sagt Michael Wolf von der Früchteecke. Da die Menschen bewusster einkauften, hielten sich die Verluste in Grenzen, erzählt Wolf. Doch durch die wenige Laufkundschaft in der Fußgängerzone sei der Umsatz um ein Viertel gesunken. Beim Pizzastand nebenan sei die Lage schlimmer: Momentan mache er nur 35 Prozent vom normalen Umsatz. „Das Mittagsgeschäft läuft noch. Aber wenn nachmittags keiner mehr kommt, machen wir zu“, sagt er. Bis 15 Uhr sei der Laden aber mindestens offen.

Metzgerei-Lieferservice

Restaurants sind inzwischen alle dicht. Sogar der Stadtwurst-Stand hat seine Läden geschlossen, obwohl Straßenverkauf noch erlaubt ist. Manche haben Schlupflöcher gefunden, um noch immer etwas zu verkaufen: Die Wine-Bar am Busbahnhof zum Beispiel bietet von 12 bis 14 Uhr einen Mittagstisch – zum Abholen. Andere, wie die Metzgerei Grim, bieten nun einen Lieferservice. „Wir haben unseren Lieferbereich vergrößert, weil es so viele Anfragen aus der Region gab“, erzählt Heiner Grim von der gleichnamigen Metzgerei begeistert. Die Kunden würden sich größtenteils an Regeln wie Abstand halten und Hände desinfizieren halten. Doch manche, gerade die Älteren, seien nicht so verständnisvoll. „Die muss man da schon drauf stupsen“, sagt Grim.

Das Kaufverhalten habe sich stark geändert: Es gebe weniger Kunden, die dafür mehr kauften. Vielleicht weil sie der Mutter oder Oma was mitbringen oder weil sie seltener kommen wollen, vermutet er.

Damit die Leute Abstand halten, gibt es Absperrband und Hütchen auf dem Boden. Bei der Bäckerei Knauber können die Kunden gar nicht zu nah ran: Denn es stehen Kisten vor der Theke, an denen man nicht vorbeikommt. Plexiglas-Scheiben zwischen Verkäufer und Kunden sind hier schwer umsetzbar, denn die Waren müssen ja über die Theke. In anderen Geschäften dagegen, gibt es die schon: Im Cap-Markt, im DM und auch im Netto zum Beispiel sind sie an den Kassen. Und Markierungen sind auf dem Boden, an denen sich die Kunden orientieren können, um Abstand zu halten. Nur wenige Läden in der Stadt haben solche Maßnahmen noch nicht umgesetzt.

Ein Stand, keine Kunden

Noch weiter geht die Sonnen-Apotheke in der Hauptstraße: Hier werden Kunden nur noch an der Tür bedient. „Die meisten Leute haben Verständnis“, sagt Katharina Engel, die gerade einem Kunden ein Medikament durch die Tür gereicht hat. Vergangene Woche sei viel los gewesen, inzwischen habe es sich beruhigt. Die Leute kauften alles mögliche: „Je nachdem, welches Gerücht herumgeht, was gegen Corona hilft.“ Einige kauften auch auf Vorrat. Das sei teilweise sinnvoll sagt sie, denn Lieferengpässe könne es immer mal wieder geben.

Auch den Wochenmarkt darf es offiziell geben: Doch nur ein Stand war am Donnerstag in der Fußgängerzone zu sehen. „Ich habe keine Angst. Außerdem halte ich Abstand“, erklärt der Inhaber von MT-Instrumente, der medizinisches Werkzeug verkauft. Kunden kämen zwar fast keine mehr, doch „man will ja nicht vergessen werden“.

Metzgerei Grimm: Abstand halten.
Metzgerei Grimm: Abstand halten.
Sonnenapotheke: Katharina Engel verkauft durch die Tür.
Sonnenapotheke: Katharina Engel verkauft durch die Tür.
Maximal vier Personen dürfen gleichzeitig in dei Früchte-Ecke.
Maximal vier Personen dürfen gleichzeitig in dei Früchte-Ecke.
Cap-markt: Bitte desinfizieren.
Cap-markt: Bitte desinfizieren.
Warten vor dem DM-Markt.
Warten vor dem DM-Markt.
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