Rettungsschwimmen
Zweibrücker Baumann räumt bei Junioren-EM der Unter-18-Jährigen in Polen mächtig ab
Am Donnerstag war Ausruhen angesagt, die Poolwettkämpfe bei den Junioren-Europameisterschaften (JEM der bis 18-Jährigen) der Rettungsschwimmer im polnischen Stettin waren am Mittwochabend zu Ende gegangen. Am Freitag geht es für die 300 Schwimmer (die Aktiven tragen ihre EM zeitgleich aus) weiter an die Ostsee nach Misdroy, wo die Freigewässerwettkämpfen ausgetragen werden. Auch für Leo Ilias Baumann.
Der Zweibrücker war schon prima in die JEM gestartet. Der Athlet der Wassersportfreunde Zweibrücken, der als Rettungsschwimmer aber für die DLRG-Ortsgruppe Völklingen antritt, hatte gleich am Montag über 200 Meter Hindernis (Freistilschwimmen und unter Hindernissen durchtauchen) gewonnen – und damit seinen Titel aus dem Vorjahr verteidigt. Dazu kam Silber mit der deutschen 4x25-Meter-Hindernisstaffel.
Paukenschlag durch deutsche Puppenstaffel
Tags darauf fischte der Schüler der zwölften Klasse des Saarbrücker Rotenbühl-Gymnasiums, einer Eliteschule des Sports, erneut Gold und Silber aus dem Becken in Stettin. Erst gewann Baumann die Silbermedaille in der Disziplin „50 Meter Puppe retten“. Dabei müssen die Starter 25 Meter Freistil schwimmen, dann zu einer Puppe abtauchen, sie in einem Bereich von fünf Metern an die Wasseroberfläche bringen und danach ins Ziel schleppen. Im Vorlauf hatte der 17-jährige Baumann dabei in 30,61 Sekunden noch Platz drei hinter dem Polen Tobiasz Staszkiewicz (29,42 sec) und dem Spanier Marcos Serrano Garrido (30,58) belegt. Die Aussichten auf eine weitere Medaille waren gut: Im Vorjahr war Baumann als Doppel-Juniorenweltmeister in dieser Disziplin in 28,96 Sekunden sogar schon einmal Jugend-Weltrekord geschwommen.
Im Finale über „50 Meter Puppe retten“ war es dann knapp: Staszkiewicz schlug nach 29,44 Sekunden an, Baumann steigerte sich gegenüber dem Vorlauf auf 29,56 Sekunden und ließ damit den Spanier Serrano Garrido (30,06) noch hinter sich – Silber. Der Paukenschlag des Tages aus deutscher Sicht kam dann aber noch: In der 4x25 Meter-Puppenstaffel schnappte sich das deutsche Quartett – mit Baumann an zweiter Position – in einem spannenden Rennen die Goldmedaille in 1:09,86 Minuten vor Spanien (1:10,34) und den Polen (1:10,86).
Baumanns Fokus auf „200 Meter Super Lifesaver“
Am Mittwoch absolvierte der 2,02 Meter große Baumann dann ein regelrechtes Mammutprogramm – mit großem Erfolg. Vier Vorläufe, vier Endläufe, dabei räumt er noch einmal einen kompletten Medaillensatz mit Gold, Silber und Bronze ab. „Da war abends schon ein bisschen feiern angesagt“, sagte der stolze Papa Raban Baumann, der seinen Sohn nach Polen begleitet hatte.
Am meisten freute sich Leo Baumann über den Sieg in der Königsdisziplin „200 Meter Super Lifesaver“ in 2:10,86 Minuten vor dem Franzosen Mathis Raynaud (2:10,94) und dessen Landsmann Liam Martin (2:12,03). Darauf hatte er sich im Vorfeld beim Trainingslager des deutschen Teams in Halle – unter anderen mit dem dortigen DLRG-Stützpunkttrainer Urs Schirbel – ganz klar fokussiert. Und es war für ihn immerhin schon das siebte von acht Rennen an diesem Tag.
Auch mit den deutschen Staffeln erfolgreich
Im Finale hatte sich Baumann dabei mächtig gesteigert, im Vorlauf war er in 2:15,69 Minuten nur Vierter gewesen. Beim „Super Lifesaver“ schwimmen die Starter 75 Meter Freistil, tauchen dann zu einer am Beckenboden liegenden Puppe ab, bringen sie in einem Bereich von fünf Metern an die Wasseroberfläche und schleppen sie zur 100-Meter-Marke. Dort lassen sie die Puppe los, ziehen Flossen an und legen den Gurtretter um. Sie schwimmen erneut 50 Meter Freistil, legen an der Wende den Gurtretter einer weiteren Puppe um (bis zum Brustring im Wasser) und schleppen diese dann in Ziel.
Silber gewann der DLRG-Perspektivkader-Schwimmer zudem mit der deutschen 4x25 Meter Mixed-Rettungsstaffel in 1:49,60 Minuten, für die er an Position drei ins Becken ging. Als Starter führte er die 4x50 Meter Medley-Staffel in 1:32,21 Minuten zu Bronze. Bei der kombinierten Rettungsübung über 100 Meter (50 Meter Freistil, bei 67,5 Metern Puppe vom Beckenboden retten, und dann ins Ziel schleppen) landete er im Finale in 1:05,59 Minuten auf Platz sieben.
Jetzt Umzug nach Misdroy an die Ostsee
„Der Bundestrainer war begeistert“, berichtete Raban Baumann hinterher. Sohn Leo hatte die meisten Medaillen fürs deutsche Junioren-Team eingesammelt: zweimal Gold und einmal Silber im Einzel, dazu einmal Gold, zweimal Silber und einmal Bronze mit den Staffeln.
Nach der Hälfte der Wettkämpfe liegen die deutschen Junioren auf dem dritten Platz hinter Italien und Spitzenreiter Spanien. „Die Junioren haben richtig gut abgeliefert. Die insgesamt zwölf Medaillen verteilen sich auch auf einige Schultern. Das freut uns natürlich besonders“, sagte DLRG-Teammanager Holger Friedrich, der die Truppe in Polen zusammen mit Sportdirektor Kai-Uwe Schirmer und Trainer Urs Schirbel betreut. In den Freigewässerwettkämpfen soll Baumann nun noch in einer Staffel und beim „Surf Race“ ran. Beim „Surf Race“ wird auf einem 400 Meter langen Rundkurs am Strand gestartet, zum Wasser gelaufen, an verschiedenen Bojen vorbeigeschwommen und am Strand wieder ins Ziel gelaufen.